Bundesliga: Mario Gomez als Sinnbild für schwachen Saisonstart des VfL Wolfsburg

Mario Gomez kam im Sommer als großer Hoffnungsträger zum VfL Wolfsburg. Nach der verkorksten Vorsaison sollte der 31 Jahre alte Stürmer, der immerhin mit der Empfehlung von 26 Treffern in der türkischen Süper Lig zu den Niedersachen wechselte, die "Wölfe" wieder auf Kurs Richtung Champions League bringen. Die Realität sieht bisher jedoch anders aus.

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Mario Gomez bekam in seiner Karriere schon viele verschiedene Stempel aufgedrückt.
Bei den "Jungen Wilden" des VfB Stuttgart galt er als "Talent", als großer "Hoffnungsträger" des deutschen Fußballs. Nach seinem Fehlschuss gegen Österreich bei der Europameisterschaft 2008 dann als "Chancentod" und "Lachnummer".
Auf dem Papier zwar immer Deutschlands "Torjäger" Nummer eins, der mit seiner Trefferquote bei Stuttgart und Bayern an Gerd Müller erinnerte, verkam er schon ab dem bajuwarischen Triple-Jahr 2013 zum Auslaufmodell, zum Teilzeitarbeiter.

Vom Hoffnungsträger zum Auslaufmodell

Als klassischer Strafraumstürmer der alten Schule musste er schon unter Jupp Heynckes immer öfter Mario Mandžukić den Vorzug lassen, Pep Guardiola deklarierte Gomez dann gar als "Störfaktor" im von ihm praktizierten Tiki-Taka. Kein Wunder, schließlich war die falsche Neun nun angesagt.
Gomez floh nach Florenz in die toskanische Idylle, wo ihn jedoch alsbald eine schwere Verletzung aus der Bahn warf, er in zwei Jahren nur 47 Spiele (14 Tore) absolvierte und in Deutschland fast in Vergessenheit geriet.
Seine Leihe zu Besiktas Istanbul änderte das jedoch: In der Türkei blühte er unter Trainer Şenol Güneş auf, wurde mit 26 Toren Torschützenkönig der Süper Lig und gewann am Ende der Saison 2015/2016 die Meisterschaft.

Mit Wolfsburg zurück auf die große Bühne

Plötzlich war Gomez wieder begehrt, der verlorene Sohn war wieder ein "Hoffnungsträger" und spielte sich sogar in die Nationalmannschaft zurück. Bei der Europameisterschaft stieg er dann gar zum deutschen EM-Rekordtorschützen auf.
Als Hoffnungsträger kam er im Sommer schließlich auch zum VfL Wolfsburg. Einen Verbleib in Istanbul schloss der Stürmer ob der politischen Situation in der Türkei aus, der Schritt zurück nach Deutschland war also durchaus nachzuvollziehen. Der VfL entsprach zwar nicht seiner Forderung, im internationalen Geschäft vertreten zu sein, lockte letztlich aber wohl mit einer Einsatzgarantie.
Gleichwohl unterstrich der 31-Jährige vor seinem Bundesliga-Comeback seine Ambitionen mit dem VfL:
Die versprochene Spielzeit bekommt Gómez von Trainer Dieter Hecking bisher: Seitdem er seinen der Europameisterschaft geschuldeten Trainingsrückstand aufgeholt hat, stand der Stürmer in der Bundesliga viermal in der Startelf, immer durfte er über die kompletten 90 Minuten ran.
Das Problem dabei: Wirklich rund läuft es noch nicht. Während seiner 360 Bundesliga-Minuten im VfL-Trikot erzielte er noch kein Tor, gab gerade einmal magere acht Schüsse ab und hatte pro Spiel im Schnitt nur gut 25 Ballkontakte.
Oft wirkt der 31-Jährige im Wolfsburg-Spiel noch wie ein Fremdkörper ohne festen Platz und Bindung, mit seiner Slapstick-Einlage bei der 1:5-Niederlage gegen Borussia Dortmund erinnerte er gar an seinen Fehlschuss von 2008.

Rückfall in die Vergangenheit

Aufgrund der hohen Erwartungen ist er bereits jetzt zum Sinnbild der Wolfsburger Krise mit fünf Punkten aus fünf Spielen geworden.
Die Wolfsburger Zwangslage einzig und allein an Gómez festzumachen, wäre jedoch falsch. Dass bei der jüngsten 1:2-Niederlage beim ebenso krisengebeutelten SV Werder Bremen eine 1:0-Führung in der Schlussphase noch aus der Hand gegeben wurde, ist sicher nicht einem Spieler alleine anzulasten.
Von einem "Scheiß-Spiel" sprach Trainer Hecking nach der Pleite, wehrte sich aber auch gegen die nach dem Fehlstart immer stärker aufkommende Kritik - auch gegen seine Person:
Damit hat der 52-Jährige nicht Unrecht. Gerade bei der Niederlage gegen Dortmund war der VfL lange Zeit mindestens auf Augenhöhe, gerade nach dem 1:2-Anschlusstreffer von Daniel Didavi sogar drauf und dran, das Spiel zu seinen Gunsten zu drehen. Es kam aber anders.

Gelingt die Rolle rückwärts?

Wie schon beim 0:0 in Hoffenheim verpassten es die Wölfe, die sich ergebenden Chancen auch in Tor umzumünzen - und wurden prompt bestraft.
Daran ist natürlich auch Mario Gomez nicht ganz unschuldig. Gerade gegen den BVB hätte er ein Tor erzielen müssen und bekam im Nachgang von der Presse schon wieder das Prädikat "Chancentod" verliehen.
Dass er das nicht ist, muss er nun beweisen. Gut möglich, dass Gomez ein einziger Treffer genügt, um den Knoten platzen zu lassen und er vom "Chancentod" wieder zum "Torjäger" wird. Vielleicht gelingt es ihm bereits am Sonntag gegen den 1. FSV Mainz (15:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de).
Gelingt ihm die Rolle rückwärts, stehen die Chancen gut, dass auch der VfL Wolfsburg wieder in die Spur findet. Schließlich hatte Dieter Hecking bei Gómez' Präsentation gesagt:
Dass das ganz schnell gehen kann, kennt man von Mario Gomez ja bereits.
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