TSG 1899 Hoffenheim - VfB Stuttgart: Vier Gegentore in zwölf Minuten - VfB geht erneut unter

Markus Weinzierl hat als Trainer des VfB Stuttgart einen kompletten Fehlstart hingelegt: Nach dem Heim-0:4 gegen Borussia Dortmund setzte es am 9. Bundesliga-Spieltag auch ein 0:4 (0:0) bei der TSG 1899 Hoffenheim. Durch eine strittige Rote Kare für Emiliano Insua (8.) geschwächt, kam der VfB nach der Pause unter die Räder. Joshua Brenet (48.), Joelinton (51.) und Ishak Belfodil (57./60.) trafen.

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So lief das Spiel:

Die Zuschauer sahen eine hitzige erste Hälfte mit vielen Nickligkeiten und wenigen Strafraumszenen. Im Mittelpunkt stand dabei der Videobeweis, der insgesamt dreimal eingesetzt wurde: In der achten Minute lief Schiedsrichter Willenborg erstmals zum Bildschirm und schickte Emiliano Insúa anschließend wegen eines Foulspiels an Pavel Kadeřábek mit Rot vom Platz.
VfB-Coach Markus Weinzierl reagierte darauf folgendermaßen: Nicolás González rückte eine Position nach hinten, sodass die Schwaben von diesem Zeitpunkt an bei gegnerischem Ballbesitz in einem 5-3-1 mit Eric Thommy links hinten und Mario Gómez in der Spitze agierten.
Hoffenheim schaffte es zunächst nicht, die Überzahl sowie den vielen Ballbesitz (70 Prozent im ersten Abschnitt) häufig in nennenswerte Offensivszenen umzumünzen. Stuttgart fokussierte sich auf die Defensivarbeit und bot dem Gegner im vorderen Drittel nur wenige Räume.
Im zweiten Durchgang fiel der VfB dann aber komplett auseinander.
Die Hoffenheimer agierten nach dem Seitenwechsel zielstrebiger und waren in Abschlusspositionen konsequenter, wodurch die Gäste die Kontrolle über das eigene Spiel und letztlich auch die Partie verloren. Die TSG schlug innerhalb von zwölf Minuten viermal zu.
Zuerst ließ Reiss Nelson rechts nahe des Sechzehners Santiago Ascacíbar, Holger Badstuber sowie Benjamin Pavard aussteigen und kam flach zum Abschluss. Ron-Robert Zieler parierte per Handabwehr, doch Joshua Brenet lauerte und staubte zum 1:0 ab (48.).
Drei Minuten später bediente Andrej Kramarić Brenet rechts im Strafraum, wo der Torschütze wenige Meter vor der Grundlinie flach in den Fünfer spielte. Dort drückte Joelinton den Ball mühelos zum 2:0 über die Linie.
In der 57. Minute folgte das 3:0: Joelinton setzte sich gegen Pavard durch schickte Ishak Belfodil, der von links in die Box eindrang und flach rechts unten zum 3:0 einschoss.
Es dauerte drei Minuten bis der ehemalige Bremer seinen Doppelpack schnürte: Stuttgarts Christian Gentner passte in Sechzehnernähe vor die Füße von Belfodil, der nur noch Zieler vor sich hatte und aus 16 Metern unbedrängt links oben zum 4:0 traf.
Anschließend investierte der Champions-League-Teilnehmer nicht mehr allzu viel und sparte seine Kräfte. Die Stuttgarter kassierten zum fünften Mal in dieser Saison drei oder mehr Gegentreffer und halten punkt- und torverhältnisgleich mit Düsseldorf den letzten Tabellenplatz inne. Hoffenheim hingegen kletterte auf den achten Rang.

Die Stimmen:

Markus Weinzierl (Trainer VfB Stuttgart): "Ich hätte die Rote Karte nicht gegeben. Der Fuß hat da nix verloren, aber der Schiedsrichter muss sich über die Tragweite seiner Entscheidung bewusst sein. Schon mit elf Mann ist es brutal gegen die TSG. Wenn wir in Führung gehen, läuft das Spiel auch zu zehnt ganz anders. Dass ein Tabellenletzter nicht vor Selbstvertrauen strotzt, ist auch klar. Aber dem stelle ich mich. Wir dürfen nach dem ersten Tor nicht gleich das zweite und dritte kriegen."
Julian Nagelsmann (Trainer TSG 1899 Hoffenheim): "Wir haben zu Beginn ein paar Probleme gehabt und auch nach der Roten Karte wurde es zunächst nicht einfacher. Nachdem wir die Grundordnung geändert haben, sind wir besser ins Spiel gekommen. In der zweiten Hälfte haben wir unglaublichen Druck gemacht und nach dem ersten Tor frühzeitig nachgelegt. Aufgrund der sehr guten Phase nach der Halbzeit war unser Sieg heute natürlich verdient. n der zweiten Halbzeit hatte der Gegner dann keine Chance mehr."
Michael Reschke (Sportvorstand VfB Stuttgart): "Wir waren uns von Anfang an im Klaren, dass das Auftaktprogramm brutal schwer ist. Ich erlebe Markus in der täglichen Arbeit und bin total überzeugt davon, dass wir mit ihm den Weg zum Klassenerhalt finden werden."
Mario Gómez (VfB Stuttgart): "Im Moment ist der Fußball sehr brutal zu uns. Das gute an der ganzen Sache ist: Das ist das erste Drittel der Saison und nicht das letzte. Das heißt: Wir können noch reagieren, wir müssen reagieren!"
Kerem Demirbay (TSG 1899 Hoffenheim): "Mir gefällt es auf der Sechs - muss ich ehrlich zugeben. Einfach auch deshalb, weil ich immer wieder in defensive Zweikämpfe komme. Wenn du irgendwann nicht gut im Spiel bist, kannst du immer wieder über die Defensive kommen. So habe ich viele Ballkontakte, viel mehr als auf der Acht."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Weinzierls Startschwierigkeiten

Weinzierl hat auch bei seinem dritten Job als Cheftrainer in Deutschlands höchster Spielklasse enorme Startprobleme. Beim FC Augsburg war er die ersten sechs Begegnung sieglos (zwei Unentschieden, vier Niederlagen), bei Schalke 04 setzte es gar fünf Pleiten am Stück. Bei seinem neuesten Arbeitgeber setzte es in beiden Partien eine 0:4-Klatsche (zuvor gegen Borussia Dortmund).

Die Statistik: 21/7

Der VfB Stuttgart ist die Schießbude der Liga. Er kassierte bereits 21 Gegentore und stellt damit zusammen mit Fortuna Düsseldorf die schlechteste Defensive. Vorne läuft es bei den Schwaben allerdings auch nicht gerade rosig: In sieben der zehn Pflichtspiele dieser Saison blieben sie ohne eigenen Treffer.
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