Relegation droht: Hertha am Scheideweg

Trainer Pal Dardai verzichtete vor dem erneuten Endspiel auf besondere Maßnahmen, die Spieler versprühten Zuversicht, das Umfeld blieb erstaunlich ruhig: In Berlin sind trotz des für Samstag drohenden Absturzes von Hertha BSC in die Relegation der Bundesliga kaum Anzeichen von Angst oder Panik auszumachen.

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Bis auf eine kurzzeitige "Retter-Aktion" einer Boulevard-Zeitung hielt sich das Umfeld mit Angstgeschrei zurück. Noch ist nicht ganz klar warum. Womöglich glauben die meisten nicht an den Sturz auf Rang 16. Schließlich müssten dafür am letzten Spieltag drei Ergebnis-Konstellationen eintreffen. Oder aber die Fans sind angesichts des drohenden dritten Abstiegs in fünf Jahren abgehärtet.
Abstieg wäre Armutszeugnis
Im Vorfeld des Hoffenheim-Spiels am Samstag (ab 15:30 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de) verschonte Dardai seine Schützlinge vor einem Trainingslager oder einer erneuten Kaffeefahrt in den Grunewald, die schon vor dem Frankfurt-Spiel nichts gebracht hatte. Mit leichtem Training wollte der Ungar zu Beginn der Woche die Spannung langsam aufbauen, ab Mittwoch steigerte er die Intensität mit Einheiten zu Taktik und Spielformen.
Wieder vertragen haben sich Keeper Thomas Kraft und der glücklose Salomon Kalou, den Kraft nach dem 0:0 gegen Frankfurt noch als "blinden Stürmer" bezeichnet hatte. Kalous Angreifer-Kollege Sandro Wagner meinte zur Ausgangslage: "Ich habe vor gar nichts Angst, schon gar nicht vor der Relegation. Wir packen den Klassenerhalt."
Wenn nicht, dürfte das Ende für die Klub-Leitung eingeleitet sein. Präsident Werner Gegenbauer ließ schon vor längerer Zeit verlauten, dass er sich einen erneuten Abstieg nicht antun würde. Und auch die Tage von Manager Michael Preetz dürften nach einem dritten GAU gezählt sein. Für genug Zündstoff ist auf der Jahreshauptversammlung am kommenden Dienstag gesorgt.
Der Abstieg wäre ein Armutszeignis für den Klub und würde die Verantwortlichen tief treffen. Eigentlich wollte man sich in dieser Saison im Oberhaus etablieren. Der Investor KKR hatte mit seiner 61-Millionen-Euro-Spritze optimale Voraussetzungen geschaffen. Hertha ging einkaufen wie nie und holte neun neue Spieler - darunter mit Kalou einen Champions-League-Sieger und mit John Heitinga einen Vizeweltmeister.
Hauptkonkurrent Leipzig
Doch der erhoffte Aufschwung blieb aus. Trainer Jos Luhukay scheiterte am Umbau der Mannschaft. Sein Nachfolger Dardai hat das Team stabilisert, zuletzt ging es aber nach sechs Spielen ohne Sieg zurück an den Abgrund. Der Relegationsplatz wird am Samstag Realität, wenn Hertha mit mehr als zwei Toren Unterschied in Hoffenheim verliert, Freiburg und Hannover Remis spielen und Stuttgart Paderborn schlägt.
Sollte es die "Alte Dame" am Samstag erwischen, wird auch die Debatte wieder losgetreten, ob sich Deutschland als einziges Fußball-Land Europas eine 1. Liga ohne Hauptstadt-Klub erlauben könne. Die Antwort ist schlicht und ergreifend: Ja. Der Status Hauptstadt-Klub ist allein kein Kriterium für die Zugehörigkeit der Liga. Das ist in erster Linie die Kapitalkraft eines Vereins und deren sinnvoller Einsatz.
In dem Punkt haben die Konkurrenz-Klubs aus der Region wie der VfL Wolfsburg und RB Leipzig der Hertha längst den Schneid abgekauft. Dort wird mit ganz anderen Summen jongliert, in ganz anderen Dimensionen gedacht. Und dorthin ist man aus Berlin mit dem Zug in nur einer Stunde. Vielleicht ist auch deshalb die Deutsche Bahn zur kommenden Saison nicht mehr Hauptsponsor der Hertha.
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