Denn weil der Regen immer stärker wurde, hatte der McLaren-Pilot auf Slicks keine Chance mehr und ließ den möglichen ersten Grand-Prix-Sieg aus den Händen gleiten.
Zwei Runden später fuhr er - viel zu spät - ebenfalls zum Reifenwechsel, wurde aber lediglich Siebter. Hamilton konnte hingegen doch noch seinen 100. Sieg perfekt machen. Und das, weiß er, hatte er seinem Team zu verdanken: "Das Team hat am Ende eine großartige Entscheidung getroffen", sagt Hamilton, der eigentlich nicht an die Box fahren wollte. "Ich habe den ersten Aufruf ignoriert", gibt er zu. "Ich dachte mir: Nein, er ist genau vor mir!"
"Für die Fahrer ist es immer sehr schwierig, wenn die Hälfte der Strecke trocken ist und die andere nur etwas feucht", nimmt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff Hamilton in Schutz. "Wir wussten, dass das große Wetter im Anmarsch ist. Valtteri Bottas ist in der Runde davor in die Box, und dann wollten unsere Wetterfrösche und Strategen unbedingt an die Box."
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Hamilton kam rund 25 Sekunden hinter Norris wieder auf die Strecke und war nicht überzeugt, dass er den Rückstand in den verbleibenden Runden wieder aufholen könnte. Doch eine Runde später war der Rückstand schon auf 18 Sekunden zusammengeschmolzen. Da war schon abzusehen, dass Norris seine Führung nicht über die verbleibenden drei Runden würde retten können.
Doch das Überholmanöver kam schneller als gedacht, denn weil die Strecke immer nasser und rutschiger wurde, rutschte Norris in die Auslaufzone und musste den Traum vom Sieg begraben.

Norris: "Am Boden zerstört"

"Ich bin natürlich unglücklich und in gewisser Weise am Boden zerstört. Wir haben uns dafür entschieden, draußen zu bleiben. Zu dieser Entscheidung stehen wir, aber es war natürlich am Ende die falsche", hadert er. Das nimmt er auf seine Kappe, denn das Team wollte ihn eigentlich reinholen. "Aber ich wollte draußen bleiben. Es war meine Entscheidung, ich dachte, es ist die richtige", sagt er.
Norris' Problem war: Er hatte eine Menge zu verlieren. Als Führender fällt es deutlich schwerer, seine Position aufzugeben, als einem Fahrer weiter hinten, der nur gewinnen kann. "Als Führender kannst du nur verlieren. Wir haben heute davon profitieren können", weiß Toto Wolff.
Und: Weil nur noch wenige Runden zu fahren waren, war die Entscheidung noch schwerwiegender. "Wenn es 20 Runden gewesen wären, wäre die Entscheidung vielleicht nicht so aggressiv ausgefallen", sagt Norris.

"Mir wurde gesagt, dass der Regen so bleiben würde ..."

Zudem war es in den Runden vor der Entscheidung für die Reifen "absolut in Ordnung", wie Norris weiter betont. "Mir wurde gesagt, dass der Regen so bleiben würde. Wenn es so geblieben wäre, wäre es auch die richtige Entscheidung gewesen. Aber es ist deutlich nasser geworden als erwartet."
Dass er so um seinen ersten Sieg gebracht habe, sei "einfach herzzerreißend", wie der Brite sagt. "Ich habe alles getan, was ich konnte. Ich habe ein paar Fehler gemacht, als es am Ende schwierig wurde, aber ich habe Lewis hinter mir halten können und bin sogar etwas weggezogen."
"Wir haben getan, was wir für richtig gehalten haben. Am Ende war es falsch, aber bis dahin haben die Jungs einen exzellenten Job gemacht. Ich bin mit allem zufrieden - abgesehen von der einen Entscheidung", so Norris.

Lando Norris enttäuscht über den 7. Platz

Fotocredit: Getty Images

Hamilton: Ohne Regen kein Sieg?

Lewis Hamilton gibt derweil zu, dass er das Rennen ohne den Regen am Ende wahrscheinlich nicht gewonnen hätte. Zwar hatte er zuvor gut auf seinen Gegner aufgeholt, doch den McLaren zu überholen, wäre noch einmal eine andere Aufgabe gewesen.
"Es wäre schwierig gewesen, an Lando vorbeizukommen", sagt er. "Er hatte eine großartige Pace und hatte auch die schnellste Runde. Es wäre also schwierig geworden, außer wenn wir vielleicht auf Verkehr aufgelaufen wären oder er einen Fehler gemacht hätte, was er aber nicht gemacht hat."
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