Im Duell mit dem Abstiegskandidaten aus Bielefeld übernahm Champions-League-Aspirant Bayer Leverkusen von Beginn an die Spielkontrolle. Die Arminia zog sich bei gegnerischem Ballbesitz tief in die eigene Hälfte zurück und lauerte auf Umschaltmomente, die Mannschaft von Peter Bosz hingegen suchte in der dichten Defensive immer wieder die Lücke.
So bot sich den Hausherren bereits früh die Möglichkeit zur Führung, nach Vorarbeit von Moussa Diaby zielte Nadiem Amiri aber aus elf Metern links daneben (7.). Immer wieder versuchte es die Werkself über ihre schnellen Außenspieler Jeremie Frimpong und Moussa Diaby, zumeist fehlte dann aber die Präzision beim letzten Pass.
Dementsprechend überraschend fiel der Führungstreffer der Gäste. Nach Balleroberung im Mittelfeld schaltete Bielefeld schnell um. Manuel Prietl bediente Christian Gebauer auf der rechten Außenbahn, der den Ball scharf quer vors Tor spielte. Dort schaltete Ritsu Doan schneller als Bayers Edmond Tapsoba und traf mit Hilfe der Unterkante des Querbalkens zum 1:0 ins Tor (17.).
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Wechsel perfekt: Bayers Bailey zieht es auf die Insel
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Leverkusen musste nun reagieren und kam nur wenig später in Person von Demarai Gray zum Abschluss, sein Schuss aus elf Metern geriet aber zu zentral (19.). In der Defensive produzierten die Hausherren hingegen immer wieder individuelle Fehler, so resultierte aus einem Missverständnis zwischen Wendell und Torhüter Lennart Grill ein indirekter Freistoß für die Arminia. Torschütze Doan nahm sich dessen an, blieb aber mit seinem Flachschuss aus 15 Metern an der Leverkusener Mauer hängen (24.).
In der Folge tat sich Leverkusen trotz hoher Ballbesitzanteile schwer, zwingende Torchancen zu kreieren. Die beste Möglichkeit bot sich noch Gray, der mit einem sehenswerten Volleyabschluss aus sieben Metern halblinker Position Stefan Ortega im Tor der Bielefelder zu einer nicht minder sehenswerten Parade zwang (37.).
Peter Bosz musste nun reagieren und brachte zur zweiten Halbzeit Leon Bailey und Lucas Alario für Kerem Demirbay und Gray. Dennoch kam die Werkself nicht richtig in Tritt. Stattdessen bot sich nach einem Foul am eigenen Strafraum von Frimpong an Masaya Okugawa die nächste gute Möglichkeit für die Gäste. Den anschließenden Freistoß trat Arne Maier allerdings aus 17 Metern halblinker Position in die Mauer, Doans Nachschuss wurde von Grill entschärft (50.).
Ein paar Minuten später machte es sein Mannschaftskollege Okugawa besser. Bei einem Bielefelder Konter startete Anderson Lucoqui auf der linken Seite durch und brachte den Ball in Bedrängnis noch ins Zentrum. Dort stand Okugawa völlig frei, machte noch ein paar Schritte in Richtung Tor und schob dann flach ins rechte Eck ein. (57.).
Leverkusen war gefordert, sowohl Amiri als auch Diaby verfehlten aber bei ihren Versuchen aus der Distanz (60., 63.). Auch Alarios Abschluss aus 15 Metern ging links vorbei (69.).
Auf der anderen Seite wurde Bielefeld bei Kontersituationen gefährlich. So prüfte Doan Grill mit einem Abschluss aus spitzem Winkel (71.).
In der Schlussphase warf Leverkusen noch einmal alles nach vorne, blieb aber oftmals im letzten Drittel zu ungenau. Erst in der 85. Minute landete der Ball dann doch im Tor. Nach einem Heber von Amiri landete der Ball vom Kopf von Schick bei Alario, der zurück vors Tor spielte. Dort stand Schick richtig und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie.
In den letzten Minuten hatten beide Mannschaften ihre Möglichkeiten auf einen weiteren Treffer, so scheiterte der eingewechselte Sven Schipplock mit einem Abschluss aus sieben Metern halblinker Position am gut reagierenden Grill (90.), während auf der anderen Seite Ortega einen Schuss von der Strafraumgrenze von Alario über den Querbalken lenkte (90.+2).
Da den Leverkusenern der Ausgleich aber nicht mehr gelang, feierte Arminia drei ganz wichtige Punkte im Abstiegskampf sowie den ersten Sieg unter dem neuen Trainer Frank Kramer. Leverkusen hingegen muss im Kampf um die Champions-League-Plätze ein wenig abreißen lassen.

Die Stimmen:

Frank Kramer (Trainer DSC Arminia Bielefeld): "Ich bin total glücklich für die Mannschaft, weil sie sich belohnt hat für den wahnsinnigen Einsatz, den sie heute wieder gezeigt hat. Ich glaube schon, dass man das verdient nennen kann. Die Leidenschaft und die Kampfeslust, die wir da reingepackt haben, gilt es natürlich hervorzuheben. Aber auch den Willen, immer wieder schnell zum gegnerischen Tor zu kommen. Da gehört auch dazu, präzise zu verteidigen und das haben wir heute gemacht."
Stefan Ortega (DSC Arminia Bielefeld): "Pure erleichterung erstmal, jetzt wieder gewonnen zu haben. Und das auch noch gegen eine Mannschaft, die immer bei den Top sechs dabei ist. Nach all dem, was in den letzten Wochen los war, ist das natürlich gerade pure Erleichterung. Wir sind glaube ich, sieben oder acht Kilometer als Mannschaft mehr gelaufen. Aufgrund der ersten Halbzeit glaube ich, dass wir es wirklich verdient haben. Wir sind aus der ersten Halbzeit rausgekommen und haben gesagt, wir versuchen aufs zweite Tor zu gehen."
Asaya Okugawa (DSC Arminia Bielefeld): "Mein erstes Bundesliga-Tor und das auch noch zum Sieg, das ist super. Wir haben immer verloren, das ist schwierig. Man muss immer zusammen stehen und kämpfen."
Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen): "Wir haben es nicht geschafft, zurück zu kommen. Nicht geschafft, am Ende unsere Chancen zu nutzen, die definitiv da waren. Das war am Ende dann zu wenig. Wir haben uns nach dem ersten Tor schon verunsichern lassen, was überhaupt nicht nötig war, weil wir genug Zeit hatten."
Nadiem Amiri (Bayer 04 Leverkusen): "Ich glaube, am Ende kriegen wir natürlich wieder zu einfache Gegentore. Wir hatten, glaube ich, genug chancen, vor allem am Anfang, um das Spiel zu gewinnen. Das passt einfach zu dieser Rückrunde."

Der Tweet zum Spiel:

Leverkusen muss einmal mehr eine bittere Pille schlucken.

Das fiel auf: Kramers System greift

Erst seit drei Spielen steht Frank Kramer an der Seitenlinie bei der Arminia, doch im Spiel gegen Leverkusen merkte man zum ersten Mal den Effekt, den seine Systemveränderung auf das Spiel des Aufsteigers hat. Ließ Kramer gegen Werder Bremen noch mit einer Mittelfeldraute spielen, schickte er gegen die spielstarken Leverkusener eine Doppelsechs ins Rennen und verstärkte so das zentrale Mittelfeld. Zugleich impfte er seiner Mannschaft, aus einer stabilen Defensive heraus, das schnelle Umschaltspiel ein, bei dem über die schnellen Doan und Okugawa immer wieder gefährliche Momente kreiert wurden. Die Werkself hatte sichtlich Probleme mit der Spielweise der Gäste, war immer wieder gezwungen über die Außen zu spielen, zeigte sich dann im letzten Angriffsdrittel aber oft zu unpräzise, während Bielefeld seine Chancen konsequent nutzte und so auch nicht unverdient gewann.

Die Statistik: 2

Mit Ritsu Doan und Masaya Okugawa trafen erst zum zweiten Mal in der Bundesliga-Geschichte zwei Japaner in einer Partie. Zuvor gelang das Hiroshi Kiyotaki und Hiroki Sakai im April 2016.
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