Eurosport
Bayer schießt den "Club" ab
Von
Publiziert 20/04/2014 um 17:21 GMT+2 Uhr
Der 1. FC Nürnberg taumelt weiter seinem achten Abstieg aus der Bundesliga entgegen. Im vorletzten Heimspiel der Saison unterlag der Club Bayer Leverkusen mit 1:4 (1:1) und bleibt nach seiner vierten Niederlage nacheinander Tabellenvorletzter mit einem Punkt Rückstand auf den Hamburger SV, der den Relegationsplatz belegt.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Die Lehren:
Nürnberg darf sich in der kommenden Saison womöglich einmal mehr darin beweisen, seinem Ruf als Fahrstuhlmannschaft gerecht zu werden und nach dem Abstieg direkt wieder aufzusteigen. Ganz soweit ist es noch nicht, aber es wird immer düsterer für die Franken. Gertjan Verbeek musste seine ersatzgeschwächte Elf nochmal umbauen: Für Adam Hlousek und Markus Feulner standen Marvin Plattenhardt und Jose Campana in der Startelf. Man merkte den Nürnbergern trotz guter Einstellung und großem Kampfgeist einfach an, dass es in der momentanen Besetzung mit ständigen Veränderungen nicht reicht. Trifft Torjäger Josip Drmic nicht, sind die Nürnberger fast nicht in der Lage, überhaupt Tore zu erzielen. Nürnberg bleibt einen Punkt hinter dem HSV Tabellen-Vorletzter. In den letzten drei Spielen bei Mainz, gegen Hannover und bei Schalke 04 wird es sehr schwer für die Franken, die Klasse noch zu halten.
Bayer Leverkusen ist rechtzeitig vor dem Saisonende wieder in die Gänge gekommen. Nach dem Trainerwechsel von Sami Hyypiä zu Schascha Lewandowski stimmt es bei Bayern wieder: zwei Siege aus zwei Spielen, dazu die wiederentdeckte Kaltschnäuzigkeit. Im zweiten Durchgang setzte Bayer zudem die entscheidenden Nadelstiche per Konter. So kann es im Duell mit Mönchengladbach und Wolfsburg für Leverkusen noch zur Qualifikation zur Champions League reichen. Sollte Leverkusen so weitermachen und Schalke schwächeln, ist womöglich sogar noch der dritte Platz drin.
Die Stimmen:
Gertjan Verbeek (Trainer 1. FC Nürnberg): "Wenn man hinten liegt, ist es für Leverkusen einfacher, zu kontern. Sie haben uns unser Spiel machen lassen und große Räume bekommen. Wenn man das Tor nicht macht, dann Wir hätten einen Elfmeter haben müssen. Uns bleien noch drei Spiele, wir müssen weitermachen und gewinnen."
Raphael Schäfer (1.FC Nürnberg): "Wir haben sehr viel investiert, aber dem Gegner zu leicht die Tore geschenkt. Am Ende, wenn du 3:1 hinten liegst, fehlt der Mut, da haben wir nicht mehr an uns geglaubt. Wir spielen nicht mit der Mannschaft, die vorgesehen war, um 1. Bundesliga zu spielen. Wir haben einfach nicht die Qualität."
Sascha Lewandowski (Trainer Bayer Leverkusen): "Wir haben es uns durch eigene Schludrigkeiten immer wieder selbst schwer gemacht. Das haben wir in der Pause angesprochen, die zweite Hälfte war dann gut."
Rudi Völler (Sportdirektor Bayer Leverkusen): "Wir haben uns viel mehr Torchancen erarbeitet. Wir haben in der zweiten Hälfte die Tore gemacht, die wir in der ersten Hälfte nicht gemacht haben. Wir haben auch in der Höhe verdient gewonnen. Wir haben jetzt zwei Spiele gewonnen, aber wir dürfen nicht einschlafen. Jetzt kommt Borussia Dortmund, das ist ein ganz anderes Kaliber."
Sebastian Boenisch (Bayer Leverkusen): "In erster Linie sind wir sehr, sehr gut vorbereitet auf die Spiele, arbeiten sehr intensiv. Das macht sich in den Spielen bemerkbar. Nach der langen sieglosen Phase hat uns der Sieg gegen Hertha enorm viel Selbstvertrauen gegeben. Wir haben nach dem Ausgleich nicht die Köpfe hängen lassen. Es ist kein Geheimnis, dass wir in die Champions League wollen."
Die Höhepunkte:
7. Stark gemacht von Drmic! Wieder landet der Ball beim Schweizer, diesmal narrt er Toprak mit einem Haken und zieht von der Strafraumgrenze ab. Der Flachschuss kommt aber zu zentral und ist kein Problem für Leno.
16. TOOOR für Leverkusen! Nach der Ecke holt sich Son den Ball und will querlegen, nach einer Campana-Grätsche gelangt die Kugel zu Spahic, der aus 26 Metern einfach draufhält. Schäfer sieht da nicht gut aus und lässt den Ball unter seiner Hand durchrutschen - 0:1.
25. TOOOR für Nürnberg! Der aktive Drmic holt gegen Toprak den nächsten Freistoß heraus, diesmal vom rechten Halbfeld. Linksfuß Plattenhardt steht bereit und schlenzt den Ball aus gut 20 Metern in die lange Ecke. Ausgleich!
28. Pfosten! Castro bringt auf der Gegenseite den nächsten Freistoß in den Strafraum, Toprak steigt am höchsten und köpft genau ans Aluminium. Glück für die "Glubberer"!
33. Riesenchance für Bayer! Nürnberg kann eine Ecke nicht entscheidend klären, der Ball kullert kurz vor dem Tor umher. Schließlich kommt Boenisch nach einer halbherzigen Klärungs-Aktion im Rückraum zum Abschluss - und hämmert den Ball knapp übers Tor auf die Tribüne.
39. Ganz starkes Solo von Brandt! Der Youngster setzt sich gegen gleich vier Nürnberger durch und marschiert in den Strafraum, kann ein, zweimal selbst schießen. Brandt geht aber immer weiter und bedient dann Kießling einen Tick zu hart, dass der Torjäger direkt abschließen muss und den Ball in die Arme von Schäfer schießt. Tolle Aktion, aber nicht gut genug zu Ende gespielt.
46. Riesenchance für Nürnberg! Langer Ball von Schäfer auf Drmic, der ihn klasse mitnimmt und aufs Tor spitzelt. Leno pariert, lässt aber vor die Füße von Kiyotake prallen, der nochmal schließt und ebenfalls an Leno scheitert.
48. TOOOR für Leverkusen! Im Gegenzug stellt Leverkusen den alten Spielstand wieder her: Freistoß Castro, Frantz kann nicht klären, Toprak bedient Boenisch im Strafraum, der aus halblinker Position per Flachschuss in die rechte, untere Ecke trifft und Schäfer keine Chance lässt.
50. Die Riesenchance zur Vorentscheidung! Wieder landet der Ball im Strafraum, diesmal legt Brandt quer zu Can, der an der Kante des Fünfmeterraums etwas zu lange braucht und noch geblockt wird. Den muss er machen!
80. TOOOR für Leverkusen! Wieder ist Son auf und davon, diesmal spielt der Koreaner mit Übersicht quer, wo der mitgelaufene Abwehrspieler Spahic nur noch einschieben muss. Doppelpack Spahic, 3:1 für die Gäste!
87. TOOOR für Leverkusen! Hilbert macht den Sack zu. Son schießt aus der Distanz, Schäfer hält den Aufsetzer nicht fest, Plattenhardt köpft vor die Füße von Hilbert und der muss nur noch vollstrecken. 1:4!
Der Kracher: Leverkusens wiederentdeckte Kaltschnäuzigkeit
Wo war sie hin, die große Stärke der Bayer-Elf der Hinrunde? Lange verschollen, tauchte die Kaltschnäuzigkeit von Leverkusen gegen Nürnberg wieder auf: Zu denkbar ungünstigen Zeitpunkten zu Beginn und nach der Pause fielen die Tore und stellten die Weichen auf Sieg, vor allem Leverkusens Abwehrspieler stellten in Person von Sebastian Boenisch und Emir Spahic ihre Torgefahr unter Beweis. Durch seine Konterstärke machte Bayer den Sack zu.
Im Abseits: Lohn der großen Mühen
Nürnberg kämpfte, ackerte, rannte an und ließ hin und wieder spielerisches Können aufblitzen. Man kann den Franken seit Wochen keine mangelnde Einstellung vorwerfen, aber was fehlt, sind Punkte. Der Ertrag des großen Aufwands lässt auf sich warten, und so muss Nürnberg weiter gegen den Abstieg kämpfen.
Die Statistik: 2
Nürnberg hatte in der letzten Saison einen richtig guten Freistoß-Schützen Hiroshi Kiyotake sorgte mit seinem Zauberfüßchen regelmäßig für Tore und Assists. In dieser Saison gab es lediglich am zweiten Spieltag ein Kiyotake-Tor nach Standard. Diesmal traf zwar Marvin Plattenhardt mit seinem direkt verwandeltem Freistoß ins Schwarze, genutzt hat es dennoch nichts.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung