Taktik-Check: Bruno Labbadia und der VfL Wolfsburg – passt das?

Bruno Labbadia ist als Retter bekannt. Doch funktioniert er auch beim VfL Wolfsburg, an dem in dieser Saison schon zwei Trainer gescheitert sind? Vor dem Spiel bei Mainz 05 (Freitag, 20:30 Uhr live im Eurosport Player) analysiert eurosport.de im Taktik-Check, was man von Wolfsburg unter dem neuen Trainer erwarten darf und ob dessen Stil zum Kader passt.

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Der VfL Wolfsburg eröffnet den 24. Spieltag – und hat dabei bereits den dritten Trainer in dieser Spielzeit auf der Bank sitzen. Nachdem Andries Jonker mit seinem Ballbesitzfußball gescheitert ist und Martin Schmidts Fokus auf die Defensive letztlich nicht für genug Siege gereicht hat, steht mit Bruno Labbadia nun ein Trainer mit einem weiteren taktischen Ansatz bereit.

Labbadia steht für Pressing

Im Abstiegskampf ist ja immer wieder von den „Grundtugenden“ zu hören – Kampf, Wille etc. Konkret bedeutet dies auf dem Platz Kompaktheit, also geringe Abstände zwischen den einzelnen Spielern und Mannschaftsteilen sowie ein schnelles Umschaltspiel.
Labbadias Fußball stellt genau diese Punkte in den Vordergrund – kombiniert mit einem aggressiven Pressing. Kompakt stehen kann man nämlich auch weiter vorne statt nur in der eigenen Hälfte. Man kann davon ausgehen, dass er Wolfsburg in dem von ihm auf seinen letzten Trainerstationen bevorzugten 4-2-3-1 auf den Platz schickt.
Bei der Arbeit gegen den Ball rückt der nominelle Zehner vor und läuft gemeinsam mit der Sturmspitze die gegnerischen Innenverteidiger an. Beim Hamburger SV ließ Labbadia einen seiner beiden Sechser zudem weit vorrücken, um den tiefsten Mittelfeldspieler des Gegners zuzustellen. Nicht selten entstand dadurch ein 4-1-3-2, das die ersten Anspielstationen des Gegners gut unter Druck setzen konnte.
Der Wolfsburger Kader scheint für diese Spielweise und Systematik gut geeignet zu sein. Mit Guilavogui und Arnold hätte man auf der Doppelsechs gleich zwei Spieler, die sich die Aufgaben mit ihrer Dynamik und Spielintelligenz teilen können: So könnte Arnold beispielsweise vorrücken, um Pässe auf den gegnerischen Sechser zu verhindern und Guilavogui dahinter mit seiner Athletik in großen Räumen um zweite Bälle kämpfen.

Schnörkelloser Ballbesitz

Im Offensivspiel muss es Labbadia gelingen, die individuelle Klasse seiner Spieler bestmöglich einzubinden. Im 4-2-3-1 wäre Daniel Didavi wohl als Zehner gesetzt, Yunus Malli würde als einrückender Flügelspieler agieren – natürlich können diese beiden Akteure auch beliebig die Rollen tauschen.
Zuletzt spielte Wolfsburgs offensive Mittelfeldreihe zu breit, die Abstände zwischen den individuell so starken Spielern waren schlichtweg zu groß, um oft genug miteinander kombinieren zu können. Labbadia lässt die offensiven Mittelfeldspieler im 4-2-3-1 in der Regel sehr eng beieinander spielen, für die nötige Breite im Spiel sollen die offensiv ausgerichteten Außenverteidiger sorgen. Den Kreativspielern wie Malli und Didavi sollte dies entgegen kommen, da sie so mehr „gemeinsame“ Aktionen haben – das Doppeln ist da für den Gegner nicht mehr so leicht.
Typisch für den Labbadia-Fußball wären auch viele lange Bälle ins Sturmzentrum. Dass diese im Normalfall nicht zu direkten Torchancen führen, ist klar. Viel mehr geht es um die zweiten Bälle. Durch die enge Staffelung der drei offensiven Mittelfeldspieler ist man hinter dem Zielspieler im Sturm gut aufgestellt, um dessen Ablagen oder die geklärten Bälle der Innenverteidiger aufzusammeln.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Mittelfeld wird schnell überspielt, es gibt keine Ballverluste in gefährlichen Positionen und die Sechser können in ihrer Position bleiben anstatt sich die Bälle von den Abwehrspielern abzuholen. Zudem sind die Wege zum gegnerischen Tor kurz, wenn Wolfsburg den zweiten Ball im offensiven Mittelfeld gewinnt.
Eurosport-Check: Labbadia ist bekannt dafür, eine Mannschaft zu einem Team zu formen, das zusammen arbeitet und diszipliniert die sehr simplen, pragmatischen Vorgaben umsetzt. Gelingt es ihm, die hervorragenden Einzelspieler von dieser Idee zu überzeugen und mit ins Boot zu holen, kann Wolfsburg ein unangenehm zu bespielender Gegner werden. Mit einem stärkeren Fokus aufs Zentrum werden sie in Ballbesitz ach wieder häufiger schwer zu verteidigende Situationen über Didavi, Malli, Origi und Co. provozieren können.
Der Pragmatiker Labbadia könnte für diese Situation also genau der richtige Mann sein. Dass er in der Vergangenheit nach seinen Rettungsmissionen Probleme hatte, eine langfristig funktionierende Spielidee zu implementieren, wird in Wolfsburg bekannt sein – doch jetzt zählt erstmal nur der Klassenerhalt.
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