FC Bayern: Niko Kovac ist ein Gewinner der WM - oder nicht?

Am Montag wird Niko Kovac offiziell als neuer Trainer des FC Bayern München präsentiert. Seine Startvoraussetzungen sind günstig, durch das deutsche WM-Aus geht Kovac quasi mit dem kompletten Kader in die Vorbereitung, inklusive USA-Reise im Juli. Andererseits kämpft der kroatische Coach mit den Nachwehen des Russland-Sommers: Kovac ist gleich als Psychologe gefordert. Immerhin gibt es ein Omen.

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"Total überrascht" sei er gewesen, "traurig und ein bisschen ratlos". So empfanden viele deutsche Fußballfans, was für unsere Geschichte freilich irrelevant ist, weil der Mann kein deutscher Fußballfan ist, sondern kroatischer Fußballlehrer.
Okay, ein Faible für Deutschland hat er schon: Niko Kovac wurde 1971 in West-Berlin geboren.
"Das hätte ich mir nicht träumen lassen", schreibt Kovac in der "FAZ" übers WM-Aus der Nationalmannschaft, seine Meinung ist eine gefragte in diesen Zeiten, und sie wird kaum an Bedeutung einbüßen. Wie er sich das peinliche DFB-Abschneiden erkläre? Kovac klingt wie Joachim Löw, wenn er anmerkt, dass es nicht diesen einen Grund gebe:
Über kleine oder größere Dinge des FC Bayern sprachen die Leute während der WM weniger, zuletzt wurden die Münchner wieder Thema - beziehungsweise thematisierten sich selbst.

FC Bayern vergibt Nummern an Gnabry und Goretzka

Erst flog Deutschland ja auch deshalb raus, weil der Bayern-Block erschreckend kläglich agierte in Russland. Am Donnerstag dann richtete der Meister beste Twitter-Wünsche an seine Achtelfinal-Teilnehmer, woraufhin sich James Rodríguez prompt verletzte.
Zwischendurch verkündete Bayern die Rückennummern von Leon Goretzka (18) und Serge Gnabry (22), was an der Säbener Straße bereits als Nachrichtenwert durchging.
Ach ja, am Ende des Tages flatterte noch elektronische Post in den Briefkasten, die besagte, dass montags der neue Trainer präsentiert werde. Ein toller Typ soll er sein, mit Eintracht Frankfurt gewann er neulich den DFB-Pokal, früher spielte er mal bei Bayern.
Niko Kovac packt's an.

Kovac genießt wunderbare Startbedingungen

Und er darf sich freuen; nominell wartet die bestbesetzte Post-Turnier-Vorbereitung, an die sich die Gelehrten erinnern. Bis auf den Kolumbianer James, den Spanier Thiago und den Franzosen Corentin Tolisso ist kein Bayern-Profi mehr bei der WM vertreten, neben Manuel Neuer, Mats Hummels, Jérôme Boateng, Niklas Süle, Joshua Kimmich, Sebastian Rudy und Thomas Müller schied der Pole Robert Lewandowski früh aus (was nicht an Robert Lewandowski lag, wie Robert Lewandowski fand).
Sie alle werden die USA-Reise vom 23. bis 30. Juli bestreiten, zusammen mit Goretzka, Franck Ribéry, Arjen Robben, Javi Martínez, Kingsley Coman und natürlich Sandro Wagner. Fraglich ist nur, ob Thiago und/oder Boateng die Saison 2018/19 als Wahl-Bayern zubringen, bei beiden ist ein Abschied möglich.
Also: Wunderbare Startbedingungen für Kovac. Andererseits reicht ein Blick auf WM-Statistiken, um den Fluch vom Segen zu trennen.

Wenn selbst Müller nicht mehr lacht

Exakt null Tore von Bayern-Spielern sind nach der Gruppenphase notiert, sogar Kovacs Ex-Arbeitgeber Frankfurt (mit Ante Rebic für Kroatien) oder Augsburg (Alfred Finnbogason, Island) waren erfolgreicher als Münchner Angestellte.
Der miserable Russland-Sommer fordert Kovac gleich als Psychologen. Weil Misserfolge die Beine müder und den Kopf leerer machen. Sogar Müller - der, der immer lacht - weinte bittere Tränen. "Wir sitzen in dem Verliererboot“, murmelte er, "wir müssen das erst verarbeiten".
Es wird dauern, die Blamage zu überwinden und sich aufzuraffen für eine Saison, in der alles vor vorne beginnt: Der Angriff auf den siebten oder siebzigsten Meistertitel in Folge, ultradefensive Abwehrreihen und Partien gegen Fortuna Düsseldorf bei Nieselregen im November (nichts gegen Fortuna Düsseldorf; wohl aber gegen Nieselregen).

FC Bayern: Die Erinnerung an 2012 und 2013

Der desillusionierende Epilog der Vorsaison mit dem Scheitern im Champions-League-Halbfinale an Real Madrid sowie dem vergeigten Pokalfinale gegen Kovacs Frankfurter mündete im WM-Debakel. Ständig diese Negativerlebnisse - sowas ist der gemeine Bayern-Star ja nicht gewöhnt.
Das Bundesliga-Auftaktprogramm ist knackig, Hoffenheim, Stuttgart, Leverkusen, Schalke. Kovacs Elf muss vom Fleck weg funktionieren. Wenn's Omen braucht, dann bitteschön dieses: 2012 erlitt Bayern beim "Finale dahoam" den größten anzunehmenden Keulenschlag, die EM verlief kaum prickelnder.
Im Jahr darauf zelebrierte München das Triple.
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