Eurosport
Sechs Tore in Düsseldorf! Hertha BSC gegen Fortuna erst pfui, dann hui
Von
Publiziert 28/02/2020 um 22:22 GMT+1 Uhr
Ein krisengeschütteltes Hertha BSC hat am Freitagabend zum Auftakt des 24. Bundesliga-Spieltags bei Fortuna Düsseldorf einen aussichtslosen 0:3-Rückstand zur Pause noch aufgeholt. Am Ende trennten sich beide Abstiegskandidaten mit 3:3. Für die Fortuna trafen Kenan Karaman (6., 45.) und Erik Thommy (45.), für Berlin Thommy (64., Eigentor), Matheus Cunha (66.) und Krzysztof Piatek (75., Elfmeter).
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
So lief das Spiel:
Die Hertha machte da weiter, wo sie beim 0:5 gegen Köln aufgehört hatte. Ein simpler langer Ball reichte, um Berlin vor arge Probleme zu stellen. Kevin Stöger spielte einen solchen Pass aus der eigenen Hälfte auf Kenan Karaman - und der war frei durch. Lukas Klünter versuchte zwar noch ihn einzuholen, doch der Türke schob den Ball locker an Thomas Kraft vorbei zum 1:0 (6.). Und Berlin zeigte sogar die gleichen Fehler wie im Köln-Spiel. Ein eigener Standard endete in einem Konter für den Gegner. Eine Berliner Ecke wurde abgewehrt - und schon rollte der Gegenangriff. Eigentlich war der Ball auf Erik Thommy etwas zu weit nach außen gedriftet, aber Dodi Lukebakio ließ den Flügelspieler passieren. Thommy zog in den Strafraum und schlenzte den Ball in die lange Ecke (8.). Aber auch die Fortunen boten etwas an: Torhüter Florian Kastenmeier wollte einen langen Ball abfangen, rutschte aus und so bot sich Krzysztof Piatek die große Möglichkeit. Der Winkel wurde allerdings zu spitz für ihn (12.). Der nächste Höhepunkt gehörte erneut dem Polen: Er wurde nach einem starken Ballgewinn von Per Skjelbred von Lukebakio auf die Reise geschickt. Der Pole marschierte allein auf das Düsseldorfer Tor zu, hämmerte den Ball aber genau auf Kastenmeier. Eine symbolträchtige Szene, denn neben ihm war Matheus Cunha völlig frei (30.). Die Strafe folgte auf dem Fuß: Dieses Mal reichte ein langer Diagonalball, um die gesamte Hertha-Defensive auszuspielen. Thommys Pass fand Matthias Zimmermann, der zur Grundlinie durchging und auf Karaman zurücklegte. Der Angreifer schob unbedrängt zum 3:0 ein (45.+1).
Das Spiel schien entschieden, bis Düsseldorf die Hertha mit einem Slapstick-Eigentor zurückbrachte. Thommy trat nach einer Flanke über den Ball und beförderte ihn mit seiner Hand unglücklich ins eigene Netz (64.). Das küsste die Hertha wach - Fortuna brach ein. Erst traf Cunha mit einem Schuss aus 20 Metern (66.), dann Piatek vom Elfmeterpunkt (75.). Er war selbst von Kastenmeier gefoult worden. Es folgte eine turbulente Schlussphase, in der beide Teams noch hochkarätige Möglichkeiten vergaben. Dabei war die Hertha dem Sieg ganz nah: Cunha traf in der 90. Minute aus 18 Metern nur den linken Pfosten.
Die Stimmen:
Uwe Rösler (Trainer Fortuna Düsseldorf): "Wir haben sehr gut angefangen und waren sehr effektiv. Die zwei Chancen, die Hertha hatte, haben wir Hertha geschenkt. Wir haben uns zur Halbzeit geschworen sehr kompakt weiterzuspielen. Nach dem Gegentor haben wir eindeutig Nerven gezeigt. Das Ergebnis fühlt sich wie eine Niederlage an. Morgen werden wir noch einen Hangover haben."
Alexander Nouri (Interimstrainer Hertha BSC): "Die erste Halbzeit ist für mich schwer zu erklären. Wir haben die Gegentore zu einfach bekommen. In der Pause hat Thomas Kraft einen Appell an die Mannschaft gerichtet, großen Respekt davor. Nach dem 0:5 zu Hause und dem 0:3 zur Halbzeit so zurückzukommen, ist schon Wahnsinn. Was wir mitnehmen, ist die Moral, die die Mannschaft gezeigt hat."
Florian Kastenmeier (Fortuna Düsseldorf): "Das ist halt so, wenn du unten drin steckst. Klar steckt die Hertha auch unten drin, aber die haben sich das über die 90 Minuten erarbeitet. Die haben in der zweiten Halbzeit richtig Gas gegeben, wir sind zu passiv geworden und dann kriegst du halt drei so Dinger."
Erik Thommy (Fortuna Düsseldorf): "Nach der ersten Halbzeit wo wir 3:0 führen, dürfen wir in der zweiten Halbzeit nicht so den Faden verlieren. Ganz, ganz bittere Tore. Gerade auch das 3:1. Muss ich mir ankreiden. Müssen wir uns ankreiden."
Krzysztof Piątek (Hertha BSC Berlin): "Der Punkt war unglaublich wichtig - ganz besonders nach dieser verrückten ersten Hälfte. Wir wollten das Spiel gewinnen, aber wenn du nach zehn Minuten schon mit zwei Toren zurückliegst, wird es in der Bundesliga ganz schwer. Ich ärgere mich sehr, dass ich in der Eins-gegen-eins-Situation nicht getroffen habe - den muss ich machen. Glücklicherweise habe ich durch den Elfmeter die Chance bekommen, der Mannschaft zu helfen. Die zweite Halbzeit hat gezeigt, was für Potenzial in der Mannschaft steckt. Das wollen wir im nächsten Spiel untermauern und die Punkte holen."
Der Tweet zum Spiel:
Das fiel auf: Jordan Torunarigha
Der Innenverteidiger begann dieses Mal links hinten in der Viererkette und war in der ersten Halbzeit noch einer der Sichersten. In der zweiten Halbzeit bekam er mit Maximilian Mittelstädt einen neuen Partner auf der linken Seite. Mit diesem wechselte er sich fleißig ab. So wurde er ein großer Faktor im Berliner Offensivspiel: Er bediente Darida vor der Flanke zum 3:1, spielte den Traumpass auf Piatek vor dem Elfmeter und erzielte kurz darauf um ein Haar selbst das vierte Tor.
Die Statistik: 1
Es war das 13. Gastspiel der Hertha in Düsseldorf und erst ein Mal konnten die Berliner den Platz als Sieger verlassen. Das war am 2. April 1977, als Karl-Heinz Granitza, Erich Beer und Wolfgang Sidka für einen 3:2-Sieg sorgten.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung