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Algerien gewinnt Nervenschlacht im Elfmeterschießen

Algerien gewinnt Nervenschlacht im Elfmeterschießen

11/07/2019 um 20:57Aktualisiert 11/07/2019 um 22:31

Der Topfavorit Algerien steht nach einem Elfer-Krimi im Halbfinale des Afrika-Cups. Gegen die Elfenbeinküste hatte es nach 90 Minuten 1:1 (1:0) gestanden, in der Verlängerung fielen keine weiteren Tore. Im Elfmeterschießen behielt Algerien dann dank eines 4:3 die Überhand und trifft im Halbfinale nun auf Nigeria.

So lief das Spiel:

Trotz der Hitze von Sues war die Intensität von Beginn an hoch. Die Elfenbeinküste erspielte sich in einer temporeichen Anfangsphase ausgezeichnete Führungsmöglichkeiten, vergab allerdings entweder wegen mangelnder Präzision oder fehlender Kaltschnäuzigkeit im Abschluss.

Die "Wüstenfüchse" waren effizienter, indem sie ihren ersten Schuss aufs Tor, auch in diesem unterbrachten. Ramy Bensebaini gab von der linken Außenbahn flach in die Mitte, wo Sofiane Feghouli im Rückraum per Direktabnahme halbhoch zum 1:0 ins rechte Eck traf (20.).

Danach nahm die Zweikampfhärte zu. Das Geschehen spielte sich nun großteils zwischen den Strafräumen ab. Es ging mit 0:1 in die Kabinen.

Es war noch nicht lange im zweiten Abschnitt gespielt, da ergab sich für Algerien die Riesenchance, um auf 2:0 zu stellen. Baghdad Bounedjah wurde per Steilpass in die rechte Sechzehnerhälfte geschickt, wo ihn der herauseilende Keeper Sylvain Gbohouo zu Fall brachte. Der Unparteiische zeigte zu Recht auf den Elfmeterpunkt. Der Gefoulte trat selbst zum Strafstoß an. Gbohouo tauchte nach rechts unten, doch der Schütze entschied sich für die Mitte. Er schoss per Innenseite an die Latte, von wo aus der Ball ins Toraus flog (49.).

Anschließend wurde es in den Sechzehnern ruhig. Das Spiel verflachte etwas, das Tempo war nicht mehr allzu hoch.

Dann schlugen die "Elefanten", die nach dem Seitenwechsel bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht erwähnenswert in Erscheinung getreten waren, wie aus dem Nichts zu. Wilfried Zaha marschierte in der 62. Minute durchs Zentrum und legte nach rechts auf Jonathan Kodjia, der nach innen zog und aus 16 Metern flach zum 1:1 ins lange Eck schoss.

Algerien war in der Schlussphase spielbestimmend und drückte auf den entscheidenden Treffer. Es ging in die Verlängerung, in der sich die Elfenbeinküste auf die Defensivarbeit fokussierte und die Nordafrikaner erneut deutlich tonangebend waren. Sie schafften es aber wieder nicht, den Ball zum zweiten Mal an diesem Abend im gegnerischen Kasten unterzubringen.

Im Elfmeterschießen hatten sie das glücklichere Ende für sich, indem sie sich dort mit 4:3 durchsetzten.

Der Tweet zum Spiel:

In der Hitze von Sues wurden zu Spielbeginn 38 Grad Celsius gemessen. Nicht gerade optimale Temperaturen für den Hochleistungssport. Die oberste Devise hieß dementsprechend: "Viel trinken!"

Das fiel auf: Tränenreicher Bankplatz

Algeriens Fußballer des Jahres 2018, Al-Sadd-Stürmer Bounedjah, der im abgelaufenen Kalenderjahr auf Vereins- und Nationalmannschaftsebene insgesamt 59 Mal knipste, hatte nach seiner Auswechslung in der 78. Minute Tränen in den Augen. Grund dafür war sein 29 Minuten zuvor verschossener Elfmeter. Er litt sichtbar - hielt sich die Hände teilweise über das Gesicht und versteckte sich nach dem Schlusspfiff der regulären Spielzeit gar mit dem Kopf unter seinem Leibchen. Nach dem aus seiner Sicht erfolgreichen Ausgang des Elfmeterschießens ist ihm sicherlich ein Stein vom Herzen gefallen.

Die Statistik: 421

421 Minuten blieb die algerische Nationalmannschaft in diesem Turnier ohne Gegentor, ehe Keeper Raïs M'Bolhi erstmals hinter sich greifen musste. Kamerun (2002) und der Elfenbeinküste (2012) gelang es sogar, diesen Wettbewerb ohne Gegentreffer zu spielen. Elfmeterschießen werden in dieser Statistik allerdings nicht miteinbezogen.

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