Nico Elvedi von Borussia Mönchengladbach im Exklusiv-Interview bei Eurosport
Nico Elvedi gehört zu den Leistungsgaranten bei Borussia Mönchengladbach. Der Innenverteidiger stand in allen 17 Hinrundenpartien in der Startelf, überzeugte zudem mit der zweitbesten Zweikampfquote und besten Passquote der Bundesliga. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport spricht er über Zukunftspläne, Ziele mit den Fohlen und der Nati, sowie den am schwierigsten zu verteidigenden Borussia-Stürmer.
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Das Interview führte Marc Hlusiak
65,5 Prozent Zweikampfqoute – der zweitbeste Wert in der Bundesliga. 95,8 Prozent Passquote – Liga-Topwert. Wie lange spielen Sie angesichts dieser Zahlen noch in Mönchengladbach?
Nico Elvedi: Ich bin natürlich froh, dass meine Werte so gut sind. Da bin ich auch ein bisschen stolz drauf. Ich werde versuchen, diese in der Rückrunde zu bestätigen. Mit einem Abschied von Borussia beschäftige ich mich aber nicht großartig.
Ihnen sind diese Statistiken also präsent?
Elvedi: Man nimmt das schon wahr. Ich habe von meiner guten Passquote gelesen. Klar, ich bin Innenverteidiger, spiele ab und zu eher den sicheren Ball. Dennoch riskiere ich auch oft Pässe in die Schnittstelle. Und das werde ich auch beibehalten.
Zum Rückrundenstart geht es zum FC Schalke. Am 1. Spieltag tat sich die Borussia schwer gegen die Königsblauen. Was muss im Rückspiel besser laufen?
Elvedi: Wir sind heute eine andere Mannschaft als beim ersten Spiel gegen Schalke (0:0). Wir haben uns weiterentwickelt. Wir haben das, was der Trainer sich wünscht, besser drauf. Es wird ein schwieriges Spiel, vor allem weil es auswärts stattfindet. Wenn wir aber da weitermachen, wo wir aufgehört haben, habe ich ein gutes Gefühl. Natürlich wollen wir auch auf Schalke drei Punkte holen.
Mit David Wagner und Marco Rose treffen sich zwei neue Bundesliga-Trainer. Was hat Rose der Mannschaft Neues vermittelt? Was macht ihn so besonders?
Elvedi: Zum einen ist es sein Umgang mit den Spielern. Er spricht viel, sagt, was man noch besser machen kann. Unser Pressing z.B., das uns zu frühen Balleroberungen führt. Wir spielen mehr Risiko, gehen hinten auch mal Eins gegen Eins. Bisher ist das aber sehr gut aufgegangen. Wir haben nur 18 Gegentore bekommen. Das sind zusammen mit Wolfsburg die wenigsten der ganzen Liga. Dazu ist es unsere Mentalität, immer nach vorne spielen zu wollen. Wir gehen immer aufs Tor. Das hat der Trainer uns mitgegeben.
Ihr Coach hat sich jüngst in einem Interview als "manchmal jähzornig" bezeichnet. Wie ist er so in der Kabine?
Elvedi: Das ist unterschiedlich. Wenn er sauer ist, kann er auch mal laut werden – das war aber noch nicht oft der Fall. Meistens versucht er, die Dinge 'normal' zu lösen. Er sagt uns, was wir nicht gut gemacht haben und zeigt auf, was wir besser machen können.
Gab es denn in ihrer Karriere schon einmal eine Situation, in der Sie auf dem Platz so richtig aus der Haut gefahren sind?
Elvedi: Nein. Es braucht ziemlich viel, dass ich mal komplett ausraste und laut werde. Klar ist man ab und zu wütend. Ich zeige das aber nicht groß auf dem Platz, rege mich eher innerlich auf. Es braucht schon eine Menge, dass ich mal auf den Boden trete.
Was ist mit diesem Trainer in dieser Saison möglich? Immerhin schwächeln die Großen (Bayern, BVB). Vielleicht sogar die Meisterschaft?
Elvedi: Es ist noch immer schwierig zu sagen. Wir wollen gut in die Rückrunde starten, wollen die Spiele gewinnen und das bestätigen, was wir in der Hinrunde gezeigt haben. Wenn wir das abliefern, bin ich überzeugt davon, dass wir am Ende des Jahres ein richtig gutes Ergebnis haben werden.
Und das heißt dann mindestens die Champions-League-Qualifikation?
Elvedi: Klar wollen wir wieder europäisch spielen. Das ist schon der Anspruch von Gladbach. Ob es reicht, werden wir sehen.
Max Eberl hat Ende der Hinrunde gesagt, dass sie in der öffentlichen Bewertung neben Matthias Ginter und Denis Zakaria etwas untergehen und sie explizit gelobt. Bedeutet ihnen das etwas?
Elvedi: Ja, natürlich. Es ist immer schön, wenn man ein Lob vom Sportdirektor bekommt. Das zeigt, dass ich gute Leistungen in der Hinrunde gebracht habe. Es macht mich stolz, wenn jemand sowas über mich sagt.
Macht es Ihnen grundsätzlich etwas aus, dass die anderen mehr im Rampenlicht stehen als Sie?
Elvedi: Das ist für mich absolut ok. Ich mache mein Spiel, versuche meine Leistung zu bringen. Wenn jetzt da andere mehr hervorgehoben werden, ist mir das egal.
Apropos Rampenlicht. Viel geschrieben wird bei Borussia Mönchengladbach über die Offensive mit Breel Embolo, Alassane Pléa und vor allem Durchstarter Marcus Thuram. Was ist er für ein Typ? Was zeichnet ihn aus?
Elvedi: Er hat viele Qualitäten. Er ist richtig schnell, hat enorme Power und sucht das Eins-gegen-Eins. So einen Spieler haben wir gebraucht. Einer, der etwas riskiert und Tore schießen will. Er hat das in der Hinrunde gezeigt. Es wäre schön, wenn er das auch in der Rückrunde tun würde (lacht).
Wen dieser drei verteidigen Sie im Training am wenigsten gerne?
Elvedi: Sie sind alle sehr unangenehm. Wenn ich aber einen auswählen müsste, würde ich Breel (Embolo, Anm. d. Red.) nehmen. Er ist körperlich richtig stark. Es ist unglaublich schwer, gegen ihn an den Ball zu kommen oder ein Laufduell zu gewinnen.
Trotz ihrer erst 23 Jahre gehören sie mit über vier Spielzeiten für die Fohlen schon zu den alten Hasen im Kader (150). Würden Sie sich selbst als Führungsspieler bezeichnen?
Elvedi: Ja, das kann man schon sagen. Ich versuche, die Mannschaft zu pushen und zu motivieren. Man merkt nach 150 Bundesligaspielen, dass man eine gewisse Erfahrung hat – und die zeigt man dann auf dem Platz.
Sie selbst haben bestätigt, dass Gladbach ihren Vertrag (bis 2021) dank einer Option bis 2022 verlängern kann, was sie wohl bald tun werden. Was sind Ihre Zukunftspläne für danach?
Elvedi: Es gab noch keine Gespräche mit Max (Eberl, Anm. d. Red.) bezüglich einer Verlängerung. Das lasse ich alles auf mich zukommen.
Reizt es Sie denn, nochmal in einer anderen Liga zu spielen? Vielleicht bei einem noch größeren Klub in England, Spanien oder Italien?
Elvedi: Schwer zu sagen. Ich fühle mich hier in Deutschland richtig wohl. Vielleicht kommt der Reiz irgendwann ja noch. Im Moment bin ich aber glücklich in Gladbach.
Auch in der Nati gehören sie mittlerweile zum Stammpersonal. Im Sommer steht die EM an. Was trauen Sie sich und der Schweiz zu?
Elvedi: Unser erstes Ziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen. Was danach rausspringt, werden wir sehen. Natürlich wollen wir auch mit der Schweiz mal etwas Großes gewinnen. Aber der Weg ist lang.
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