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Grand Prix von Ungarn: Kontroverse Stallorder bei McLaren - Lando Norris reagiert schmallippig
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Update 21/07/2024 um 18:31 GMT+2 Uhr
Was für ein dramatischer Grand Prix von Ungarn! In einem Rennen, das seine Spannung vor allem aus Kontroversen am Boxenfunk bezog, die sicher im Nachgang zu heißen Diskussionen führen werden, feierte am Ende Oscar Piastri den ersten Sieg seiner Karriere. Lando Norris, der durch eine McLaren-Stallorder in Führung liegend zurückgepfiffen wurde, wurde Zweiter. So kam es zur kontroversen Entscheidung.
Lando Norris musste Oscar Piastri wieder vorbeilassen
Fotocredit: Getty Images
Nachdem Oscar Piastri die erste Hälfte des Rennens kontrolliert hatte, schmolz zur Halbzeit nach und nach sein Vorsprung. Der Australier verlor wegen eines Fahrfehlers zwei Sekunden in einer Runde.
Eine Trendwende: Jetzt schien plötzlich Lando Norris das höhere Tempo gehen zu können. Piastri wurde in der Phase am Boxenfunk gefragt: "Wie geht's dem Reifen?" Worauf er antwortete: "Wird langsam wieder."
In Runde 45 setzte McLaren zum Boxenstopp an, und es wurde Norris zuerst reingeholt - also akutes Undercut-Risiko für Piastri! "Wenn ich jetzt Oscar Piastri wäre, oder sein Manager, täte ich mich sowas von aufregen", wunderte sich "ORF"-Experte Alexander Wurz. McLaren funkte an Piastri: "Wir holen Lando rein, um Lewis Hamilton zu covern. Wir kümmern uns nachher um die Situation."
Norris kam erst zwei Runden später, in Runde 47, an die Box. Standzeit: 2,9 Sekunden. Norris übernahm dadurch die Führung, und hatte danach sogar 2,7 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen.
- Rennbericht: Piastri feiert Premierensieg in Ungarn
Norris hat höhere Pace als Piastri
Doch dann kam der Funkspruch an Norris: Er möge die Position bitte zurückgeben. Eine Stallorder gegen Norris, die Wurz nicht nachvollziehen konnte: "Von dem verlangen sie jetzt in der Hitze des Gefechts, ein Gentleman zu sein. Das hätte ich nicht gemacht."
Nur: Norris baute seinen Vorsprung immer weiter aus. Nach 50 Runden hatte er schon 3,7 Sekunden Vorsprung. An Piastri wurde jetzt gefunkt: "Sobald du an Lando dran bist, tauschen wir die Positionen. Aber wir wollen vermeiden, dass Lando zu viel Rennzeit aufgeben muss." Sprich: Die Position gibt's nur zurück, wenn er zu Norris aufschließen kann.
Damit tat sich Piastri aber schwer. Der McLaren-Kommandostand kam jetzt offenbar ins Schwitzen, und gab Norris Kurve für Kurve durch, wo er mehr Reifen schonen soll - gefolgt von dem Appell: "Ich weiß, du wirst das Richtige tun." Doch Norris reagierte nicht. Dann kam erneut der Renningenieur: "Kurve 4, Kurve 11. Wird langsam langweilig."
Wurz meinte jetzt im Live-Kommentar: "Da muss jetzt der Teamchef an den Funk kommen." Um ein Machtwort zu sprechen und Norris zu erklären, dass er Piastri vorbeilassen muss, ohne verklausulierte Formeln wegen des Reifenverschleißes.
Norris lässt Team und Piastri zappeln
Nach rundenlanger Stille meldete sich irgendwann doch wieder Norris am Funk: "Okay. Dann sagt ihm, dass er aufholen soll." Da betrug sein Vorsprung schon mehr als fünf Sekunden. Tendenz steigend. Jetzt wurde Piastri aufgefordert: "Wir brauchen jetzt deine beste Pace."
Fünf Runden vor Schluss hatte Norris sechs Sekunden Vorsprung. Am Boxenfunk wurde er jetzt regelrecht angebettelt: "Der Weg, diese WM zu gewinnen, bist nicht du, sondern ist mit dem Team. Du wirst Oscar brauchen, und du wirst das Team brauchen."
Piastri wurde jetzt auch langsam ungeduldig: "Je länger wir warten, desto riskanter wird's." Antwort: "Verstanden, Oscar. Wir managen es."
McLaren-Teamchef: "Sind auf diesem Weg gemeinsam"
In Runde 67 (von 70) ging Norris dann endlich vom Gas und ließ Piastri in Führung. Norris quittierte das mit einem trotzigen Funkspruch: "Ja, du brauchst jetzt nichts mehr zu sagen."
Norris ließ sich zwar nicht sofort abschütteln, sondern blieb hinter Piastri auf der Lauer. Eine Attacke ritt er aber nicht mehr, sodass der erste Doppelsieg für McLaren seit Monza 2021 hielt. Randnotiz: Auch damals musste Norris wegen einer Stallorder zurückstecken.
Beim ersten TV-Interview durchgeführt von Nico Rosberg, wirkte Norris noch etwas schmallippig. Er sagte: "Das Team hat mich drum gebeten, also hab ich's gemacht."
Später auf der Pressekonferenz stellte der Brite jedoch mehrfach klar, dass er den Sieg heute nicht verdient gehabt hätte. Natürlich hätte er die zusätzlichen Punkte für die WM gerne gehabt, aber Fakt sei, dass er nur durch seinen früheren Boxenstopp geführt habe. Norris gab aber zu, dass er natürlich darüber nachgedacht habe, die Position nicht zurückzugeben. Denn manchmal müsse man in der Formel 1 egoistisch sein. Es sei "nicht einfach" gewesen, aber letztendlich sei er eben auch ein Teamplayer.
McLaren-Teamchef Andrea Stella betonte bei "Sky": "Wir sind auf diesem Weg gemeinsam unterwegs. Keiner von uns - weder das Team noch Lando oder Oscar - kann allein gehen. Das ist die Botschaft, die wir am Sonntagmorgen besprochen haben."
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