3 Dinge, die bei Deutschland-England auffielen: Shirts, Struktur und Stimmung

Ein munteres Länderspiel war's zwischen der deutschen und englischen Nationalmannschaft. Erstaunlich vor allem, wie dominant die Gäste auftraten, auch vom 0:2 ließen sie sich nicht entmutigen, ihr 3:2-Sieg war sogar verdient. Lag es daran, dass im Stadion nur die Briten sangen? Oder an den Auswärtstrikots des Weltmeisters? Was uns bei der Partie auffiel.

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1. Gewöhnungsbedürftige Optik

Wer es nicht besser wusste, hätte beim ersten Hinsehen erwarten können, dass sich die tschechische Nationalmannschaft nach Berlin verirrt hat und dort gegen einen örtlichen Verbandsligisten testet. Tatsächlich aber steckten elf Engländer in einem Outfit, das an die Osteuropäer erinnerte: rotes Trikot, rote Hose, blaue Stutzten.
Nötig wurde der optische Kulturschock, weil Gastgeber Deutschland die Marketingmaschinerie anwarf, um die brandneue Auswärtskluft zu präsentieren; der Fakt, dass es sich um ein Heimspiel handelte, tangierte die Strategen eher am Rande. Grün, grau, weiß, halb Camouflage, halb Militär - högschd ungewohnt, um es mit Jogi Löw zu sagen. Die Ästhetik sollte jeder für sich klären, aber allzu gute Kritiken erntete der Dress nicht. Zumindest im sozialen Web.

2. England giftiger und griffiger

Schließlich einigte sich das Twitter-Land wohl auf den Punktsieger England. Und so, wie sie aussahen, spielten sie auch: besser. Deutschlands Pausenführung täuschte darüber hinweg, dass sich die Briten als strukturierte Mannschaft präsentierten, sie waren giftiger, griffiger und cleverer - ein Urteil, das durchaus überraschte.
Debütant Danny Rose überzeugte als Aktivposten auf links, der 19-jährige Dele Alli lenkte im Zentrum beeindruckend, Harry Kane brachte sich ebenfalls ein. Lange mangelte es allein an Zielstrebigkeit und Präzision in der letzten Zone.
Dagegen war dem DFB-Team anzumerken, dass das Ergebnis eben nicht belanglos war; Bundestrainer Löw hatte dies ja propagiert. Zögern und Zaudern begleitete den Auftritt, die Defensive um Antonio Rüdiger wackelte mehrmals. Offensiv fanden Thomas Müller, Mesut Özil und Marco Reus kaum bis keine Bindung, Mario Gomez' zu Unrecht aberkanntes Abseits-Tor und das 1:0 durch Toni Kroos deuteten sich nicht wirklich an. "Wir müssen schon lernen, richtig dagegenzuhalten", mäkelte der Real-Profi im ZDF.

3. Stimmung? Welche Stimmung?

Später zählte ein Gomez-Treffer, doch Kane verkürzte prompt. Die Gäste traten weiterhin keck auf, die Reife ihrer Darbietung hätten vermutlich die wenigsten erwartet. Lag es etwa daran, dass die Atmosphäre nicht zur deutschen Seite hinüberschwappen wollte?
Es war ruhig im Olympiastadion, mitunter gar bedrückend, und wenn etwas zu vernehmen war, dann von den inbrünstig-emotionalen Engländern. Dennoch seltsam, irgendwie. Wer hatte denn Heimrecht? Trotz Auswärtsshirts...
Als Jamie Vardy grazil per Hacke einschoss, verstummten die deutschen Anhänger endgültig. England rules. Auch auf den Rängen.
Bleibt die Frage nach den Motiven der schwarz-rot-goldenen Zurückhaltung - so übel war die Partie nun wahrlich nicht. Der 3:2-Siegtreffer durch Eric Dier (90.+1) passte ins Bild: England singt, Deutschland schweigt.
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