Serie: Bundesliga-Vorschau, Hamburger SV - Ruhe? Bitte nicht!

Der Countdown läuft: Am 14. August startet die Bundesliga in ihre 53. Saison. Bis dahin nimmt eurosport.de jeden Verein unter die Lupe. Heute: Hamburger SV.

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"Von der Schippe gesprungen." Es muss sich um einen Hamburger gehandelt haben, der dieses Sprichwort prägte. In der Nachspielzeit des Relegations-Rückspiels in Karlsruhe erzielte HSV-Profi Marcelo Diaz durch einen unberechtigten Freistoß ein Tor, das so überlebenswichtig war wie keines zuvor. Hamburg schaffte die Rettung. Schon wieder. "Wir haben eine große Angriffsfläche geboten, das muss sich jetzt ändern. Wir müssen uns Vertrauen zurückerarbeiten", fordert Trainer Bruno Labbadia, der mit zehn Punkten aus sechs Spielen die Weichen auf ein weiteres Jahr Erstklassigkeit stellte.
Wer kam und wer ging?
Einige Gesichter des Klubs - und als solche Gesichter des Niedergangs - haben die "Rothosen" verlassen: Ex-Kapitän Rafael van der Vaart (Betis Sevilla), Marcell Jansen (Karriereende) und Heiko Westermann (unbekannt) sind Geschichte. Valon Behrami verabschiedete sich nach Watford und Maximilian Beister nach Mainz, während Jonathan Tah (Leverkusen) rund 7,5 Millionen Euro in die Kassen spülte. Ebenfalls weg: Lasse Sobiech (St. Pauli), Slobodan Rajkovic (unbekannt), Julian Green (Bayern).
Mit Gotoku Sakai kam ein gestandener Bundesligaspieler aus Stuttgart, Kerem Demirbay kehrte aus Kaiserslautern, Emir Spahic aus der Arbeitslosigkeit zurück. Albin Ekdal (Cagliari Calcio) und Batuhan Altintas (Bursaspor) fungieren als Unbekannte, Sven Schipplock (Hoffenheim) und besonders Michael Gregoritsch (Bochum) als Hoffnungsträger.
Ein anderer "Neuzugang" wird keine Tore schießen und auch keine verhindern, aber er bedient die emotionale Schiene: Die HSV-Arena heißt wieder Volksparkstadion. Etwas fürs Herz.
So lief die Vorbereitung:
Mit Abstrichen positiv. Einem 13:1 gegen US Schluein/Ilanz und einem 6:0 gegen Chur 97 folgte der Sieg beim Telekom-Cup, wo Borussia Mönchengladbach mit 5:4 im Elfmeterschießen und der FC Augsburg mit 2:1 bezwungen wurden. Ein Titel also für den HSV - noch etwas fürs Herz. An ein 7:0 über Jahn Schneverdingen knüpfte sich die Enttäuschung: 0:2 bei Zweitliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld. Gegen Bursaspor sprang ein 1:1 heraus, gegen Hessen Kassel ein 2:0-Erfolg, gegen Aalborg BK ein überzeugendes 4:1.
Ehe es im DFB-Pokal bei Carl Zeiss Jena ernst wird, tritt der HSV am 1. August gegen Hellas Verona an.
Klartext:
"Wir sollten nicht groß die Klappe aufreißen, aber wir haben gezeigt, was mit Geschlossenheit und Leidenschaft möglich ist. Nur eine ruhige Saison zu spielen, ist nicht mein Anspruch!" So offensiv äußert sich Coach Labbadia im "kicker", und auch der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer hofft auf eine "Spielzeit, in der wir ans Limit und darüber hinaus gehen". HSV-Ikone Uli Stein ist weit weniger zuversichtlich: "Dass Stadionuhr und Maskottchen die ersten Themen waren, halte ich für lächerlich und peinlich! Das wird wieder eine ganze enge Kiste."
Die Wunschelf:
René Adler dürfte die Nummer 1 nach starken Leistungen gebunkert haben. Sakai ist auf der rechten Verteidigerposition eingeplant, Spahic soll führen und innen abräumen. Interessant wird es speziell im Mittelfeld, wo Ekdal, Kacar, Holtby, Demirbay sowie Petr Jiracek um das defensive Zentrum rangeln. Greogritsch ist offensiv vielseitig einsetzbar und könnte die "Zehn" bekleiden, flankiert von Ivo Ilicevic und Nicolai Müller. Bleibt Labbadia beim 4-2-3-1, muss Publikumsliebling Ivica Olic um seinen Platz bangen - in der Sturmspitze dürfte es kein Vorbeikommen an Pierre-Michel Lasogga geben. Bei einem 4-4-2 wären zwei Stoßstürmer mit Lasogga und Schipplock denkbar.
Problemzone:
Kümmerliche 25 Tore waren in der Vorsaison notiert, ein Armutszeugnis. Problem: Der junge Gregoritsch allein wird es nicht richten können, die Spielmacher-Alternativen sind allesamt defensivorientiert. Sowieso dauert Labbadia die Kader-Zusammenstellung zu lange. Er wird Zeit brauchen, sich ein Team nach seinem Gusto zu basteln - Zeit, die schwerlich vorhanden ist: Zum Ligastart wartet der FC Bayern...
Player to watch:
Alle Fakten sprachen gegen Emir Spahic. Der HSV will sein Chaos-Image abstreifen und die Mannschaft verjüngen. Spahic wird demnächst 35 und gilt als "Rüpel", seit er in Leverkusen wegen einer Attacke auf einen Ordner gefeuert wurde. "Ich muss dem HSV für diese Chance danken", sagt der Bosnier demütig. Er weiß genau, dass seine Verpflichtung hochumstritten war, selbst HSV-intern. "Für unseren Plan, junge Spieler zu entwickeln, brauchen wir Stabilisatoren", betont der Direktor Profifußball Peter Knäbel, was Spahics Aufgabenstellung gut darstellt: Nicht nur als erfahrener Innenverteidiger soll der Geläuterte helfen, er ist zudem für das Binnengefüge vorgesehen - als Figur, die Halt verleiht. Spahic steht mehr denn je im Fokus.
Eurosport-Prognose:
Klassenerhalts-Retter Bruno Labbadia muss beweisen, auch mittelfristig Erfolg liefern zu können. Die personellen und strukturellen Voraussetzungen sind allerdings nicht berauschend. Alles andere als der erneute Kampf um die Erstklassigkeit wäre eine Überraschung.
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