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HSV-Insider Sergej Barbarez exklusiv: "Dem Hamburger SV fehlt die Qualität!"
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Publiziert 26/11/2016 um 10:36 GMT+1 Uhr
Sergej Barbarez spricht im exklusiven Interview mit Eurosport.de über die tiefe Krise seines Herzensvereins Hamburger SV und erklärt, woran es hakt. Außerdem bewertet er die Arbeit von Trainer Markus Gisdol und erläutert, unter welchen Umständen er für den Sportdirektorposten zur Verfügung stehen würde.
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Fotocredit: Eurosport
Das Interview führte Tobias Hlusiak
Herr Barbarez, ist es frustrierender, dass es dem Hamburger SV seit Jahren schlecht geht, oder dass kein wirklicher Aufwärtstrend zu erkennen ist?
Sergej Barbarez: Es ist schlimmer, dass man sich seit ein paar Jahren nicht nach vorne bewegt. Man könnte sogar die Hoffnung verlieren. Allerdings kann es im Fußball manchmal auch sehr schnell gehen. Man weiß nie, wann es wieder aufwärts geht.
Sind Sie zuversichtlich, dass es in naher Zukunft wieder in die andere Richtung gehen könnte?
Barbarez: Gott sei Dank dauert jede Saison nur ein Jahr. Dann geht alles wieder von Null los. Jedes Mal werden neue Ziele und Visionen aufgestellt. Dann ist auch die Hoffnung wieder da. Auch diese Saison ist noch jung und kann sich noch zum Guten drehen.
Allerdings sind auch schon ein Drittel aller Spiele gespielt, der HSV steht noch ohne Sieg da. Die Bilanz eines sicheren Absteigers. Das hat man über die Hamburger in den vergangenen Jahren aber schon häufiger gesagt. Immer ist man irgendwie in der Liga geblieben. Klappt das in dieser Saison wieder oder ist es dann irgendwann auch mal zu viel des "Guten"?
Barbarez: Wenn man so weiter macht, dann ist man irgendwann dran! Aber wie gesagt: Die große Hoffnung muss sein, dass die Saison noch verhältnismäßig jung ist. Es ist noch Zeit, um sich nach vorne zu bewegen und die eine oder andere Mannschaft zu überholen. Das muss das Ziel sein.
Ein Schritt wurde mit dem Trainerwechsel bereits unternommen. Sehen Sie eine Weiterentwicklung der Mannschaft unter Markus Gisdol?
Barbarez: Bis jetzt eigentlich nicht. Es wurden erst zwei Punkte geholt und das, was die Mannschaft spielerisch auf dem Platz liefert, ist einfach zu wenig. Natürlich ist es aber auch nicht einfach, eine Mannschaft in einer solchen Situation zu übernehmen. Wenn man Gisdols Philosophie kennt und das Team des HSV sieht, ist das schon eine andere Richtung. Er versucht und ändert eine Menge. Ob alle Maßnahmen immer zum richtigen Zeitpunkt kommen, ist eine andere Sache. Das Bemühen kann man ihm und seinem Team aber nicht absprechen.
War es richtig, Bruno Labbadia zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison zu entlassen? Alles versucht hat er ja schließlich auch...
Barbarez: Man kann auch den Spielern keinen großen Vorwurf machen. Da geht sicher niemand auf den Platz, um zu verlieren. Die Jungs müssen jeden Tag mit den Problemen des Vereins leben. Eine schwierige Situation für diese junge Mannschaft. Als Verein ist man eben manchmal nicht zufrieden und dann auch unter Druck, zu handeln. Das hat man in diesem Fall getan.
Was genau ist denn eigentlich das Problem beim HSV? Sie sind nah dran...
Barbarez:
In der Mannschaft oder in der Führungsebene?
Barbarez: Mich interessiert eigentlich nur, was auf dem Platz passiert. Da habe ich selbst Erfahrung. Da wird viel erwartet, aber wenig geboten. Was die Vereinsführung angeht, da hört man viel. Wenn man jahrelang da unten drin steht, Spieler geholt werden, die sich dann nicht weiterentwickeln, stellen sich auch hier automatisch Fragen. Nach dem Sportchef zum Beispiel.
Zuletzt wurden zumindest gegen Dortmund und Hoffenheim jeweils zwei Tore erzielt. Wie bekommt man nun die Defensive auf Kurs?
Barbarez: Das ist eine gute Frage. Man sieht einfach, dass die Jungs eine Menge mit sich selbst zu tun haben. Wenn ein Spiel mal gut beginnt, kommt schnell Sicherheit rein. Die hält aber meist nicht lange an. Ich wünsche mir, dass die Mannschaft diesen Zustand der Stabilität mal über einen längeren Zeitraum erleben kann. Dann kommt Kontinuität rein. Das muss man sich aber hart erarbeiten.
Gisdol hat Johan Djourou als Kapitän durch Gotoku Sakai ersetzt. Können Sie das nachvollziehen?
Barbarez: In einer Situation wie der, in der sich der Verein gerade befindet, unterstützt man jede Maßnahme, die nicht nach purem Aktionismus aussieht. Damit kann der Trainer die Mannschaft aufrütteln, sie ins Leben zurückbringen. Ich meine, warum nicht?! Ob nun Kapitän oder nicht, beide werden auf dem Platz Gas geben und Verantwortung übernehmen. Ich glaube, der Trainer wollte einfach ein Zeichen setzen.
HSV-Legende Jimmy Hartwig hat vor einigen Wochen in einem Interview gefordert, der Verein solle mehr auf ehemalige Spieler hören. Ein richtiger Ansatz?
Barbarez: Es ist ja Fakt, dass wenige Ehemalige beim HSV etwas zu sagen haben oder überhaupt eingebunden sind. Vielleicht hier und dort mal ein kleiner Posten in der Jugendarbeit. Der Verein hat diesen Weg gewählt, das muss man akzeptieren. Die machen das so. Da sollte man als Außenstehender keine Forderungen stellen.
Würden Sie persönlich denn gerne eingebunden werden? Der Sportdirektorposten zum Beispiel wäre frei...
Barbarez: Zu diesem Thema habe ich früher öfter etwas gesagt und auch Kontakt mit den Verantwortlichen gehabt. Die Frage hat sich ab und zu gestellt, es ist aber nie konkret geworden. Wenn jetzt niemand auf mich zukommt, stellt sich die Frage für mich nicht.
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