Schwerer Unfall im Chaos-Rennen

Im Sturm-Chaos von Suzuka und unter dem Eindruck des schweren Unfalls von Marussia-Fahrer Jules Bianchi hat Nico Rosberg als Zweiter seine Titel-Ansprüche in der Formel-1-WM aus den Augen verloren und im Mercedes-Duell gegen Lewis Hamilton die nächste bittere Niederlage kassiert. Sebastian Vettel kam in einem vom nahen Taifun, Unfällen und dem Safety Car bestimmten Rennen auf den dritten Rang.

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Das Rennen wurde in der 47. von 53 Runden wegen schwerer Regenfälle und einem Unfall mittels Roter Flagge abgebrochen.
Jules Bianchi war kurz vor dem Ende in einen Unfall verwickelt und verletzt worden - wie schwer, war zunächst unklar.
Sauber-Fahrer Adrian Sutil war von der Strecke gerutscht, während der Bergung prallte der nachfolgende Bianchi gegen den Abschleppwagen.
"Er ist nicht bei Bewusstsein und wurde per Krankenwagen in die Klinik gebracht, da der Hubschrauber bei diesen Wetterbedingungen nicht fliegen kann", erklärte FIA-Sprecher Matteo Bonciani. Im nahegelegenen "Mie General Hospital" wurde Bianchi mit schweren Kopfverletzungen eingeliefert und operiert sowie im Anschluss auf der Intensivstation überwacht, so die FIA.
Nico Rosberg sagte, er habe "einige Informationen" über den Zustand Bianchis erhalten und es scheine "sehr, sehr ernst zu sein - ich hoffe das Beste".
Rund zwei Stunden nach dem tragischen Zwischenfall gab der Vater des Unfallopfers im französischen TV-Sender France 3 bekannt, sein Sohn werde am Kopf operiert, er habe eine Hirnblutung erlitten und der Zustand sei sehr ernst: Man müsse nun 24 Stunden abwarten, bevor man mehr sagen könne.
Die französische Sportzeitung L'Equipe meldete am Nachmittag, die Operation sei inzwischen abgeschlossen und Bianchi könne selbstständig atmen.
"In Gedanken bei Jules"
"Ich hab das Auto wegen Aquaplaning verloren", sagte Sutil: "Mir geht es gut, aber was dann passiert ist, war ein echter Schock, weil die Folgen andere sind. Ich hoffe, dass es ihm gut geht, aber mehr möchte ich gerade gar nicht sagen aus Respekt vor Jules." Nach seinem Unfall, so Sutil, "hätte man gleich das Safety Car holen müssen, aber hinterher ist man halt immer schlauer."
"Ich bin in Gedanken bei Jules, ich wünsche ihm das Beste", sagte Rosberg noch auf dem Siegerpodest: "Die Bedingungen waren echt hart da draußen, der zweite Platz ist da noch im Rahmen."
Auch Vettel war in Gedanken bei dem Franzosen und freute sich deshalb eher verhalten über "ein großartiges Rennen. Es war sehr schwierig heute, es hat lange gedauert bis es richtig losging. Aber dann hat es großen Spaß gemacht." Im Moment sei es allerdings "die Ungewissheit, die einen quält. Wir wünschen Jules das Beste und hoffen, dass er in Sotschi wieder dabei ist."
Taifun sorgt für Wetter-Chaos
Der folgenschwere Crash löste die letzte Safety-Car-Phase aus, in welcher der Lauf schließlich in der 47. Runde abgebrochen wurde. Auch Nico Hülkenberg im Force India musste das Rennen in der Schlussphase mit technischen Problemen beenden. Das Ergebnis nach 44 Runden wurde gewertet, bei Roter Flagge wird die vorletzte vollendete Runde herbeigezogen.
Angesichts der offenen Frage um Vettels Zukunft waren am Samstag sogar die Sorgen vor einem Chaos-Rennen wegen des nahen Taifuns für eine Weile in Vergessenheit geraten - bis zum Sonntagmorgen. Denn wie vom Wetterdienst angekündigt, schob "Phanfone" in der Nacht zum Sonntag eine dunkle Wolkendecke über Suzuka und brachte zunächst leichten, aber andauernden Regen.
Pünktlich zum Start ging der bis dahin stärkste Regen auf die Strecke nieder, ein Rennbeginn hinter dem Safety Car war unumgänglich. Gleich auf der ersten Runde hatten die Fahrer große Probleme mit der Sicht, Vettel klagte trotz der geringen Geschwindigkeit des Feldes via Funk über Aquaplaning. Das Rennen drohte zur Farce zu werden - und wurde per roter Flagge gestoppt.
Vettel kämpft sich nach vorne
Zwanzig Minuten wartete das Feld in der Boxengasse, bis es aufhörte zu regnen. Dann erfolgte der nächste Start hinter dem Safety Car, und in Fernando Alonso verabschiedete sich gleich der erste prominente Fahrer aus dem Rennen: Der Spanier musste seinen Ferrari abstellen, nachdem die Elektronik seines Autos komplett versagt hatte.
Der Kurs trocknete in dieser Phase recht schnell ab, und die Fahrer wollten endlich um Positionen kämpfen. "Charlie, die Strecke ist in Ordnung!", funkte Hamilton in Richtung des Rennleiters Charlie Whiting - nach neun Runden wurde das Rennen schließlich freigegeben. Die Fahrer wechselten auf Intermediates, und Vettel machte fortan viele Positionen gut. Bis zur 19. Runde arbeitete er sich auf Platz vier vor, direkt vor Teamkollege Daniel Ricciardo.
An der Spitze drehte weiter Rosberg mit knappem Vorsprung auf Hamilton seine Runden. Doch der Druck des Engländers wurde größer, bald ging er mühelos vorbei und baute seinen Vorsprung aus. Auch im Zuge der nächsten Stopps blieb Hamilton vorne, dahinter schlüpfte Vettel bereits auf den dritten Rang. Vettels letzter Stopp, durch den er auf Rang vier zurückfiel, war letztlich bedeutungslos - die letzten Runden gingen nicht mehr in die Wertung ein.
VIDEO - Eine Runde mit Hamilton in Suzuka
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