Bundesliga | Peter Bosz' Kampf gegen die Zeit bei Bayer Leverkusen
Publiziert 20/01/2019 um 12:42 GMT+1 Uhr
Vor dem Duell hatte Dieter Hecking fein gegen die Leverkusener und ihren neuen Trainer gestichelt. Nun, mit dem 1:0-Erfolg im Handgepäck, gab er sich ganz handzahm. Dem beim Werksklub frisch angetretenen Kollegen Peter Bosz legte er freundschaftlich die Hand auf die Schulter, plauderte auf dem Weg zur Ausgangstür noch mit ihm - nachdem er dem Niederländer vorher seinen Segen gegeben hatte.
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"Ich glaube, mit Peter hat Leverkusen einen fantastischen Trainer geholt“, äußerte Hecking da. Ehe er einen kurzen Blick in die Kristallkugel warf:
Schwierigkeitsgrad eins: die Zeit
Zum Teil sah man allerdings auch viel von dem, was den Vorjahresfünften im letzten Herbst ins sportliche Mittelmaß abrutschen ließ.
Einen mitunter etwas kopflosen Eifer in der Offensive, erkennbare Durchhänger nach Rückschlägen, im Vergleich mit Gladbach weniger gewachsene Strukturen beim Aufbauspiel aus der Defensive. Bezeichnend: In der Hinrunde verlor Bayer unter Trainer Heiko Herrlich alle Partien gegen die Top sieben der Liga, Nachfolger Bosz setzte diese dunkle Serie mit Niederlage Nummer acht nun nahtlos fort.
Zwei Wochen gemeinsamer Vorbereitung seien nicht viel, klagten die Leverkusener und ihr neuer Bank-Chef vor der Partie – und so klagten sie auch danach wieder. Hinzu kommt der jetzt schon drängende Faktor Zeit: Der Rückstand auf die internationalen Plätze ist mit der Heimpleite gegen Heckings Ensemble weiter angewachsen – und als Gegner warten nun: Wolfsburg und München.
Wieder zwei Kandidaten aus den gefürchteten Top sieben also. "Die nächsten Spiele werden nicht einfach", ahnt Bosz: "Aber wir werden uns verbessern."
Schwierigkeitsgrad zwei: Bosz' Vorgeschichte
Bei seinem ersten, nach kurzen sechs Monaten gescheiterten Bundesligaversuch in Dortmund – den der 55-Jährige unbedingt ausmerzen will – ging der Trend allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Nach starkem Start ließ der BVB ebenso stark nach, agierte in Bosz' pressingbetontem 4-3-3-System zunehmend verunsichert und anfällig.
Unter dem Bayer-Kreuz haben sie dem Fußballlehrer aus Apeldoorn nun mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Der betonte Optimismus an der A1 war auch Dieter Hecking nicht entgangen.
"Wir brauchen Leverkusen jetzt nicht zu hoch hängen. Wir sind gespannt, ob sie so gut sind, wie sie tun", kommentierte Borussias Coach vor dem rheinischen Duell süffisant. Und sah sich dann in gewisser Weise bestätigt: Denn wo Bosz draufsteht, ist weiterhin Bosz drin.
Schwierigkeitsgrad drei: Sturkopf unterm Brennglas
Den Ruf, ein Sturkopf zu sein, bringt der frühere Mittelfeldspieler aus seinem Halbjahresjob in Dortmund mit nach Leverkusen. Zugleich ist dem Mann aus Oranje-Land sehr daran gelegen, sein Image im Nachbarland zu korrigieren.
Den mäßig erfolgreichen Versuch, Rechtsfuß Karim Bellarabi über links und den Jamaikaner Leon Bailey auf Bellarabis rechter Seite stürmen zu lassen, revidierte Bosz nach einer Stunde – und läutete damit die stärkste Phase seiner Mannschaft in dieser Partie ein.
Insgesamt wirkte Bayers Auftakt unter dem holländischen Coach deutlich kontrollierter als bei dessen Spektakelfußball in Dortmund. So bleiben soll das allerdings nicht. "Ich habe bei meinem Antritt hier gesagt: Man muss aus Fehlern lernen", sagte Bosz zwar, kündigte jedoch zugleich an:
Schwierigkeitsgrad vier: Fahndung nach dem Killer-Gen
Unter den Top sechs in der Rubrik Laufleistung standen am Samstag in der BayArena fünf Leverkusener. Der Wille zum Umschwung war da, allein das Fleisch war in entscheidenden Situationen zu schwach.
Zum Beispiel bei Jungstar Kai Havertz, der Gästekeeper Yann Sommer nach gut einer Stunde aus fünf Meter Entfernung direkt in die Arme schoss. "Wir waren vor dem Tor wieder nicht konsequent genug", benannte der 19-jährige Havertz ein altbekanntes Bayer-Problem:
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