Es klingt wie das immer gleiche Lied und wenn man genau hinhört, dann ist es das auch.
Der BVB nimmt sich wie so häufig in der Vergangenheit gegen einen vermeintlich kleinen Gegner selbst den Wind aus den Segeln - verschenkt unnötig Punkte, die am Saisonende nicht nur den ganz großen Coup unmöglich machen, sondern - wie in der vergangenen Spielzeit - auch die Minimalziele gefährden.
Im Schlussspurt der abgelaufenen Saison rettete sich Schwarz-Gelb mit zwei blauen Augen in die Champions League. Es bedurfte eines beachtlichen Schlussspurts mit sieben Siegen in Serie, um das kleine Wunder zu schaffen. Denn noch am 27. Spieltag betrug der Rückstand auf den vierten Tabellenplatz satte sieben Punkte - bis hin zu Rang drei, der es am Ende wurde, waren es elf Zähler.
Bundesliga
Zorc: Klopp war mein bester BVB-Transfer
24/08/2021 AM 07:19
Eingebrockt hatten sich die Borussen diese Notlage in regelmäßigen Abständen durch unnötige Niederlagen gegen Klubs wie Köln, den FC Augsburg, Aufsteiger VfB Stuttgart oder eben den SC Freiburg.

BVB 2021: Neue Saison, alte Leier

Es dürfte Fans wie Verantwortliche des BVB gleichermaßen frustrieren, dass die so vielversprechend mit einem Kantersieg über die SGE gestartete Kampagne schon am zweiten Wochenende den ersten unschönen Makel bekam.
"Ich wusste, dass der August kompliziert werden würde", sagte Sportdirektor Michael Zorc nach der 1:2-Pleite beim SC Freiburg (selbes Ergebnis wie im Vorjahr) im ersten Auswärtsspiel und fügte an: "Diesem Fakt ist einiges geschuldet - auch wenn das von unserem sehr guten Start etwas überlagert wurde."

Marco Reus im Spiel von Borussia Dortmund gegen den SC Freiburg

Fotocredit: Getty Images

Mit "einiges" meint der 58-Jährige eben nicht nur die häufig angesprochene angespannte Personalsituation.
Vor allem zwei weitere Probleme sind offensichtlich.

Schwachstelle 1: Die Rechtsverteidigerposition

In der vergangenen Saison kam Thomas Meunier als heimlicher Königstransfer ablösefrei von Paris Saint-Germain zum BVB. Hinten rechts war er auf Anhieb gesetzt, war Achraf Hakimi doch im selben Sommer zu Inter Mailand abgewandert. Doch der Aufgabe, den Marokkaner zu ersetzen, war der erfahrene Belgier - zur Verwunderung vieler - nicht gewachsen.
Nach seiner Premierensaison in Dortmund muss man den 29-Jährigen als Transferflop bezeichnen - und trotzdem ruhen derzeit einige Hoffnungen auf ihm.
Mateu Morey, der Meunier in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit endgültig den Rang ablief, verletzte sich im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Holstein Kiel (5:0) im Mai so schwer, dass er mindestens noch für den Rest der Hinrunde ausfällt. Zu Beginn der aktuellen Saison übernahm deshalb Felix Passlack den Job des Rechtsverteidigers, weil Meunier nach der EM erst im wohlverdienten Urlaub weilte und sich dann analog zu Julian Brandt das Coronavirus einfing.

Giovanni Reyna

Fotocredit: Getty Images

Passlack jedoch, das wurde sowohl im Supercup gegen den FC Bayern (1:3), als auch im Auswärtsspiel beim SC Freiburg deutlich, fehlt es an Qualität. Die hat Meunier im Laufe seiner Karriere schon auf höchstem Niveau nachgewiesen, zuletzt bei der Europameisterschaft mit der belgischen Nationalmannschaft.
Es liegt nun an Marco Rose und seinem Trainerteam, Meunier zu dem Spieler zu machen, den man sich schon in der vergangenen Saison erwartet hatte.

Schwachstelle 2: Sancho-Abgang kompensieren

Dass Jadon Sancho dem BVB nach seinem Wechsel zu Manchester United fehlen würde, war klar. Ebenfalls konnte man sich darauf einstellen, dass der junge Engländer, der in seinen vier Jahren in Schwarz-Gelb 50 Tore und 64 Vorlagen in 137 Spielen auflegte, nicht eins zu eins zu ersetzen sein würde.
Der Verlust des 21-Jährigen soll und muss im Kollektiv aufgefangen werden. Spieler wie Giovanni Reyna oder Julian Brandt erhalten mehr Verantwortung, Leihspieler Reinier soll in seiner zweiten Saison beim BVB endlich den Durchbruch schaffen und Donyell Malen wurde für 30 Millionen Euro von der PSV Eindhoven verpflichtet.
Doch all diese kleinen Baustellen brauchen Zeit. Reyna ist ein anderer Spielertyp als Sancho. Technisch versiert, ja - aber eben nicht so klar und konsequent im Eins-gegen-Eins. Brandt verpasste Teile der Vorbereitung wegen einer Coronainfektion, bekam in Freiburg erste Minuten als Einwechselspieler und Olympiasieger Reinier hat ebenfalls noch Trainingsrückstand, weil er sich mit der brasilianischen Nationalmannschaft in Tokio die Goldmedaille abholte.

Donyell Malen

Fotocredit: Getty Images

Und Malen? Die Integration des Niederländers ins neue Umfeld, die Anpassung an die neuen Kollegen und das Spielsystem des BVB braucht Zeit. Zudem sieht ihn Rose eher als zweite Spitze neben Haaland und nicht wie Sancho als reinen Flügelspieler, der dem Norweger in erster Linie Bälle auf dem Silbertablett serviert.
Nun ist es freilich so, dass gegen Eintracht Frankfurt zum Saisonstart offensiv alles wie am Schnürchen lief. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass es einen Haaland in Überform brauchte, der an allen fünf Treffern seiner Mannschaft direkt beteiligt war.
Gegen den SC Freiburg, als der BVB 18 Torschüsse aus rund 80 Prozent Ballbesitz extrahierte, blieb der Topstürmer blass - und damit auch die komplette Offensive. Der BVB scheiterte schlicht an der Ausführung der Aktionen im letzten Drittel, der Kernkompetenz von Haaland - und eben der von Sancho.
Das könnte Dich auch interessieren: Bayern im DFB-Pokal ohne Kapitän Neuer, Lewandowski und Goretzka

Körperliche Defizite? Juve-Coach begründet Ronaldo-Bankplatz

Bundesliga
Abflug nach nur einem Jahr? Leipzig-Stürmer auf dem Weg nach Spanien
24/08/2021 AM 05:47
Fußball
Drei Dinge, die auffielen: Die Rückkehr des Urviehs
16/10/2021 AM 20:23