SID

Afrika-Cup: Kamerun feiert nach dem Final-Sieg gegen Ägypten eine "Gruppe von Freunden"

Afrika-Cup-Sieger Kamerun "eine Gruppe von Freunden"
Von SID

06/02/2017 um 12:49Aktualisiert 06/02/2017 um 12:56

Ausgelassen hüpften die Spieler des frischgebackenen Afrika-Cup-Siegers Kamerun in einer Reihe durch den Bauch des Stadions der Freundschaft in Libreville. "Das ist keine Gruppe von Fußballspielern, das ist eine Gruppe von Freunden", betonte Nationaltrainer Hugo Broos nach dem 2:1 (0:1)-Kraftakt seiner Mannschaft der Namenlosen im Finale gegen Rekordsieger Ägypten voller Stolz.

Vor wenigen Wochen deutete wenig auf den Überraschungscoup des 62. der FIFA-Weltrangliste hin, denn die Stars blieben zu Hause. Mehr als eine Handvoll vermeintlicher Schlüsselspieler, darunter der Schalker Eric Maxim Choupo-Moting und der frühere Königsblaue Joel Matip (heute Liverpool), hatte sich von der Nationalmannschaft abgewandt und erklärt, sich lieber auf ihren Verein konzentrieren zu wollen.

Spätestens seit Sonntag ist der Aufschrei des Entsetzens in Kamerun darüber verstummt. Stattdessen versetzte der Siegtreffer des eingewechselten Vincent Aboubakar in der 89. Minute das Land des mittlerweile fünfmaligen Afrikameisters in einen Freudentaumel. Eine Spitze in Richtung der Drückeberger konnte sich Löwenbändiger Broos aber nicht verkneifen.

"Als ich vor fast einem Jahr nach Kamerun kam, fand ich eine alte, unmotivierte Gruppe von Spielern vor", sagte der Belgier, der im vergangenen Jahr als Nationaltrainer erstmals in Erscheinung trat.

"Sie wollten nicht für Kamerun spielen. Sie taten es nur, weil der Trainer sie berufen hatte. Dies musste ich ändern. Heute haben wir ein Team."

Ein Team zusammengewürfelt aus zwölf verschiedenen Ligen in Europa und Afrika. Jung. Hungrig. Entwicklungsfähig. Die "deutschen" Vertreter Jacques Zoua (25, Kaiserslautern) und Edgar Salli (24, Nürnberg) spielten in der 2. Bundesliga aber bislang keine tragende Rolle. In der vergangenen Woche verpflichtete 1860 München zudem den erst 20-jährigen Frank Boya.

Deutsche Trainer hatten sich an der Mentalität der Kameruner zuletzt die Zähne ausgebissen. Zwar gelang Winfried Schäfer (2001-2004) vor 15 Jahren der bis dahin letzte Sieg beim Afrika-Cup. Ebenso wie Otto Pfister (2007-2009) und Volker Finke (2013-2015) konnte er aber nicht für anhaltenden Erfolg sorgen.

Auch der Start ins zu Ende gegangene Turnier verlief schleppend. Nach Unentschieden gegen Burkina Faso und Gastgeber Gabun sowie einem knappen Sieg gegen Turnier-Debütant Guinea-Bissau erreichte Kamerun nur als Gruppenzweiter das Viertelfinale. Auch dort hatten sie gegen Senegal im Elfmeterschießen das Glück des Tüchtigen.

"Wir spielen noch nicht auf dem höchsten Niveau. Wir müssen noch viel besser werden, aber das Turnier war schon ein guter Anfang", meint Broos. Das höchste Niveau soll dann Weltmeister Deutschland im Sommer zu spüren bekommen. Durch den Erfolg beim Afrika-Cup stehen die unzähmbaren Löwen als letzter Vorrundengegner des DFB-Teams am 25. Juni beim Confed Cup im russischen Sotschi fest.

Die Bilanz gegen Deutschland ist bei einem Remis und zwei Niederlagen noch ausbaufähig.

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