HSV: Hannes Wolf muss es nun richten - neuer Trainer mit klaren Zielen

Hannes Wolf wurde von den Bossen des Hamburger SV als eines der "größten Trainertalente in Deutschland" gepriesen. Diesen Vorschusslorbeeren muss der 37-jährige Bochumer nun gerecht werden. Erwartet wird nicht weniger als der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga. Am großen Druck beim krisengeplagten Klub sind zuletzt allerdings einige gescheitert. Wolf ist HSV-Trainer Nummer 17 seit 2008.

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Hannes Wolf sprühte vor Tatendrang. Erst marschierte der nächste große Hoffnungsträger des Hamburger SV um kurz vor elf Uhr vorneweg auf den Trainingsplatz, dann brannte er ein kleines Feuerwerk ab. Wolf ruderte mit den Armen, gab lautstark Anweisungen und schnappte sich die HSV-Stars zu intensiven Einzelgesprächen. Spätestens nach den 80 Minuten seiner ersten Einheit im Volkspark am Mittwoch war klar: Wolf ist hungrig. Hungrig auf seinen neuen Job. Hungrig auf den Aufstieg.
"Die Motivation ist riesengroß", sagte der 37-jährige Wolf, für den es der erste Trainerjob seit seiner Entlassung beim VfB Stuttgart im Januar dieses Jahres ist:
Riesengroß ist an der Elbe auch der Druck auf den Wunschkandidaten der HSV-Bosse. Das weiß Wolf. Erwartet wird vom Trainer Nummer 19 in zehn Jahren nicht weniger als der direkte Wiederaufstieg. "Hannes ist für mich eines der größten Trainertalente in Deutschland. Er weiß, wie man aufsteigt", begründete Sportvorstand Ralf Becker seine Wahl - und legte die Messlatte damit, ob gewollt oder nicht, gleich ziemlich hoch.

Tuchel und Klopp als Lehrmeister

Erste Station der Mission Bundesliga-Rückkehr ist das Auswärtsspiel am Freitag (18.30 Uhr) beim 1. FC Magdeburg. "Wir wissen, dass wir am Freitag ein sehr hohes Level spielen müssen, um dort zu gewinnen", sagte Wolf am Mittwoch bei HSV.de. Man brauche "den Punch und den Willen, um entscheidende Situationen auf unsere Seite zu bringen".
Wolf gilt als akribischer Arbeiter und seit der Zweitliga-Meisterschaft mit dem VfB 2017 auch als Experte in Sachen Aufstieg. In die Lehre ging der gebürtige Bochumer bei Thomas Tuchel und Jürgen Klopp, der ihn einst als Nachwuchscoach zu Borussia Dortmund holte. Im Sommer hospitierte Wolf beim FC Liverpool und schaute Klopp eine Woche lang über die Schulter.
"Ich habe meine eigene Stimme und gehe meinen eigenen Weg", stellte Wolf aber klar. Der enorme Trainerverschleiß beim HSV habe ihn jedenfalls nicht von einem Engagement abgehalten. "Das Feuer ist zu hundert Prozent da." Wolf ist zusammen mit den beurlaubten Christian Titz, Bernd Hollerbach und Markus Gisdol übrigens der vierte Trainer, den der Klub zurzeit bezahlen muss.

Ärger nach Titz-Entlassung

Wie schnell es bei ausbleibendem Erfolg gehen kann, hatte Wolf-Vorgänger Christian Titz erleben müssen. Der bei Fans und Mannschaft ausgesprochen beliebte Coach wurde von der Klubspitze um Vorstandschef Bernd Hoffmann und Becker am Dienstag ebenso überraschend wie emotionslos rasiert. Dies kam bei einigen Anhängern anscheinend gar nicht gut an: Denn wie ein Sprecher dem Hamburger Abendblatt bestätigte, seien im Verein seit Dienstag mehr Kündigungen eingegangen als üblich. "Ich weiß, dass ich mit dieser Entscheidung keinen Beliebtheitspreis hole", sagte Becker und warb um Verständnis: "In dieser Konstellation hätten wir unsere Saisonziele gefährdet." Nun muss es Wolf richten.
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