F1 Ungarn - Fernando Alonso jubelt nach Platz fünf im Aston Martin auf dem Hungaroring: "Besser geht es nicht"

Vor einer Woche noch doppelt Letzter, jetzt im siebten Himmel: Fernando Alonso fährt beim Großen Preis von Ungarn auf Rang fünf, doch im Team rätselt man über die Gründe für den plötzlichen Aufschwung. Auch Alonso selbst wundert sich über den Anstieg der Performance. Teamchef Mike Krack freute sich über die starken Ergebnisse des Spaniers und seines zweiten Fahrers Lance Stroll.

Fernando Alonso wurde in Ungarn Fünfter

Fotocredit: Getty Images

Mal ganz weit gedacht: Wären sich Lando Norris und Oscar Piastri in den Schlussrunden gegenseitig ins Auto gefahren, dann hätte Fernando Alonso ein Podest abstauben können. "Natürlich denkt man ans Podium", konnte sich Aston Martins Einsatzleiter Mike Krack ein Grinsen nicht verkneifen und gab zu: "Du hoffst natürlich immer, dass etwas passiert."
Trotzdem konnte Aston Martin auch ohne McLaren-Crash sehr zufrieden mit dem Ergebnis in Ungarn sein. Platz fünf von Alonso war das beste Ergebnis des Teams in dieser Saison, das noch mit dem siebten Platz für Lance Stroll garniert wurde. Das macht stolze 16 Punkte und einen Sprung von Rang acht auf Rang sechs in der WM.
"Das ist ein fantastisches Ergebnis und sehr gut für die Motivation vor der Sommerpause", meinte Krack. "Das ist sehr wichtig in diesem Mittelfeldkampf. Und jetzt gehen wir erstmal in die Ferien und dann schauen wir weiter."
"Ich denke, besser geht es nicht", sagte auch Alonso, der am Freitag noch mit Rückenproblemen das erste Training ausgelassen hatte, am Sonntag aber als Best of the Rest Platz fünf belegte und damit sein starkes Qualifying-Ergebnis unterstreichen konnte.

Krack: "Super gemanagtes Rennen"

"Wir haben die Performance des Autos gestern im Qualifying und heute im Rennen maximal ausgeschöpft. Viel mehr konnten wir auf unserer Seite nicht tun", lobte der Spanier. "Jemand hat mir gesagt, dass die beiden McLarens sich zeitweise sehr nahe waren - das wäre noch besser gewesen, aber das ist nicht passiert."
Alonso war von Anfang an auf einer Einstopp-Strategie unterwegs und setzte diese perfekt um. "Es war ein super gemanagtes Rennen, strategisch sehr gut geplant", betonte Krack. "Wir hatten das Rennen jederzeit unter Kontrolle."
Die größte Gefahr schien eigentlich nur Max Verstappen zu sein, der mit seinen zwei Stopps eine andere Taktik wählte, "aber er hatte dann etwas Verkehr, und am Ende waren wir etwas entspannter", meinte Alonso.
Der 44-Jährige war am Start sogar vor Norris gekommen, doch sich gegen den McLaren härter zu verteidigen, hätte keinen Sinn gehabt. "Die Fahrer mussten extrem gut nach den Reifen schauen. Und das haben sie gemacht", lobte Krack bei "ServusTV". "Du musst dich dann eine Weile zurückhalten und kannst nicht voll pushen. Und wie sie das gemacht haben, das war schon extra klasse."

Alonso erklärt Duell mit Russell

Alonso spielte dabei seine ganze Erfahrung aus und hielt George Russell hart, aber nur so lange es nötig war auf, nachdem dieser an die Box gekommen war und sich frische Reifen geholt hatte. Denn der Spanier stand zu dem Zeitpunkt kurz vor seinem eigenen Stopp. "Ich wollte nicht zu viel Zeit verlieren", sagte er über den Zweikampf, bei dem ihm Russell sogar ins Heck gefahren war.
"Ich wollte, dass er mich auf der Geraden überholt, nicht in Kurve 2, denn da verlieren wir beide viel Zeit. Ich habe gesagt: Ich verteidige diese Gerade, und vielleicht lasse ich ihn in der nächsten Runde vorbei", so der Aston-Martin-Pilot.
Nach seinem Boxenstopp musste Alonso das Rennen dann nur noch nach Hause bringen.
Natürlich fragt sich der geneigte Beobachter: Was hat sich bei Aston Martin innerhalb von einer Woche verändert? Denn in Spa belegten Alonso und Stroll noch gemeinsam die letzte Startreihe. "Die Position", lautete Kracks Antwort auf die Frage.

Alonso: "Eine schöne Überraschung"

Denn das Auto hat sich in der Zwischenzeit eigentlich nicht verändert. "Es ist definitiv eine Überraschung - eine schöne Überraschung", fand Alonso, der mit dem Ergebnis vor dem Wochenende nicht im Ansatz gerechnet hätte - genauso wenig wie Krack. "Normalerweise springt man nicht innerhalb von sieben Tagen vom Ende ins vordere Mittelfeld", erklärte er.
Die Frage ist: Warum gelang der Sprung? Und diese Frage stellt man sich auch bei Aston Martin. Klar: Die Strecke in Spa kam dem AMR25 nicht entgegen, und auch die Bedingungen waren in Belgien vor einer Woche komplett andere, als man mit einem Regen-Set-up fuhr. "Wir müssen genau analysieren, was in Spa anders war als hier", meinte Krack.
Ähnlich äußerte sich Alonso: "Das Gute ist, dass wir konkurrenzfähig und schnell waren. Das Beunruhigende ist, dass wir nicht wissen, warum. In gewisser Weise brauchen wir diese Woche in der Fabrik, um genau zu analysieren, was die Unterschiede zwischen Spa und Ungarn waren - am Auto, am Set-up, bei den Aero-Teilen, mit denen wir gefahren sind."
"Das Hauptthema war für uns der neue Frontflügel dieses Wochenendes. Wenn der wirklich so viel Performance bringt, ist das sehr gute Nachricht - aber das muss jetzt genau verstanden werden", so der Spanier.

"Erste Anzeichen in Silverstone"

Und auch der Silverstone-Unterboden könnte eine Rolle spielen, der zuletzt in Spa nicht im Einsatz war. "Wir hatten die ersten Anzeichen in Silverstone, und jetzt war das die Bestätigung", befand der 44-Jährige. "Das Gute ist, dass alles, was wir ans Auto bringen, genau das liefert, was der Windkanal versprochen hat."
Doch bezüglich des Unterbodens gibt es noch Unklarheiten, welcher wirklich der bessere ist und ob der eine vielleicht auf einigen Streckentypen besser funktioniert und der andere auf anderen. "Wenn es so einfach wäre, hätten wir die Entscheidung schon längst getroffen", meinte Krack.
"Ich denke, der erste Schritt ist jetzt die Analyse von Budapest. In der kommenden Woche tauchen wir tiefer ein und schauen uns alle Details an. Was brauchen die nächsten Strecken von uns? Dann treffen wir die Entscheidung, ob wir mit einem Boden weitermachen oder was genau wir tun. Das ist eine Teamentscheidung, und wir werden die richtige treffen."
Zumindest gibt das Ergebnis von Budapest dem Team den nötigen Aufwind, der nach Spa noch gefehlt hat. "Es ist eine riesige Wende in nur einer Woche", freute sich Alonso. "Nach Spa war ich ehrlich gesagt besorgt über die zweite Saisonhälfte. Wir waren alle etwas demotiviert im Team. Aber diese sieben Tage haben alles komplett gedreht."

VOrfreude auf zweite Saison-Hälfte

"Jetzt freuen wir uns auf die zehn verbleibenden Rennen. Gleichzeitig gibt es aber noch Arbeit zu tun, um zu verstehen, warum wir hier konkurrenzfähig waren", mahnte der zweimalige Weltmeister. Und auch Krack drückte auf die Euphoriebremse: "Wir müssen realistisch sein", sagte er. "Wir hatten letzte Woche ein Paket, das war sehr ähnlich. Und wir waren eigentlich nirgendwo."
"Das heißt, es wird weiterhin sehr schwierig sein." Zumindest lässt es sich von WM-Rang sechs mit 52 Punkten entspannter in die Sommerferien gehen.
picture

Norris vs. Piastri: Wenn der Kollege zum WM-Rivalen wird

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung