Die fünfte Bundesligasaison für den FC Augsburg hält zum ersten Mal Reisen ins europäische Ausland bereit. Der schwäbische Klub stellte nach der Qualifikation für die Europa League aber in süffisanter Selbstkritik fest:
In Europa kennt uns keine Sau!
Das wollen die Spieler und Verantwortlichen des FCA ändern. Die kleine Marketingtour im Rahmen der Europapokalspiele birgt für Augsburg aber auch Gefahren.
Bundesliga
Liga-Check: 1899 Hoffenheim - Jung auf die Jagd
07/08/2015 AM 07:19
Wer kam und wer ging?
Einziger wirklicher Neuzugang beim FC Augsburg ist der ablösefreie Piotr Trochowski. Der ehemalige Nationalspieler verletzte sich allerdings in einem Testspiel. Nach dem Riss des Außenmeniskus' im linken Knie musste der 31-Jährige operiert werden und fällt mehrere Wochen aus.
Die einzigen Ausgaben bisher waren für die Verpflichtung von Dominik Kohr (1,4 Mio. €), der nun endgültig von Bayer Leverkusen an den Lech wechselt. Yannik Öttl (Unterhaching U19) und Bastian Kurz (FC Augsburg U19) sind in der neuen Saison wohl Ergänzungsspieler, die Profiluft schnuppern dürfen. Ronny Philp ist zudem nach einer Leihe aus Fürth zurück.
Auch bei den Abgängen hat sich bisher wenig Entscheidendes getan. Mathias Fetsch, Dominik Reinhardt und Ioannis Gelios verließen den Verein, Stürmer Nikola Djurdjic wurde an Malmö FF ausgeliehen und Leihgabe Pierre-Emile Höjbjerg kehrte zum FC Bayern zurück. Der Kern der erfolgreichen Mannschaft aus dem Vorjahr bleibt bestehen - bisher!
Denn das größte Fragezeichen rund um den FCA steht hinter Topstar Abdul Rahman Baba. Sollte der Wechsel zum FC Chelsea tatsächlich noch über die Bühne gehen, würde dies mit Blick auf die defensive Stabilität der "Fuggerstädter" durchaus eine neue Situation schaffen.
So lief die Vorbereitung:
In neun Testspielen war der FCA siebenmal erfolgreich. Echte Prüfsteine waren die meisten Gegner aber nicht. Gegen die Regionalligisten TSV Rain (3:0) und SSV Jahn Regensburg (3:1) feierten die Schwaben ebenso klare Erfolge, wie gegen eine Schwabenauswahl (11:1), den Landesligisten SV Mering (8:1) und den Bezirksligisten TSV Zusmarshausen (11:2). Beim Vorbereitungsturnier "Telekom-Cup" gab es einen Sieg gegen den FC Bayern (2:1) und eine Niederlage im Finale gegen den HSV (1:2). Ein weiteres Spiel ging im Duell mit dem Premier-League-Klub Norwich City FC (1:2) verloren. Zuletzt gewannen die Augsburger gegen den französischen Erstligisten FC Toulouse klar mit 5:0.
Klartext:
Die Augsburger zeichneten sich stets durch eine realistische Selbsteinschätzung aus. Weder Spieler noch Verantwortliche heben nach dem Erfolg des vergangenen Jahrs ab. "Wir wollen das, was wir erreicht haben, stabilisieren und weiter positive Schlagzeilen schreiben. Aber man kann nicht davon ausgehen, in jedem Jahr eine Sensation zu schaffen. Unser Ziel ist der Klassenerhalt", stellt Trainer Markus Weinzierl im "kicker" klar. Verteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker meint sogar: "Jede Saison bis jetzt war megaschwer. Aber diese wird die schwierigste." Der FCA ist auf dem Boden geblieben.
Die Wunschelf (mit Baba):
https://i.eurosport.com/2015/08/03/1653144.jpg
Nach dem Ausfall von Trochowski stellt sich die Elf von selbst auf und entspricht der Mannschaft der Vorsaison. Nach seiner Vertragsverlängerung hütet weiter Marvin Hitz den Augsburger Kasten. Davor bildet die eingespielte Abwehr des Vorjahres mit Ragnar Klavan, Callsen-Bracker, Kapitän Paul Verhaegh und auf Links nach aktuellem Stand auch mit Abdul Rahman Baba die Viererkette.
Auf der Doppelsechs sichern Allrounder Daniel Baier und Dominik Kohr ab, davor kann Halil Altintop das Spiel gestalten. Auf den Flügeln spielen Tobias Werner und Alexander Esswein. Im Sturm hat Markus Weinzierl mehrere Möglichkeiten. Erste Wahl ist wohl Raúl Bobadilla, der allerdings auch im rechten offensiven Mittelfeld auflaufen kann. Sascha Mölders oder Tim Matavz sind auf dieser Position sehr gute Alternativen.
Problemzone:
Die größte Gefahr für die neue Saison ist die erhöhte Belastung durch die Teilnahme an der Europa League. Viele kleine Vereine wie der FC Augsburg kämpften nach dem Erreichen des Europapokals um den Klassenerhalt. Der SC Freiburg erreichte 2013 die Europa League und steckte im nächsten Jahr im Abstiegskampf. Nürnberg (2007/08) und Hertha (2009/10) konnten den Abschied aus der Bundesliga nicht verhindern. Die Verantwortlichen des FCA sind sich dieser Problematik bewusst und müssen entgegen der Negativbeispiele der Vorjahre keine gravierenden Abgänge verkraften.
Player to watch:
Der Star ist und bleibt die Mannschaft - und Trainer Markus Weinzierl. Es gibt keinen einzelnen Spieler, der aus dem eingespielten Kollektiv als sportlicher Lebensretter herausragt - selbst Baba nicht. Und das ist auch gut so.
Die Stärke des FCA war seit dem Aufstieg in die Bundesliga der Zusammenhalt und die Ausgeglichenheit des Kaders. Selbst vermeintlich schwerwiegende Abgänge wie 2014 von André Hahn oder Matthias Ostrzolek konnten durch kluge Verpflichtungen kompensiert werden.
Raúl Bobadilla bestätigt diesen Eindruck: "Wir haben Spaß. Deswegen fühlen sich alle so wohl und fast keiner ist gegangen. Wir spielen in Europa und haben großen Erfolg, und das ohne viele Spieler, die Millionen verdienen oder kosten. Wir sind einfach mit dem Herzen dabei."
Eurosport-Prognose:
Der FC Augsburg arbeitet bodenständig weiter und hat im Kern dieselbe erfolgreiche Mannschaft aus dem Vorjahr. Manager Stefan Reuter und Weinzierl kennen die Gefahren der Mehrfachbelastung, besonders da viele Leistungsträger schon über 30 Jahre alt sind. Sie wissen aber auch um die Stärken des Kaders. Reuter formuliert als einziges Saisonziel den Klassenerhalt:
Wenn wir auch in der Serie 2016/17 in der Bundesliga spielen, war es wieder eine erfolgreiche Spielzeit.
Ein durchaus realistischer Wunsch.
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