TSG 1899 Hoffenheim - Bayer 04 Leverkusen | Belfodil und Amiri führen TSG zum Sieg

Die TSG 1899 Hoffenheim hat Bayer Leverkusen im Freitagsspiel des 27. Spieltags mit 4:1 (1:1) geschlagen und damit zur Spitzengruppe aufgeschlossen. Ishak Belfodil (10., 61.), ein Eigentor von Sven Bender (51.) und Andrej Kramaric (79.) sorgten für den Heimsieg. Für Leverkusen hatte Kevin Volland zwischenzeitlich ausgeglichen (17.). Die TSG liegt damit nur noch einen Punkt hinter Bayer.

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So lief das Spiel:

Vier Punkte trennten beide Vereine vor der Partie. Leverkusen belegte Europa-League-Rang sechs, für die neuntplatzierten Hoffenheimer galt "Verlieren verboten", um die internationalen Ränge nicht aus den Augen zu verlieren. Die Wichtigkeit dieses richtungsweisenden Duells war den Protagonisten von Anfang an anzumerken.
Leverkusen legte furios los und vergab bereits in der dritten Minute eine Riesenchance. Leon Bailey hatte links im gegnerischen Sechzehner viel Raum - Julian Brandt steckte mustergültig auf ihn durch. Der Jamaikaner spielte flach auf den langen Pfosten, wo Kevin Volland lauerte. Benjamin Hübner spitzelte in höchster Not aus dem Fünfer ins Toraus.
Nach der verpassten Führung blieb die "Werkself" am Drücker, kassierte jedoch durch Hoffenheims ersten Torschuss das 0:1. Hübner eröffnete aus der eigenen Hälfte gegen hochstehende Leverkusener mit einem tollen Pass in den Lauf von Kramaric, der Gegenspieler Jonathan Tah auf der linken Seite entwischte und per Außenrist flach ins Zentrum gab. Dort kontrollierte Belfodil den Ball und jagte ihn aus 15 Metern flach zum 1:0 ins linke Eck (10.).
Die Kraichgauer zogen sich anschließend etwas zurück, Leverkusen lief weiter an und glich hochverdient aus. In der 17. Minute gab Volland von links, wenige Meter vor der Grundlinie, hoch in den Sechzehner, wo Joshua Benet zwar aus der Box, aber ins rechte Halbfeld vor die Füße von Karim Bellarabi, köpfte. Dieser passte zu Brandt, der butterweich in die linke Strafraumhälfte flankte. Volland nickte auf Höhe des Elfmeterpunktes zum 1:1 ins kurze Eck (17.).
Das Spiel gestaltete sich nun offen - beide Mannschaften erarbeiteten sich gute Abschlüsse.
Drei Minuten nach dem Ausgleich bediente Brandt Bellarabi rechts im Strafraum. Der Ex-Braunschweiger gab scharf auf den zweiten Pfosten, wo es Volland nicht schaffte, den Ball unbedrängt aus etwa vier Metern über die Linie zu drücken. Der ehemalige "Münchner Löwe“ traf ihn nicht gut, sodass er in den Armen von Keeper Oliver Baumann landete. (20.)
In der 32. Minute rappelte der Ball zum dritten Mal an diesem Abend im Netz. Kerem Demirbay beförderte einen Eckstoß von links hoch ins Zentrum, wo Bayer-Schlussmann Lukas Hradecky Hübners wuchtigen Kopfball klasse parierte. Der Abpraller landete bei Belfodil, der zwar einnetzte, aber aufgrund einer hauchdünnen Abseitsstellung zurückgepfiffen wurde.
Es ging leistungsgerecht mit 1:1 in die Kabinen.
Die Leverkusener fanden nach dem Seitenwechsel in den entscheidenden Zonen kaum ein Durchkommen. Hoffenheims Fokus lag auf der Fehlervermeidung sowie schnellem Umschaltspiel, was den Nagelsmännern eindrucksvoll gelang. Sie starteten gegen eine offensiv mittlerweile zu unkreative "Werkself" geradlinige Konter, welche sie kaltschnäuzig zu Ende spielten.
In der 51. Minute passte Pavel Kaderabek von rechts nach innen, wo Nadiem Amiri den Ball innerhalb des Strafraums per Direktabnahme nicht optimal traf. Sven Bender hielt seinen Fuß hin und lenkte ihn unhaltbar zum 2:1 in den Kasten.
Zehn Minuten später attackierten die Hausherren erneut per Gegenzug. Kaderabek fing den Ball im Mittelfeld ab. Ein anschließender langer Schlag von Florian Grillitsch landete auf der linken Seite bei Belfodil, der nach innen drang, Mitchell Weiser aussteigen ließ und links unten zum 3:1 traf.
Die TSG schraubte das Ergebnis verdient nach oben und überstand Leverkusens schwach ausgeprägte Schlussoffensive ohne Gegentor. Den Schlusspunkt setzt Hoffenheims kroatischer Vizeweltmeister: Belfodil wurde von David Otto links steil per Vertikalpass geschickt. Der Algerier legte den Ball am heranrauschenden Hradecky vorbei. Kramaric lief parallel mit und drückte ihn von der Torlinie zum 4:1-Endstand in die Maschen (79.).

Die Stimmen:

Julian Nagelsmann (Trainer TSG 1899 Hoffenheim) bei Eurosport: "Die Druckphase der ersten sieben, acht Minuten haben wir überstanden. Nach der Führung haben wir schnell den Ausgleich bekommen, dann aus der Konterposition heraus agiert und über die sich bietenden Räume die Tore gemacht. Unser Plan ist super aufgegangen. Die Spieler haben sich daran gehalten und einen sehr starken Gegner verdient bezwungen."
Peter Bosz (Trainer Bayer 04 Leverkusen): "Was nicht funktioniert hat, waren die Tore. Wenn man die Chancen hat, muss man sie nutzen, aber das haben wir nicht gemacht. Leider mussten wir in der ersten Halbzeit schon zwei Spieler auswechseln, haben aber ordentlich gespielt. Am Ende aber war es nicht mehr gut, wir haben schlecht verteidigt und verdient verloren. Wenn man so verteidigt wie wir in der zweiten Halbzeit, ist das Ergebnis nicht zu hoch."
Benjamin Hübner (TSG 1899 Hoffenheim): "Weltklasse, besser kann es nicht laufen. Jetzt müssen wir die Leistung stabilisieren und so weiterspielen - erst dann können wir über Europa sprechen."
Nadiem Amiri (TSG 1899 Hoffenheim): "Mein Jubel war ein Gefühlsausbruch, weil ich oft Pech und jetzt das nötige Quäntchen Glück hatte. Ich habe nicht erwartet, dass es so ein klarer Erfolg wird, denn Leverkusen ist eine Topmannschaft - und du musst eine Leistung wie heute abrufen, um zu gewinnen."
Kevin Volland (Bayer 04 Leverkusen): "Es war ein Rückschlag. Hoffenheim hat es vor allem beim letzten Pass besser gemacht und uns ausgekontert. Die Verteidigung fängt vorne an und es ist dann in der Defensive schwer, die Lücken zu schließen. Wir haben es verpasst, nach Ballverlusten wieder kompakt zu stehen. Wir waren einfach zu langsam im Kopf, deshalb haben wir verloren."

Der Tweet zum Spiel:

Update: Leverkusens tolle Bilanz in Hoffenheim wurde etwas verschlechtert - im elften Auswärtsspiel setzte es die zweite Niederlage.

Das fiel auf: Was wäre passiert, wenn…

… die Trainer nicht verletzungsbedingt hätten tauschen müssen. Drei Spieler hatten sich ohne gegnerische Einwirkung wehgetan und konnten nicht weitermachen. Zwei davon im ersten Abschnitt: Charles Aránguiz (26.) ersetzte Bellarabi, der sich am Oberschenkel wehtat. Der Chilene übernahm die Kai-Havertz-Position. Havertz rückte auf die rechte Außenseite, die zuvor Bellarabi bekleidete. Zehn Minuten später wurde der angeschlagene Bayer-Kapitän Lars Bender positionsgetreu durch Mitchell Weiser ersetzt. Es waren erste wenige Minuten im zweiten Durchgang gespielt, als Joelinton mit dem Fuß im Rasen hängenblieb. Der Brasilianer musste am linken Sprunggelenk behandelt werden und wurde wenig später durch Nadiem Amiri ausgetauscht (51.). Der deutsche U21-Nationalspieler war lediglich wenige Sekunden im Spiel, ehe er maßgeblich an der zweiten Hoffenheimer Führung beteiligt war.

Die Statistik: 4

Zum vierten Mal in Serie fielen in Duellen dieser beiden Vereine mindestens vier Treffer. In der Hinrunde bezwangen die Kraichgauer Leverkusen ebenfalls mit 4:1. Zudem bedeutet die Auswärtspleite Bayers vierte Saisonniederlage.
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