Blog | Sigi Heinrich: Jens Lehmann beim FC Augsburg wieder raus aus der Puppenkiste
Publiziert 09/04/2019 um 19:16 GMT+2 Uhr
Eurosport-Blogger Sigi Heinrich analysiert nach der Entlassung beim FC Augsburg von Trainer Manuel Baum, Co-Trainer Jens Lehmann und dem Technischen Direktor Stephan Schwarz den Scherbenhaufen, vor dem FCA-Geschäftsführer Stefan Reuter nun steht. Der Tenor: Jeder ist sich selbst der Nächste. Und Lehmann hat sich mit dem Job in Augsburg alles, aber keinen Gefallen getan.
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Ach, die Fußballwelt und ihre Lippenbekenntnisse. Am 14. März, also vor nicht einmal einem Monat, sagte Stefan Reuter, Sportvorstand des FC Augsburg, salbungsvoll, dass er bei einem Abstieg aus der Bundesliga auf jeden Fall bleiben werde. "Und Lehmann auch."
Und zu Manuel Baum, dem verantwortlichen Trainer, sagte Reuter: "Auf den Joker eines Trainerwechsels wollen wir gerne verzichten." Ach, die Fußballwelt. Sie pervertiert sich ja selbst und das jede Woche und gegen Ende einer Saison immer heftiger und häufiger.
Ein "Ja" ist, das lernen wir, ein "Nein". Definitiv. Bleiben heißt gehen. Vertragsverlängerung ist eigentlich eine Kündigung. Standfestigkeit gibt es nicht. Jeder ist sich selbst der Nächste. Oder frei nach Konrad Adenauer: "Was schert mich mein dummes Geschwätz von gestern?"
Ein Assistent ist ein Assistent
Manuel Baum und Jens Lehmann sind nicht mehr Teil des FC Augsburg. Die Nerven liegen blank im Abstiegskampf. Der Überlebenskampf hat begonnen. In der Liga, an den Schreibtischen der Führungskräfte, in den Umkleidekabinen der Trainer und Spieler.
Säbelrasseln ist das Gebot der Stunde. Auch Jens Lehmann hat seiner möglichen Trainerkarriere keinen Gefallen getan.
Ein Jahr war er bei Arsène Wenger und durfte ein wenig hospitieren. Der Ruf nach Augsburg schien ihm den Weg in die Übungsleiterszene zu ebnen, getreu dem Motto: Jeder fängt mal klein an.
Als Assistent in Augsburg unter Manuel Baum. Sein alter Weggefährte Stefan Reuter, die beiden spielten gemeinsam von 1999 bis 2003 bei Borussia Dortmund, verpflichtete ihn.
Augsburger Puppenkiste
Zum einen begann damit bereits die Demontage von Baum. Zum anderen war wohl nie so richtig klar, welche Rolle Lehmann spielen sollte. Fähnchen aufstellen, Bälle aufpumpen, Umkleidekabine aufschließen? Oder doch sportlich beratend dem Realschulllehrer Baum zur Seite stehen?
Der FC Augsburg stolperte, überraschte zwischendurch mal und fiel wieder hin. Abstiegskampf pur. Ganz normal eigentlich mit einem Kader, den Reuter zusammengestellt hat. Dazu kamen personelle Dissonanzen.
Spieler motzten, muckten auf. Reuter glitt alles aus den Fingern. Jetzt steht er vor einem Scherbenhaufen. Auch moralisch gesehen. Der noble Reuter ist auch nur ein Kind dieses Sports, der die Schuld an der jeweiligen Misere bei anderen sucht und Kraft seines Amtes Entlassungen aussprechen kann zusammen mit seinem Vereinspräsidenten.
Bezahlte Moral
Manuel Baums gute Arbeit der letzten Jahre zählt nicht mehr. Und die Akte Jens Lehmann ist bereits wieder geschlossen. Viel wird der ehemalige Nationaltorhüter vermutlich nicht gelernt haben in Augsburg und für künftige Bewerbungen war der kurze Zwischenstopp bei den Schwaben kein Ruhmesblatt.
Der Trainer Jens Lehmann war nur ein kurzes Intermezzo. Drei Monate war er bei seiner ersten deutschen Stelle. Dann war schon wieder Feierabend.
Ich schließe daraus, dass man auch mit ihm natürlich unzufrieden war. Oder warum musste auch er gehen? Er, der keinerlei Verantwortung hatte?
Im Endeffekt hat Reuter seinen Ex-Kumpel rüde abserviert. Wie das halt so üblich ist in dieser Fußball-Welt, die ihre Moral nur noch in Euro misst.
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