Christoph Kramer hätte sich in den letzten Jahren eigentlich eine Auszeichnung als Chamäleon unter den Sechsern verdient. Zuerst bildete er ein Traumpaar mit Granit Xhaka – bis der Schweizer für gutes Geld an Arsenal verkauft wurde. Anschließend musste sich Kramer mit dem Toptalent Mahmoud Dahoud eingewöhnen – und passte sich erneut gut an bis Dahoud letztlich zum BVB ging.

Xhaka organsierte das Spiel mit weiträumigen Pässen aus der Tiefe, Kramer fiel dabei die vertikale Rolle zu. Mit Dahoud wiederum war die Aufgabenteilung etwas anders: Während Dahoud sich mehr im zweiten oder vordersten Drittel herumtrieb und enge Situationen mit seinen Dribblings auflösen sollte, zeigte Kramer sich öfter im Spielaufbau.

Bundesliga
Frankfurt gegen Gladbach: Die Eintracht kämpft gegen ihre Heimmisere
25/01/2018 AM 13:05

+++ LIVE: Frankfurt gegen M'Gladbach - Freitag, ab 19:30 Uhr im Eurosport Player +++

Mit Denis Zakaria hat Kramer nun einen Partner, der ihm insgesamt recht ähnlich ist: laufstark, zweikampfstark, passsicher. Normalerweise ist es problematisch, wenn auf der Doppelsechs zwei Spieler mit dem gleichen Profil agieren, in der Regel wird die Aufteilung mit einem Spielmacher aus der Tiefe und einem Box-to-Box-Spieler bevorzugt (zum Beispiel Kroos-Khedira).

Zakaria schlägt ein

Weil jedoch sowohl Kramer als auch Zakaria so vielfältig in ihren Anlagen sind, stellt die grundsätzliche Ähnlichkeit kein Problem dar – im Gegenteil: Beide sind taktisch so gut ausgebildet, dass sie variabel agieren (und auf den Partner reagieren) können, für den Gegner ist das Gladbacher Spiel somit schwerer auszurechnen.

Mit Zakaria haben die Gladbacher Verantwortlichen mal wieder ein glückliches und kompetentes Händchen bewiesen. Im Eiltempo beseitigte der Schweizer die Zweifel, ob der Sprung von den Young Boys Bern in die deutlich stärkere Bundesliga gelingen würde. 90 Prozent seiner Pässe bringt Zakaria durchschnittlich an den Mann – dabei ist er kein Spieler, der sich nur auf Querpässe beschränkt.

Seine körperliche Konstitution und sein gutes Timing machen ihn in der Defensive zu einer echten Waffe, pro Spiel kommt er auf starke fünf Balleroberungen (abgefangene Pässe + erfolgreiche Tacklings). Weil auch Kramer auf ähnliche Werte kommt – 88 Prozent Passquote, 4,7 Ballgewinne pro Spiel – steht Gladbach im Zentrum sicher und kommt so immer wieder in offensive Umschaltsituationen.

"Falsche" Stürmer unterstützen das Zentrum

Das Zentrum ist jedoch nicht nur defensiv das Prunkstück der Gladbacher, auch offensiv steht und fällt vieles mit den Bewegungen in der Spielfeldmitte. Meistens sieht sich das Team von Dieter Hecking einer nominellen Unterzahl im Zentrum gegenüber, da viele Mannschaften im 4-3-3, 4-1-4-1 oder 5-3-2 agieren. Auf dem Papier ist Gladbachs Doppelsechs also in der Unterzahl, dennoch greifen die Fohlen am liebsten durchs Zentrum an.

An dieser Stelle kommen die Stürmer ins Spiel. In Gladbachs üblichem 4-4-2 haben die Spitzen weitaus mehr Aufgaben als das Verwerten von Torchancen – und das lässt sich auch an den Spielertypen ablesen: Lars Stindl und Raffael sind keine klassischen Knipser oder schnelle Konterspieler, sondern spielstarke Offensivallrounder.

Oftmals lässt sich einer der Stürmer etwas fallen, um sich hinter oder neben den gegnerischen Sechsern anzubieten, teilweise sogar beide. Weil die Flügelspieler in diesen Situationen in die Räume zwischen den Innen- und Außenverteidigern starten, wird die gegnerische Viererkette gebunden und Gladbach hat im Zentrum kurzzeitig Überzahl.

Kovacs Manndeckung als Gegenmittel?

Gegen Frankfurt wird das Offensivspiel der Gladbacher auf eine harte Probe gestellt. Trainer Nico Kovac lässt seine Mannschaft unabhängig von der Grundformation sehr mannorientiert agieren – das beschriebene Positionsspiel der Gladbacher Stürmer funktioniert hier nicht, da es schlichtweg fast über den ganzen Platz ins Eins-gegen-Eins geht.

Gladbach hat in dieser Saison jedoch schon einige Male gezeigt, dass sie eine Manndeckung aushebeln können: Die Stürmer weichen noch deutlich weiter aus als sonst, dafür stoßen die Sechser immer wieder in die Spitze oder bieten sich außen an. Durch diese Gegenbewegungen kommen die gegnerischen Manndecker ins Laufen. Mit klar geplanten Abläufen lassen sich so sicherlich einige gute Chancen kreieren, da der Gegner hier immer den Nachteil hat, auf die Auftaktbewegung reagieren zu müssen.

Eurosport-Check: Gladbach hat es schon wieder geschafft, den Abgang eines Schlüsselspielers zu kompensieren, das Zentrum ist weiterhin das absolute Prunkstück des Kaders. Weil die „falschen“ Stürmer die Doppelsechs so gut unterstützen, bekommen die Fohlen immer wieder Übergewicht in der Mitte. Gegen die Manndecker aus Frankfurt muss Gladbach mal wieder seine Anpassungsfähigkeit zeigen, Bewegung und Timing werden die Schlüssel zur Torgefahr sein.

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