Der LIGAstheniker: Herrlich, Tedesco, Korkut - unwürdige Demontage dreier Glücksfälle

Der LIGAstheniker kritisiert die Art und Weise der Kritik an den Trainern Heiko Herrlich, Domenico Tedesco und Tayfun Korkut, die bereits nach dem 3. Spieltag heftig hinterfragt werden. Auffallend ist, dass der überschäumende Instant-Beschuss drei Männer trifft, die noch in der vergangenen Saison als Wundererbringer gefeiert wurden. Aber der LIGAstheniker gesteht auch einen eigenen Fehler ein.

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Das kennt man ja nun schon in schöner Regelmäßigkeit aus der Liga: dass einem Trainer in der Krise "demonstrativ" der Rücken gestärkt wird, um ihm dann in selbigen zu fallen. Es sind die üblichen, nicht ernst gemeinten Vorstands- und Klubführungsreflexe, wenn es mal nicht so läuft und man noch ein bisschen Zeit gewinnen will im Spiel um die öffentliche Deutungshoheit zum sportlichen Zustand des eigenen Klubs.
Dass dieses Spiel, je älter eine Saison ist, umso öfter gespielt wird, liegt in der Natur der Sache. Man weiß dann eben schon etwas länger, dass es nicht so laufen will. Dass an diesem dritten Spieltag aber von "Krise" und "Trennung" die Rede ist, wie bei Bayer Leverkusens Trainer Heiko Herrlich, das ist dann doch arg daneben. Das Dumme für Herrlich ist nur, dass seinen beiden Chefs aus guten Gründen misstraut werden muss, dass sie immun sind gegen den medialen Entlassungsfuror.

"Trennung" von Herrlich?

Nach der Niederlage gegen die Bayern, die im Ergebnis völlig normal daherkam und im tatsächlichen Leverkusener Spiel echte Offenbarungseid-Qualitäten offenlegte, kommentierte die "Rheinische Post", die nicht im Populismus-Verdacht steht, dass Herrlich in der "Krise" den Schalter nicht mehr umlegen könne. "Die Zeichen stehen auf Trennung". Festgemacht wird das am Spiel der Werks-Elf, das sich "verängstigt, verunsichert, ideen- und chancenlos präsentierte". Nicht dass ich dem widersprechen möchte. So war das exakt auch. Nur, wenn jede Bundesliga-Mannschaft, die in München ideenlos spielt, und das sind die allermeisten, dann wird es in Zukunft noch viele Trainerentlassungen nach Auswärtsspielen in der Bayerischen Landeshauptstadt geben müssen.
Dass die Enttäuschung in Leverkusen groß ist, vollkommen nachvollziehbar. Die dritte Niederlage im dritten Spiel, punktlos am Tabellenende, das ist für ein Team, das in die Champions League möchte, natürlich viel zu wenig. Aber die Frage ist doch: Wer macht solche Zielvorgaben und wer hat in der Saisonvorbereitung alles die Augen zugemacht, damit man sich jetzt schon, nach drei Wochen Liga, in einer ausgemachten Krise befindet, im Endstadion einer Trainerentlassung? Das vor den TV-Kameras gespielte Unverständnis von Sportdirektor Jonas Boldt, der die Champions League-Devise ausgegeben hat, nach der Bayern-Niederlage, dürfte Herrlich endgültig klar gemacht haben: es geht um meinen Job, jetzt schon.

Zweifelt Schalke an Tedesco?

Aber nicht nur in Leverkusen. In Stuttgart rumorte es schon am zweiten Spieltag nach zwei Niederlagen. Auch auf Schalke ist die Unruhe so groß, dass Manager Heidel - zugegeben unsinnige Was-Wäre-Wenn-Fragen im ZDF-Sportstudio - nicht beantworten will: was denn passiere, wenn Schalke auch die nächsten beiden Heimspiele gegen Porto in der Champions League und – da sind sie wieder – die Bayern, auch noch versemmeln würde? Solche Fragen beantworte er nicht, so Heidel rotköpfig. Und dabei muss man sagen, dass Schalke bei der Niederlage in Gladbach ähnlich hühnerhaufenartig agierte wie Leverkusen bei den Bayern. Die Frage, ob Schalke beim ersten Gegentor von Ginter Raum- oder Manndeckung spielte, konnte auch er nicht beantworten. Das konnte schlicht keiner im Stadion, weshalb sich natürlich auch Kritik am Shootingstar der deutschen Trainergilde, Domenico Tedesco, entzündet. Ist er noch der richtige auf Schalke, neuerdings Tabellen-17.?
Auffallend ist, dass die überschäumende Instant-Kritik an Korkut, Tedesco und Herrlich drei Männer trifft, die noch letzte Saison als Wundererbringer gefeiert wurden. Korkut führte den VfB innerhalb weniger Wochen aus der unmittelbaren Abstiegsregion fast noch in die Euro League, Herrlich die Leverkusener beinahe in die Champions League, Schalke wurde Vizemeister. Was ist passiert? Kritik ist natürlich richtig, wenn die Leistung nicht stimmt. Aber wie kritisiert man an einem dritten Spieltag, so, dass man nicht jeden Realitätsbezug verliert? Auch der LIGAstheniker hat an dieser Stelle in früheren Fällen schon viel zu früh viel zu dick aufgetragen. Also wie formuliert man eine Kritik, etwa in Richtung Tedesco, der 2018/19 zeigen muss, was er wirklich kann und die Vermutung, dass der junge Wundermann ein Wunder braucht um Platz zwei im wirren Gelsenkirchen zu wiederholen, ist ja nicht so ganz aus der Luft gegriffen. Also wie?

Statthafte Trainerschelte

Jedenfalls nicht so: In den diversen Fußballtalkshows vom Wochenende faselte etwa Fredi Bobic, heute Vorstandsvorsitzender in Frankfurt, über die altbekannten Klischees vom Trainer als schwächstem Glied in der Kette. Man könne ja nicht 15 bis 20 Spieler rauswerfen, so Bobic. Sagt der Ex-Spieler in bester Lobbyisten-Manier. Das ist natürlich dummes Zeug und Vernebelung der Tatsachen, wenn man sich die Trainerpolitik in England anschaut. Es sind nie 15 oder 20 Spieler gleichzeitig, die das Problem darstellen, sondern zwei, drei faule Äpfel, die man am Anfang einer Saison getrost erstmal auf der Bank oder Tribüne entsorgen kann, bis sie sich wieder konstruktiv einbringen wollen.
Warum ist der Trainer nicht das stärkste Glied? Klar ändert sich die Dynamik, wenn zu einer neuen Saison neue Spieler hinzukommen, aber dass einem Trainer innerhalb weniger Wochen das ganze Team entgleitet? Eher unwahrscheinlich. Genau das ist auch die Situation in Leverkusen, dass ein paar Unzufriedene Stimmung gegen den Trainer machen, der vor Wochen noch als Glücksfall galt. Mal sehen, wie lange Geschäftsführer Rudi Völler und Kadermanager Jonas Boldt ihrem Trainer noch "demonstrativ" den Rücken stärken. Der Nachfolger steht angeblich ja schon fest: Ralph Hasenhüttl.
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