Hamburger SV gewinnt wildes Nordderby beim SV Werder Bremen: Platzverweise auf beiden Seiten

Der Hamburger SV hat das erste Nordderby seit 2018 beim SV Werder Bremen gewonnen und den Rivalen in der Tabelle der 2. Bundesliga überholt. Der HSV setzte sich in einer turbulenten Partie, die beide Teams nur zu zehnt beendeten, 2:0 (2:0) durch. Robert Glatzel brachte die Gäste bereits nach zwei Minuten in Führung, Moritz Heyer legte vor der Pause entscheidend nach (45.+1).

Der Hamburger SV siegt in Bremen

Fotocredit: Imago

Beim historischen ersten Nordderby in der Geschichte der 2. Bundesliga ging es für Werder Bremen und den Hamburger SV vor allem darum, wichtige Punkte im Aufstiegsrennen zu sammeln.
Bremen ging mit dem Selbstvertrauen von sieben Punkten aus den letzten drei Spielen in die Partie. Doch nach nicht einmal 90 Sekunden war dieses dahin. Moritz Heyer startete in die Tiefe und hob den Ball weich über Milos Veljkovic hinweg. Der freistehende Robert Glatzel konnte ungestört zur 1:0-Führung einköpfen (2.).
Die Gastgeber brauchten eine Weile, um wieder zum eigenen Spiel zu finden, während der HSV immer wieder mit schnell vorgetragenen Angriffen für Gefahr sorgte. Die großen Chancen blieben dabei aber auf beiden Seiten zunächst aus.
In einer Phase, in der sich beide Mannschaften weitgehend neutralisierten, erwies Christian Groß seiner Mannschaft dann einen Bärendienst. Nach einer frühen Gelben Karte (5.) sprintete er HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes an. Als der Torwart den Ball wegschlug, senste ihn Groß mit einer eingesprungenen Grätsche um. Dafür sah der Routinier völlig zurecht die Gelb-Rote Karte (32.).
Die Bremer reagierten zunächst aber trotzig auf die Unterzahl und wären dafür auch beinahe belohnt worden. Marvin Ducksch ging nach einem Steilpass im Laufduell mit Sebastian Schonlau im Strafraum zu Boden (37.). Schiedsrichter Sascha Stegemann ließ aber weiterlaufen und auch der VAR griff nicht ein. Dabei war in der Wiederholung ein Kontakt am Bein von Ducksch zu erkennen, ein Strafstoß und damit auch die Gelb-Rote Karte für den bereits verwarnten Schonlau wären durchaus gerechtfertigt gewesen.
Doch Bremen blieb dran. Einen Freistoß von der Strafraumkante zirkelte Ducksch perfekt ins linke Eck zum vermeintlichen Ausgleich (42.). Doch erneut spielte Stegemann eine entscheidende Rolle. Der Schiedsrichter pfiff den Treffer zurück, weil sich Mitchell Weiser unerlaubterweise in die Mauer gestellt hatte.
Und es kam aus Werder-Sicht noch härter. Kurz vor dem Pausenpfiff setzte sich Bakery Jatta auf der rechten Seite durch und flankte auf den langen Pfosten. Dort stieg Heyer hoch und köpfte gegen die Laufrichtung von Michael Zetterer zum 2:0 ein (45.).
Trotz des späten Schocks kam Bremen wieder mutig aus der Kabine. Und nach kurzer Zeit sorgte Schonlau auch dafür, dass beide Teams die gleiche Zahl an Spielern auf dem Feld hatten. Der Innenverteidiger stoppte Romano Schmid im Vollsprint und sah dafür seine zweite Gelbe Karte (52.). Hamburg beschränkte sich nun fast ausschließlich auf Konter, was auch beinahe erfolgreich gewesen wäre. Jatta zog nach einem Steilpass alleine auf das Werder-Tor zu, doch Zetterer verhinderte mit dem Fuß das Gegentor (60.).
Auf der anderen Seite ließ der eingewechselte Niclas Füllkrug innerhalb von nur drei Minuten zwei Riesenchancen liegen. Nach einem Ballverlust von Heyer umkurvte der Werder-Stürmer den herauseilenden Heuer Fernandes, wodurch aber der Winkel zum Tor spitzer wurde und der 28-Jährige nur das Außennetz traf (75.). Kurz darauf profitierte Füllkrug von einem hohen Ballgewinn. Aus der Drehung heraus schoss er aber Heuer Fernandes zentral an (78.).
Auch wenn die Bremer in den Schlussminuten noch einmal alles nach vorne warfen, wollte der Treffer nicht mehr gelingen. Erneut war es Füllkrug, der mit einer Direktabnahme aus spitzem Winkel am HSV-Torwart scheiterte (87.). Und auch Milos Veljkovic gelang es nicht, völlig freistehend aus zehn Metern den Ball im Tor unterzubringen (90.+5).
Somit blieb es beim Auswärtssieg des HSV, der mit Ausnahme der Schlussphase auch so in Ordnung ging. Hamburg überholt Bremen in der Tabelle und springt vorübergehend auf Platz vier. Bremen muss einen bitteren Rückschlag hinnehmen.

Die Stimmen zum Spiel:

Marvin Ducksch (Werder Bremen): "Ich glaube, wenn man die zweite Halbzeit sieht, dass wir mit einem Mann weniger noch alles versucht haben, drei, vier Hunderprozentige uns herausgespielt haben - mit ein bisschen Glück und dem Anschlusstreffer geht da noch was. Aber du hast solche Tage, da will der Ball einfach nicht rein. Und heute war leider so ein Tag. Für mich ist es ein ganz klarer Elfmeter. Ich bin mit dem Körper von ihm. Er klemmt den Arm ein und mit dem Fuß trifft er mich unten auch noch."
Mitchell Weiser (Werder Bremen): "Wir haben uns erstmal selbst in die Bredouille gebracht mit dem schnellen Gegentor und der roten Karte. Dann mit der Freistoß-Situation. Es waren viele Momente im Spiel, in denen es hätte anders laufen können. Es war heute nicht unser Tag. Es tut mir leid für Marvin und die Mannschaft. Ich kannte die Regel einfach nicht."
Moritz Heyer (Hamburger SV): "Es ist natürlich ein Riesenerfolg, gerade für die Fans. Wir wissen, wie wichtig das Spiel ist. Heute können wir es einfach mal genießen. Wir wissen auch, dass wir in der zweiten Halbzeit vielleicht auch ein bisschen Glück hatten bei der einen oder anderen Szene. Da muss man der ganzen Mannschaft ein Kompliment machen. Vielleicht haben wir in der zweiten Mannschaft nicht mehr so gut gespielt, aber wir haben alles reingeworfen."
Tim Walter (Trainer Hamburger SV): "Ich glaube, dass wir bis zur Gelb-Roten Karte von Schonlau alles im Griff hatten. Eigentlich haben nur wir gespielt. Und dann ärgert es mich, dass so eine Konzessionsentscheidung zusammenkam mit der Gelb-Roten Karte. Das bringt uns so ein bisschen aus dem Tritt. Aber das akzeptieren wir. Der Schiedsrichter hat einen harten Job zu tun. Er macht das größtenteils überragend, von daher müssen wir das akzeptieren. Ich bin total glücklich mit den Jungs. Die ziehen es einfach durch. Die sind sehr mutig. Wir haben ein paar kleine Unzulänglichkeiten gehabt, aber wenn wir vorher durch Jatta das 3:0 machen, reden wir darüber auch nicht mehr."

Das fiel auf: Schiedsrichter Stegemann im Mittelpunkt

Die erste Halbzeit war ein wahres Festival an bedeutsamen Schiedsrichterentscheidungen. Bei den meisten davon lag Schiedsrichter Sascha Stegemann richtig, dennoch wird er Werder-Fans mit Sicherheit nicht in guter Erinnerung bleiben. Die Gelb-Roten Karten für Groß und Schonlau und auch der verwehrte Freistoß-Treffer von Ducksch waren korrekt. Doch beim vermeintlichen Elfmeter (37.) waren sich die Experten einig, dass ein Foulpfiff richtig gewesen wäre. Dieser hätte auch gleichzeitig für einen früheren Platzverweis für Schonlau und damit Gleichzahl gesorgt.

Der Tweet zum Spiel:

Der neutrale Fußballfan kam bei diesem Spiel auf jeden Fall auf seine Kosten. Nur die Bremer Fans dürften heute nicht so gut schlafen.

Die Statistik: 11

Wie es in einem Derby so üblich ist, war von Anfang an viel Feuer in der Partie. Das schlug sich auch in der Kartenbilanz nieder. Ganze elf Gelbe Karten zeigte Stegemann in der Partie. Zwei davon führten zu den Platzverweisen.
Das könnte Dich auch interessieren: Schalke verliert trotz Terodde-Tor
picture

"Soll er sagen: Der Trainer ist blind?" Nagelsmann zu Goretzka

Quelle: Perform

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung