Eurosport
Bundesliga: Der FC Augsburg hofft, VfB Stuttgart wankt
Von
Publiziert 17/04/2016 um 14:27 GMT+2 Uhr
Markus Weinzierl hüpfte über den Platz wie ein Kind bei der Bescherung, sein Kollege Jürgen Kramny wandte sich mit Grausen ab. Zwar hat Weinzierls FC Augsburg nach dem 1:0 (1:0) im zehnten Schwabenderby wie Kramnys VfB Stuttgart 33 Punkte, die unterschiedliche Gefühlslage der beiden Trainer aber hatte gute Gründe.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
"Wenn man die anderen Ergebnisse sieht, war das ein elemantarer Sieg", sagte Weinzierl, der nach dem ersten Heimsieg 2016 wieder optimistischer in seine wohl letzten vier Spiele als FCA-Coach geht: "Die Jungs sind intakt, das stimmt mich zuversichtlich für die entscheidenden Wochen." Kramny dagegen war sichtlich bedient.
"Jetzt", sagte der VfB-Trainer, während ein Augsburger Betreuer Landjäger und Brötchen in die FCA-Kabine trug, "jetzt geht's um die Wurst." Stuttgart ist einer der großen Verlierer des 30. Spieltags, nach nur einem Sieg in den vergangenen neun Spielen sowie fünf Begegnungen ohne Dreier rutschte der fünfmalige Meister von Platz zwölf auf 15 ab. Sportvorstand Robin Dutt schimpfte über eine "absolut inakzeptable Leistung".
Kramnys Taktik fehlgeschlagen
Kramnys Plan, Augsburg mit zwei Stürmern anzulaufen und so in Pressingsituationen zu kommen, schlug fehl. Der FCA entzog sich durch geschicktes Verlagern dem Zugriff. Winterzugang Alfred Finnbogason belohnte den couragierten Auftritt nach einem schweren Patzer von Georg Niedermeier mit seinem fünften Treffer (36.) zum siebten Sieg gegen Stuttgart hintereinander.
"So", polterte Dutt, "darf man sich nicht hängen lassen." Das sahen auch die VfB-Fans so, die ihre Mannschaft nach dem Spiel mit gellenden Pfiffen empfingen. Gegen Dortmund am kommenden Samstag, betonte Dutt, sei der VfB so "ohne jede Chance". Danach stehen noch Gastspiele in Bremen und Wolfsburg an, am vorletzten Spieltag kommt Mainz.
"Der Trainer muss jetzt klare Worte finden", forderte Dutt. Das tat Kramny. "Jetzt sind wir voll mittendrin", betonte er. Wegen der Ausfälle von Kevin Großkreutz, Geoffroy Serey Dié, Daniel Ginczek und in Augsburg auch Lukas Rupp müsse das Team "noch enger zusammenrücken".
Kramny selbst will nach dem "Aufwecker" für Stuttgart wieder "Feuer reinbringen". Wie, das demonstrierte er vor den Reportern, als er zum Ende seiner Ausführungen die Stimme hob. "Jetzt fighten wir und kämpfen und wehren uns!", rief er. Seine Spieler haben ihn in diesem Moment nicht hören können.
Abschied von Weinzierl wahrscheinlich
Kramnys Kollege Weinzierl kann sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beschweren, zuletzt war der heiß begehrte Coach immer wieder in den Schlagzeilen. Sein Abschied zum Saisonende scheint trotz Vertrages bis 2019 sicher. Er sprach am Samstag davon, er wolle in Augsburg "noch vier Spiele positiv gestalten". Dann ist er weg.
Dass er Augsburg als Bundesligist verlässt, dafür spricht nach zwei Siegen in Serie so manches - auch wegen Finnbogason. Der coole Isländer brauchte nur zehn Spiele für seine fünf Tore und zwei Vorlagen. "Das", sagte er trocken, "habe ich immer gemacht, schon als ich klein war, das ist Instinkt."
Von Stefan Reuter gab's trotzdem ein Sonderlob. "Wenn er die Chance kriegt im 16er, ist er da und macht ihn", sagte der Manager, "er behält immer die Ruhe, hat schon viele wichtige Tore gemacht." Aber, fügte Reuter an, "es fehlen uns noch ein paar. Wir dürfen nicht locker lassen!"
Denn obwohl Augsburg und Stuttgart am Samstag (Gefühls-)Welten trennten: In der Tabelle sind es gerade einmal vier Tore.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung