Stindl sorgt für Last-Minute-Punkt für Gladbach in Frankfurt

Borussia Mönchengladbach hat am 12. Spieltag "last minute" 3:3 (1:3) bei Eintracht Frankfurt gespielt. Lars Stindl (14., 90., Elfm., 90.+5) erzielte alle drei Gästetreffer. Die Eintracht hatte zuvor ein 0:1 binnen elf Minuten durch André Silva (22./Elfmeter, 24.) und Aymen Barkok (32.) zu einem 3:1 gemacht. Beim 2:1 monierte Gladbach, dass der Ball bei einem Freistoß nicht regelkonform ruhte.

Lars Stindl (l.) jubelt - Eintracht Frankfurt vs. Borussia Mönchengladbach

Fotocredit: Getty Images

Die Fohlen erwischten den besseren Start. Gladbach spielte forsch nach vorne, näherte sich geradlinig mit schnellen Schritten Richtung Tor. Eine erfolgreiche Standardsituation sorgte für die Gästeführung. Lars Stindl stand zum Freistoß, der aus einem Foul von Makoto Hasebe an László Bénes resultierte, bereit. Der Kapitän schlenzte aus etwa 23 Metern über die Mauer. Keeper Kevin Trapp kam zwar mit den Fingerspitzen an den Ball, dieser flog jedoch halbhoch rechts zum 1:0 über die Torlinie (14.).
Wenige Minuten später konterten die Frankfurter den gegnerischen Führungstreffer durch einen verwandelten Foulelfmeter. Martin Hinteregger zog in der 21. Minute rechts in der Box hoch ab. Sein Nationalmannschaftskollege Stefan Lainer blockte per weit nach oben gestrecktem Arm. Schiedsrichter Benjamin Cortus entschied zu Recht auf Handelfmeter. André Silva nahm sich dem Strafstoß an. Er schoss flach rechts unten zum 1:1 ein (22.). Yann Sommer hechtete auf die andere Seite.
Silva komplettierte zweit Minuten nach seinem ersten Streich seinen Doppelpack. Die Hausherren führten einen Freistoß in der eigenen Hälfte schnell aus. Silva wurde in der Spitze durch einen langen Schlag von Aymen Barkok bedient. Der Portugiese drang mit hohem Tempo in die rechte Strafraumhälfte ein, wo er aus kurzer Distanz flach zum 2:1 einschoss. Allerdings: Der Ball ruhte direkt vor der Freistoßausführung nicht. Der Treffer wurde nicht zurückgenommen.
Die Adler schossen wenig später gar das 3:1. In der 32. Minute tanzte Barkok nach Zuspiel von Silva rechts in der Box Nico Elvedi und Matthias Ginter aus. Christoph Kramer versuchte zu bereinigen, bekam aber keinen Zugriff, sodass Frankfurts 22-jähriger Mittelfeldmann links unten zum 3:1 einschob. Ein Sahnetor.
Zwar hatten die Gladbacher im zweiten Durchgang ein deutliches Plus an Ballbesitz, doch sie schafften es zunächst nicht, die vielen Aktionen mit dem Spielgerät in Torgefahr umzumünzen.
Frankfurt überzeugte im Kollektiv mit guter Defensivarbeit. Die Hütter-Elf hielt den Ball über weite Strecken des Spiels vom eigenen Strafraum entfernt, es gelang ihr allerdings nicht, den Deckel draufzumachen. Von den vier Frankfurter Schüssen in der zweiten Halbzeit wurde keiner aufs Tor platziert.
Nach David Abrahams Platzverweis in der 81. Minute, der wegen eines taktischen Fouls am eingewechselten Breel Embolo Gelb-Rot sah, warf Gladbach in der Schlussphase alles nach vorne und punktete mit zwei späten Treffern doch noch.
In der 89. Minute stieg Barkok Embolo im Zweikampf knapp innerhalb des Strafraums auf den Fuß, weswegen der Schiedsrichter zu Recht auf Foulelfmeter entschied. Stindl verwandelte.
Vor allem aufgrund vieler Behandlungspausen gab es einige Minuten obendrauf - sechs Minuten Nachspielzeit waren angezeigt. In der vorletzten dieser sechs flankte Joker Ibrahima Traoré von links butterweich ins Zentrum. Dort nickte Stindl wuchtig per Aufsetzer aufs Tor. Trapp wehrte zunächst ab, doch der Abpraller landete erneut bei Stindl, der aus kurzer Distanz zum 3:3-Endstand einköpfte.

Die Stimmen:

Adi Hütter (Trainer Eintracht Frankfurt): "Es ist schade, dass die Mannschaft nicht belohnt wurde. Das ärgert uns natürlich sehr. Es ist trotzdem ein Punkt. Wir müssen uns die beiden letzten Tore selbst ankreiden. Dass wir sehr traurig sind, muss man ganz klar sagen. Die Mannschaft hätte den Sieg verdient gehabt."
Marco Rose (Trainer Borussia Mönchengladbach): "Lars Stindl ist ein richtiger Kapitän, der voran geht. Das hat er heute eindrucksvoll bestätigt. Er ist ein wichtiger Faktor für uns. Die Gelb-Rote Karte, der Anschlusstreffer und der Glaube daran, dass wir noch etwas holen können, haben dafür gesorgt, dass wir uns noch belohnt haben. Das ist schon eine außergewöhnliche Leistung der Mannschaft."
Lars Stindl (Borussia Mönchengladbach): "Das ist schwer einzuordnen. Wir kommen super rein und gehen in Führung. Danach machen wir es nicht mehr klug. Am Ende war es eine absolute Willensleistung."
Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach): "Katastrophe - Unentschieden nach dem Spielverlauf. Mir wurde die Szene (die Freistoßausführung, die dem Treffer zum 2:1 vorausging, Anm. d. Red.) in meiner Karriere zwei Millionen Mal abgepfiffen. Der Ball rollt noch - bei uns hören zwei auf zu laufen. Man kann jetzt wieder sagen: Der Ball ist noch nicht drin und noch 70 Meter weg. Aber das ist eine ganz klare Fehlentscheidung."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Mit drei ehemaligen Fohlen gegen das Rose-Team

Hinteregger, Djibril Sow sowie Amin Younes durften gegen Borussia Mönchengladbach von Beginn an ran. Somit beorderte Eintracht-Coach Adi Hütter all seine Spieler, die bereits bei den Fohlen unter Vertrag standen, in die Anfangsaufstellung. Alle drei sammelten bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber nicht gerade sonderlich viele Minuten. So könnte es durchaus sein, dass die jeweiligen Startelfeinsätze gegen den Ex für eine Portion Extramotivation gesorgt haben.
Younes feierte somit gegen seinen Jugendklub sein Bundesliga-Startelfdebüt für die Adler. Zuvor kam der fünffache deutsche Nationalspieler in diesem Wettbewerb fünfmal für die SGE zum Einsatz, wurde dabei aber stets eingewechselt. Alle drei Genannten machten ein ordentliches Spiel und empfohlen sich für weitere Startelfeinsätze.

Die Statistik: 9

Die Adler fuhren seit neun Ligapartien keinen mehr Dreier ein. Sie teilten dabei siebenmal die Punkte und verloren zweimal. Eine längere Sieglos-Serie im deutschen Fußball-Oberhaus hatte Eintracht Frankfurt letztmals in der Saison 2016/17, als die SGE zehnmal hintereinander nicht gewann.
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