Eurosport

So bringt man F1-Technik auf die Straße

So bringt man F1-Technik auf die Straße

02/11/2015 um 15:41

Gesponserter Inhalt

Die F1 ist Rennsport sowie Labor für die Herstellung herkömmlicher Autos zugleich. So funktioniert die Symbiose aus Motorsport und der Serienproduktion. Moderne F1-Boliden befinden sich in einer ganz anderen Welt als unsere alltäglichen Autos. Aber für die Hersteller, die an Grand-Prix-Rennen beteiligt sind, ist der Sport genauso wichtig wie ihre interne Forschung und Entwicklung.

Fünf Automobilmarken sind zurzeit an der Formel 1 als Teambesitzer oder Motorenlieferanten beteiligt: Die Supercar-Hersteller Ferrari und McLaren (letztere werden immer produktiver, obwohl sie erst vor kurzem aus ihrem Rennteam heraus entstanden sind) und Mainstream-Marken Mercedes, Renault und Honda.

Es entwickelt sich zunehmend ein Austausch zwischen den Entwicklern im Rennsport und ihren Kollegen, die für die Straßen-Automobile.

Paddy Lowe, Generaldirektor beim Mercedes-F1-Team, erklärt: "Gibt es einen Austausch von Technik zwischen Renn- und Pkw-Konstruktions-Abteilungen? Ganz klar: 'Ja', aber die Sache ist subtiler als das Verschrauben von Teilen eines Autos bei einem anderen. Es gibt Beispiele für die direkte Übertragung, aber es gibt auch eine indirekte Übertragung, wo die F1 als Forschungslabor für die Entwicklung neuer Lösungen dient und auch, um der Welt zu zeigen, was möglich ist."

Für das Ferrari-F1-Team ist diese Verbindung der einzige Grund für seine Existenz. Das war schon immer so. Und die F1- und GT-(Straßenauto)-Bereiche des Unternehmens sind buchstäblich miteinander verflochten. Damit wird gewährleistet, dass das Herzblut vom Rennsport in die Straßenauto-Technologie fließt.

"Wir versetzen Menschen von einer Seite auf die andere und es findet ein Informationsaustausch statt", sagte Ferraris Technologietransfer-Manager Amedeo Visconti in einem Interview mit Professional Motorsport. "Manchmal ist es geplant, manchmal geschieht es einfach nur durch Zufall. Durch Menschen kann man Kenntnisse, Mentalität und Beziehungen übertragen."

So bringt man F1-Technik auf die Straße

So bringt man F1-Technik auf die StraßeEurosport

Das Problem damit, Rennsporttechnik auf die Straße zu bringen, ist, dass das Scheckbuch in der F1 ziemlich locker sitzt, wohingegen Straßenautos – egal ob es sich um einen Renault Clio oder einen Ferrari handelt – kommerziell sinnvoll sein müssen.

Also selbst wenn eine von einem Rennteam adaptierte Lösung für die Straße sinnvoll erscheint, muss sie doch angepasst werden, um bezahlbar zu bleiben. Und genau hier ist es am wichtigsten, dass der Austausch von Wissen gelingt.

"Menschen, die vom Rennteam kommen, haben das Know-how, aber müssen sich industriellen Gebräuchen anpassen – sogar bei Ferrari, die vergleichsweise weniger Autos pro Tag produzieren", erklärte Visconti. "Der Designer muss die Art von Anlagen und Prozessen berücksichtigen, die zur Verfügung stehen, um das zu produzieren, was er entworfen hat."

Dieser Prozess ist in der Regel erfolgreicher in kleineren Teams, wo es weniger Struktur und Bürokratie gibt. Allerdings funktioniert es auch gut bei Mercedes, einem Unternehmen, das mehr als 1,7 Mio. Fahrzeuge im Jahr 2014 verkauft hat.

So bringt man F1-Technik auf die Straße

So bringt man F1-Technik auf die StraßeEurosport

Mercedes konzentriert sich auch auf wechselseitige Beziehungen. Ingenieure aus der Pkw-Abteilung erhalten langfristige Stellen im F1-Team. Es gibt genauso viel über die Philosophie und das Tempo der Gestaltung zu lernen, wie über die Entwürfe, die entwickelt werden.

"Wenn man ein (guter) Ingenieur (bei den Mercedes-Straßenautos) ist, hat man die Möglichkeit für ein Jahr in die F1-Welt zu tauchen", erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Die F1 ist eine viel kleinere Organisation und weniger hierarchisch. Es verschafft einem einen anderen Ansatz, wenn man wieder in die Welt der großen Unternehmen eintaucht."

Neben der direkten Einbindung des Personals sind die Mercedes Straßen- und Rennteams in ständigem Kontakt, um Entwicklungen wie Hybrid-Technologie zu besprechen. Es ist eine wechselseitige Angelegenheit mit ebenso viel Kenntnis über Energierückgewinnung in der F&E-Abteilung wie im F1-Konstruktionsbüro.

Mercedes macht sogar von den Einschränkungen bei der F1-Motorenentwicklung während der Zwischensaison Gebrauch und borgt sich das Hochleistungs-Antriebsstrang-Team, das die F1-Motoren in Brixworth, GB herstellt, um deren Ideen bei Straßenautos einzusetzen. Das ist bereits bei der Antriebsstrang-Entwicklung für den Mercedes-Benz AMG SLS Electric Drive geschehen.

So bringt man F1-Technik auf die Straße

So bringt man F1-Technik auf die StraßeEurosport

Während das Ziel der F1 einfach nur ist, schnell und dabei so effizient wie möglich zu sein, um Rennen und Titel zu gewinnen, hat das Design von Straßenautos oft einen anderen Zweck. Doch durch die Anpassung der Technik und der Methoden, die in der Formel 1 eingesetzt werden, ist Mercedes in der Lage, die Effizienz des Betriebs zu verbessern, ruhigere Fahrten zu ermöglichen und Fortschritte bei Technologien mit niedriger Emission zu machen.

Mercedes nutz Software, die dazu entwickelt wurde, zeitliche Verbesserungen in den Runden der F1 zu ermöglichen, um Simulationswerkzeuge für die Produktion und Montage von Straßenautos zu schaffen. F1-Fahrprogramme, Reifenmodellierung und "Driver-in-the-Loop"-Simulatoren werden bei Straßenautos eingesetzt und der F1-Schmierstoff-Partner Petronas arbeitet kontinuierlich mit den Pkw-Teams, um Mixturen, die für den Sport entwickelt wurden, für Pkw-Produkte nutzen zu können.

Bei Ferrari werden die Konstruktionswerkzeuge für die Formel 1 auch bei den Straßenteams verwendet. Der Windkanal für 1:3-Modelle wird zum Beispiel von beiden gemeinsam genutzt, genauso wie die immer wichtiger werdende CFD-Software. Ebenso wurde eine dynamische Ausstattung, die für die F1 entwickelt wurde, um Streckenbedingungen zu simulieren, seitdem von der Seite der Straßenautos für die Entwicklung von nahtloser Schaltungstechnik verwendet.

Sobald die Technik dann aber übertragen ist, ist das Tempo bei der Entwicklung von Straßenautos traditionell langsam. "In der Regel hinken wir der F1 einige Jahre hinterher", erklärte Visconti. "Wir beginnen normalerweise mindestens ein paar Jahre später damit, Technologien zu nutzen."

Sogar Williams – selbst kein Automobilhersteller – mischt mit. Es wurde ein Nebenzweig namens "Williams Advanced Engineering" entwickelt, um F1-Technologie an Hersteller zu liefern, die nicht direkt im Sport involviert sind.

Innerhalb eines Jahres nach der Gründung waren 14 Projekte entstanden, die von Ingenieuren mit Sitz in der Williams-F1-Anlage geleitet wurden – einschließlich der Schaffung eines Konzeptfahrzeugs mit Jaguar und der Verwendung der Simulationssoftware, um die Leistungsabteilung von Nissans Nismo zu unterstützen.

So bringt man F1-Technik auf die Straße

So bringt man F1-Technik auf die StraßeEurosport

0
0