Fürth-Coach Alexander Zorniger zerlegt Keeper Nahuel Noll öffentlich - scharfer Gegenwind von Bayern-Star Sven Ulreich

Alexander Zorniger, Trainer der Spielvereinigung Greuther Fürth, hat nach dem Match gegen den SC Paderborn seinen Torhüter Nahuel Noll im Interview bei "Sky" nach dessen schwerem Fehler mit scharfen Worten kritisiert. Dafür kassierte der 56-Jährige nun seinerseits heftigen Gegenwind. Einen Tag später entschuldigte sich der Coach öffentlich bei seinem Spieler: "Das war überhaupt nicht notwendig."

Alexander Zorniger kritisierte Fürth-Keeper Nahuel Noll nicht nur persönlich, sondern auch öffentlich

Fotocredit: Imago

Er habe in der "Wortwahl total daneben gelegen", sagte er in einem in den Sozialen Medien veröffentlichten Video des Klubs. "Mir sind die Emotionen total durchgegangen", ergänzte Zorniger und betonte: "Das war überhaupt nicht notwendig, ich bin weit über das Maß hinausgegangen, was mir als Trainer zusteht."
Noll (21) hatte am Samstag in der 81. Minute den Ausgleich zum Endstand von 1:1 gegen den SC Paderborn verschuldet - was seinen Trainer auf die Palme brachte.
"Ich war schon lange nicht mehr so geladen auf einen einzelnen Spieler", sagte er, und das habe auch "mit der Arroganz dieser jungen Spritzer zu tun, die auch mal Dinge aufnehmen müssen." Noll solle so einen Fehler nicht nochmal machen, "sonst kann sein Berater gern bei mir anrufen, warum er nicht spielt."
"Ich habe mich bei Nahuel entschuldigt, ich habe mich bei der Mannschaft entschuldigt", berichtete Zorniger und bekannte: "Ich bin sehr oft an der Grenze dran im Willen, einen Spieler weiterzubringen, das ist mir in der Situation nicht gelungen."

Ulreich kritisiert Zorniger scharf

Schnell kam in den Sozialen Medien der Gegenschlag von Sven Ulreich.
"Unfassbar solch eine Aussage von einem Trainer in der Öffentlichkeit", kritisierte der Ersatzkeeper des FC Bayern auf "Instagram" den heftigen Ausbruch von Fürths Coach nach dem 1:1 (0:0) gegen den SC Paderborn.

"Nicht dafür da, so eine Situation zu verschulden"

Dass Noll danach noch das Remis rettete? "Das ist Journaille-Denke", entgegnete der frühere Leipziger Trainer dem "Sky"-Reporter in dem Interview weiter.
Das gebe seinem Torwart "doch nicht das Recht, dass er das zu einem anderen Zeitpunkt nicht macht. Er ist nicht dafür da, so eine Situation zu verschulden." Noll hatte den Ball gegen Grimaldi vertändelt, der den Bock von Fürths Keeper eiskalt ausnutzte.
Gerhard Poschner ist der Berater von Noll. Der frühere Profi reagierte bei "skysport.de" am Sonntag gelassen: "Alles halb so wild. Eine berechtigte Kritik von Alex, mit viel Emotion dabei, was unmittelbar nach dem Spiel eben auch passieren kann. Nahuel hat einen Fehler gemacht und wird daraus definitiv lernen."
Noll wurde vor der Saison von Hoffenheim an Fürth verliehen. Beim Zweitligisten beerbte er Jonas Urbig (21), der zum 1. FC Köln zurückkehrte.

Das Interview im Wortlaut:

Zorniger: "Wir haben das total im Griff gehabt, bis dann einer von uns gemeint hat, er muss was machen, wo wir schon seit Wochen sagen, dass wir das nicht sehen wollen. Ich bin sehr zurückhaltend grundsätzlich mit der Kritik an meinen Spielern normalerweise, aber das ist eine inakzeptable Situation."
Sky: "Was genau?"
Zorniger: "Ja, das 1:1, was wir da kriegen. Torhüter sind vor allem nach dem Rücktritt von Manuel Neuer aus der Nationalmannschaft in erster Linie dafür da, um keine Tore zu kriegen. Und dazu gehört auch die Arbeit mit dem Fuß. Anspruchsvoll, alles okay. Aber das darf so nicht passieren, nachdem wir das immer wieder auch thematisiert haben."
Sky: "Aber zur Wahrheit gehört auch, dass er das 1:1 mit einer sehr starken Parade danach festhält."
Zorniger: "Das ist jetzt Journaille-Denke. Das gibt ihm doch nicht das Recht, dass er es zu einem anderen Zeitpunkt nicht macht."
Sky: "Aber es ordnet seine Leistung auch ein."
Zorniger: "Seine Leistung? Seine Leistung ist so, dass er das 1:1 verschuldet hat. Zu allem anderen ist er da. Er ist nicht dafür da, dass er diese Situation verschuldet. Ich bin maßlos geladen. Ich war schon lange nicht mehr so geladen nach einem Unentschieden auf einen einzelnen Spieler, weil es auch ein bisschen was mit der Arroganz von den jungen Spritzern zu tun hat, die einfach auch Dinge aufnehmen müssen. Die Ansagen sind ganz klar, von unserem Torwarttrainer, von uns. Wir haben solche Situationen immer wieder mal. Das ärgert mich maßlos."
Sky: "Und trotzdem hat er noch Kredit, oder sind sie da so radikal, dass sie sagen, nee, da denke ich über einen Wechsel nach?"
Zorniger: "Alle meine Jungen haben Kredit, weil es halt junge (Spieler, Anm. d. Red.) sind. Aber den Fehler sollte er nicht zweimal machen, sonst kann sein Berater gerne bei mir anrufen und fragen, warum er nicht mehr spielt."
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