Exklusiv-Interview mit Lukas Rupp vom VfB Stuttgart
Lukas Rupp ist eines der prägenden Gesichter des Stuttgarter Aufschwungs. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de erklärt der 25-Jährige, warum beim VfB weiter Gefahr besteht. Außerdem spricht der Mittelfeldspieler über Verletzungen beim Torjubel, die Nationalmannschaft und den Charakter von Trainer Jürgen Kramny.
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Das Interview führte Tobias Laure
Ist der VfB Stuttgart schon gerettet, Herr Rupp?
Lukas Rupp: Nein. Die Situation in der Tabelle kann sich ganz schnell ändern. Die anderen Klubs werden punkten, unser Blick geht deshalb nach unten. Wir brauchen weiterhin jeden Zähler und wollen die nächsten auch gleich am Wochenende gegen Bayer Leverkusen einfahren.
Das Restprogramm meint es nicht gut mit Stuttgart. Es warten noch Bayern, Dortmund oder auch Wolfsburg.
Rupp: Stimmt, und vergessen wir Mainz nicht. Wir haben zwar gegen vordere Teams oft gut ausgesehen, doch das sind allesamt sehr schwere Aufgaben. Es wäre daher viel zu früh, jetzt schon von Rettung zu sprechen.
Sie haben in 22 Liga-Spielen in dieser Saison vier Tore erzielt und sechs Treffer vorbereitet. Es könnte kaum besser laufen.
Rupp: Ich bin zufrieden, aber das eine oder andere Tor hätte durchaus dazukommen können. Ich hoffe, dass ich zum Saisonfinale noch ein paar Treffer drauflegen kann...
.. wobei Vorsicht geboten ist, schließlich haben Sie sich in der laufenden Saison beim Torjubel sogar schon verletzt. Im Januar, beim 3:1-Erfolg in Köln.
Rupp(lacht): Richtig. Da musste ich mir schon ein paar Sprüche von den Teamkollegen und aus dem Freundeskreis anhören. Aber ich kann darüber lachen, es war ja nichts Schlimmes passiert. Von daher war das alles in Ordnung.
"Mehr Freiheit im Spiel nach vorne"
Ende November musste Trainer Alexander Zorniger gehen, seitdem ist Jürgen Kramny Chefcoach in Stuttgart. Damit hat sich auch Ihre Position auf dem Platz verändert. Der neue Trainer setzt Sie auf der rechten Außenbahn ein.
Rupp: Ja, diese Position gibt mir eine gewisse Freiheit im Spiel nach vorne, defensiv bin ich nicht mehr so stark eingebunden wie auf der Acht im Zentrum. Ich kann aber nicht sagen, dass ich die eine der anderen Variante vorziehe. Ich habe auch schon ganz ordentliche im Zentrum auf der Achterposition gemacht.
Woran ist Ihrer Meinung nach Alexander Zorniger beim VfB gescheitert?
Rupp: Ich will mir nicht herausnehmen, das zu beurteilen, das ist Sache der Klub-Verantwortlichen.
Welchen Anteil hat Trainer Jürgen Kramny an dieser positiven Entwicklung?
Rupp: Er hat zweifellos den größten Anteil. Seit Jürgen Kramny da ist, spielen wir einen anderen Fußball, sind erfolgreich und holen die nötigen Punkte. So viel hat er gar nicht verändert, aber was er verändert hat - vor allem in mentaler Hinsicht - hat gefruchtet. Und es hat gezeigt, dass wir nicht so schlecht sind, wie wir in der Hinrunde abgeschnitten haben.
Was ist Jürgen Kramny für ein Typ?
Rupp: Sehr ruhig, sehr ehrgeizig und absolut ehrlich. Jürgen ist sehr nah dran an den Spielern, das kommt bei uns sehr gut an. Kritik spricht er direkt an.
Offenbar tut er Ihnen gut. Nach Stationen beim Karlsruher SC, in Gladbach und Paderborn scheinen Sie jetzt beim VfB zur richtigen Zeit beim richtigen Verein.
Rupp: Definitiv. Ich bin komplett zufrieden mit meiner Entscheidung, nach Stuttgart zu kommen. Am Anfang gab es ein paar sportliche Probleme, aber das ist ganz normal. Ich fühle mich immer wohler hier - auf dem Platz und privat. Das ist enorm wichtig für mich.
"Kevin ist nicht so, wie in der Öffentlichkeit dargestellt"
Im Januar verpflichtete der VfB Kevin Großkreutz, der im Moment verletzt ist. Was hat sein Wechsel bewirkt?
Rupp: Er ist ein absoluter Kämpfer, hat großen Willen und Qualität in die Mannschaft gebracht. Kevin ist nicht so, wie er häufig in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Ich habe ihn als super umgänglichen Kollegen kennengelernt, der auf dem Platz immer alles gibt. Das passt sehr gut.
Sie sprechen das Bild in der Öffentlichkeit an. Wie gehen Sie damit um, lesen Sie Artikel und Einschätzungen über sich selbst?
Rupp: Ich glaube, solche Dinge gehen nie komplett an einem vorbei. Ich schaue mir schon an, was über mich geschrieben wird. Die Außendarstellung ist wichtig, aber man darf sich auch nicht zu sehr damit beschäftigen. Teilweise werden ja Dinge geschrieben, die schlichtweg falsch sind. Deshalb ist eine dosierte Konfrontation mit diesen Themen aus meiner Sicht der beste Weg.
Spieler wie Daniel Didavi, Tobias Werner und Filip Kostic stehen vor dem Absprung. Wie schätzen Sie vor diesem Hintergrund die Perspektiven in Stuttgart ein?
Rupp: Derzeit schaue ich noch gar nicht auf die kommende Saison, wir müssen zunächst die laufende gut zu Ende spielen. Es wäre natürlich super, wenn sich der eine oder andere Kollege entscheidet, beim VfB zu bleiben. Der Vorstand wird das in unserem Sinne regeln, da bin ich ganz sicher.
Am Sonntag geht's zuhause gegen Bayer Leverkusen – da werden Erinnerungen an die 3:4-Niederlage aus der Hinrunde wach. Für Sie war es zudem ein ganz besonderes Spiel.
Rupp: Ja, Ich habe da mein erstes Tor für den VfB Stuttgart erzielt, auch wenn wir diese Partie eigentlich nicht hätten verlieren dürfen. Dann habe ich mir bei dieser Begegnung eben auch einen Handbruch zugezogen.
Man kennt Sie seitdem nur noch mit Manschette am Arm. Haben Sie zuhause schon eine Sammlung?
Rupp: Tatsächlich habe ich zwei Manschetten. Solange ich noch die Platte in der Hand habe, muss ich die Manschette tragen. Im Training und bei Spielen verwende ich aber immer dieselbe - denn richtig wohl fühle ich mich nur mit der einen. Immerhin bin ich aber soweit, dass ich im Privatleben ganz ohne auskomme.
Für die deutsche U20haben Sie vor ein paar Jahren sieben Spiele absolviert. Ist die A-Nationalmannschaft ein Thema für Sie, möglicherweise besteht sogar eine kleine Chance auf die EM 2016?
Rupp: Derzeit ist das kein Thema. Es wäre genauso schön wie überraschend, wenn es klappen würde. Wenn ich weiterhin meine Leistung beim VfB bringe, dann wird vielleicht irgendwann die Gelegenheit kommen.
Herr Rupp, ich bedanke mich für das Gespräch.
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