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1. FC Köln steht nach Pleite in Freiburg als Absteiger fest

"Vollkommene Leere": Kölner Abstieg nach Drama besiegelt

28/04/2018 um 19:49

Der 1. FC Köln steigt nach einer wahnsinnigen Schlussphase in Freiburg zum sechsten Mal aus der ersten Fußball-Bundesliga ab. Nach der 2:3-Niederlage haben die "Geißböcke" zwei Spieltage vor Saisonende acht Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. In den letzten Minuten der Partie wehrten sich die Kölner noch einmal mit allen Mitteln gegen den Sturz in die Zweitklassigkeit.

So lief das Spiel:

Abstiegs-Showdown am Samstagnachmittag im Schwarzwald-Stadion: Ohne einen Dreier wäre der 1. FC Köln definitiv abgestiegen, der Sportclub auf dem Relegationsplatz brauchte ebenfalls nichts dringender als einen Sieg.

Freiburg versuchte sich in der Anfangsphase in hohem Pressing, die Attacken der Gastgeber liefen aber meist ins Leere. Köln hatte zwar mehr Ballbesitz, machte daraus aber nicht allzu viel. Der "Effzeh" konnte nur durch Standardsituationen Gefahr andeuten.

In der 14. Minute flankte Mike Frantz von der linken Seite präzise auf den Kopf von Nils Petersen in der Mitte, der zur Führung für die Breisgauer einköpfte. 1:0 für die Truppe von Christian Streich. Nur ein Paar Minuten später hatte der Sportclub bereits die Chance auf eine Vorentscheidung. Nach einem Foul von Marco Höger an Nils Petersen zeigte Schiedsrichter Deniz Aytekin auf den Punkt – nicht zwingend aber durchaus berechtigt (22.).

Doch Timo Horn parierte den schwach getretenen Strafstoß von Christian Günter und hielt seine Mannschaft im Spiel (23.). Doch trotz der vergebenen Chance schien die Führung den SC stärker zu beflügeln, als der gehaltene Elfer die Kölner. Freiburg hatte deutlich mehr vom Spiel und war dem 2:0 meist näher als der 1. FC Köln dem Ausgleich. Die Gäste wirkten zunehmend verunsichert und spielten ihre seltenen Konter kaum oder zu ungenau zu Ende.

Dass der Freiburger nur mit einer 1:0-Führung in die Kabine gingen, lag vor allem an der mangelnden Chancenverwertung in Halbzeit eins.

Nach der Pause kamen die Gastgeber stark zurück aufs Feld: Sie dominierten die Partie auch über längere Ballbesitzpassagen. Nach einem Patzer von Dominik Maroh erspitzelte Petersen sich den Ball und schob an Timo Horn vorbei zum 2:0 ins Tor (52.).

Spätestens jetzt war der letzte Funke Hoffnung der Kölner geschwunden. Freiburg spielte die Partie souverän runter, setzte routiniert auf Zeit. FC-Coach Stefan Ruthenbeck zog alle drei Wechseloptionen und die Kölner kamen tatsächlich noch einmal ins Spiel zurück: Starke Flanke von Jorge Meré auf Leonardo Bittencourt, der am Langen Eck zum Anschluss einschoss (2:1, 82.). Köln witterte nochmal Morgenluft – und tatsächlich: Wieder eine gute Flanke, in der Mitte köpfte Bittencourt zum 2:2-Ausgleich ein (87.). In der letzten Minute der regulären Spielzeit vergab Claudio Pizarro eine Mega-Chance und damit die Möglichkeit auf einen Kölner Sieg.

In der dritten Minute der Nachspielzeit traf dann Lucas Höler doch noch zum Sieg für die Freiburger. Eine völlig irre Partie endete am Samstagnachmittag mit einem ganz wichtigen Sieg für den Sportclub im Kampf um den Klassenerhalt und dem Abstieg des 1. FC Köln.

Die Stimmen:

Stefan Ruthenbeck (Trainer 1. FC Köln): "Es war ein schwieriges Spiel, das sinnbildlich für die gesamte Saison stand. Das letzte Gegentor darf so einfach im Abstiegskampf nicht fallen. So steigt man eben ab."

Timo Horn (Torwart 1. FC Köln): "Es ist immer noch einmal etwas was anderes, wenn so ein Abstieg endgültig ist. Schon im letzten Heimspiel gegen Schalke hatten wir sehr emotionale Szenen. Der Wille war bis zum Schluss ungebrochen. Es ist das i-Tüpfelchen auf eine völlig verkorkste Saison."

Jonas Hector (1. FC Köln): "Das ist einfach traurig, wenn man wieder rangekommen ist und dann wieder einen Schlag in die Fresse bekommt. Das zieht sich durch die ganze Saison und hat heute nicht aufgehört."

Armin Veh (Sportchef 1. FC Köln): "Wichtig ist, dass man es richtig analysiert, dass wir nach vorne schauen. Wir konnten zwei Spieler schon halten mit Horn und Hector, was ganz wichtig ist, ansonsten müssen wir uns aber schon neu aufstellen. Wir müssen frische Kräfte reinbringen. Wir sind sicher auch Favorit in der 2. Liga. Das wird aber nicht einfach."

Christian Streich (Trainer SC Freiburg): "Wir sind gut in das Spiel gekommen. Am Ende haben wir zwei furchtbare Gegentore bekommen. Dann war es wieder offen. Heute hatten wir das Glück auf unserer Seite."

Jochen Saier (Vorstand Sport SC Freiburg): "Brutal emotional heute. Aus einer ganz schwierigen Ausgangssituation haben wir es richtig gut gemacht. Dann haben wir aber Köln zurückgeholt und dann wuchs der Druck ins Unermessliche. Der Befreiungsschlag hinten raus war für uns brutal."

Der Tweet zum Spiel:

Ohne viele Worte: Eine Traditionsmannschaft verabschiedet sich erhobene Hauptes.

Das fiel auf: Prinzip Hoffnung

Köln wirkte in der Anfangsphase engagiert und startete in Freiburg mit der ersten Elf. Je länger das Spiel dauerte, desto weniger schien der FC aber noch wirklich an das Wunder Klassenerhalt zu glauben. Doch dann kamen durch einen Doppelschlag von Leonardo Bittencourt zum Ausgleich, Köln kämpfte danach aufopferungsvoll um die letzte Chance auf den Klasssenerhalt, kassierte aber in allerletzter Sekunde die Niederlage. Der FC steigt zum sechsten Mal in Liga zwei ab.

Die Statistik zum Spiel: Bilanz

In insgesamt sieben Bundesligaspielen gegen Köln holte SC-Trainer Christian Streich sechs Siege. Der letzte Dreier in Freiburg gelang dem FC im Jahr 1996.