SC Freiburg wacht zu spät auf: 1. FC Köln triumphiert in Abwesenheit von Trainer Steffen Baumgart

Der 1. FC Köln hat in Abwesenheit seines an Corona erkrankten Trainers Steffen Baumgart einen umkämpften Dreier eingefahren. Vor heimischer Kulisse bezwangen die Domstädter den SC Freiburg 1:0 (1:0). Anthony Modeste erzielte den Treffer des Tages, der den Effzeh vorerst auf Tabellenplatz sechs katapultierte. Die Breisgauer belegen trotz der Niederlage weiterhin Rang fünf.

Anthony Modeste traf gegen den SC Freiburg zum Sieg

Fotocredit: Getty Images

Die Kölner mussten im Duell gegen den SC Freiburg ohne ihren Cheftrainer Steffen Baumgart auskommen. Der 50-Jährige befand sich nach einer Infektion mit dem Coronavirus in häuslicher Isolation. Für ihn übernahm Co-Trainer André Pawlak an der Seitenlinie. Der FC nahm zwei personelle Veränderungen vor, im Vergleich zum 2:2 gegen Bochum. Mark Uth und Jan Thielmann rückten in die erste Elf, Ondrej Duda und Louis Schaub saßen zunächst auf der Ersatzbank. Bei den Breisgauern schenkte Cheftrainer Christian Streich exakt derselben Elf sein Vertrauen, welche zuletzt den VfB Stuttgart mit 2:0 besiegt hatte.
Köln startete mutig ins Duell, zwang mit konsequentem Pressing die Breisgauer immer wieder zu Ballverlusten. Rasch erarbeiteten sich die Gastgeber drei Eckbälle in der Anfangsphase, gaben früh die Marschroute vor. So standen bei den Geißböcken nach zehn Minuten knapp 70 % Ballbesitz zu Buche, Freiburg blieb blass.
Nach mehreren Halbchancen belohnten sich die Hausherren schließlich in der 23. Minute mit dem Führungstreffer, durch Anthony Modeste. Ein Klärungsversuch von Luca Kilian in der eigenen Hälfte landete tief in der Freiburger Hälfte. Dort spielte der FC eine Zwei-gegen-Zwei-Situation dann clever aus. Es war schließlich Jan Thielmann, der Modeste die Kugel am Strafraumrand auflegte. Dieser ließ sich nicht bitten und erzielte mit viel Gefühl aus 16 Metern das 1:0, Mark Flekken war chancenlos im Tor der Breisgauer.
Die Freiburger wirkten nach dem Gegentreffer sichtlich geschockt und reagierten infolgedessen etwas ratlos. Kurz vor dem Pausenpfiff ergab sich für die Gäste noch die beste Möglichkeit zum Ausgleich, als Maximilian Eggestein es per Distanzschuss versuchte und Marvin Schwäbe im Kölner Tor zum ersten Mal richtig eingreifen musste.
Zu Beginn des zweiten Durchganges reagierte Christian Streich, brachte Robert Sallai ins Spiel, für den harmlosen Kevin Schade. Dieser Wechsel sollte sich direkt bezahlt machen. Es dauerte lediglich fünf Minuten, als Freiburg nach einem ruhenden Ball in der neutralen Zone blitzschnell handelte und Christian Günter auf der linken Außenbahn in Szene setzte. Dessen Hereingabe ging an Freund und Feind vorbei und landete schließlich beim eingewechselten Sallai, der völlig frei stand und aus rund elf Metern im Strafraum nur noch den Fuß hinhalten musste. Der Schuss landete unhaltbar im linken unteren Toreck, Schwäbe war geschlagen (50.) .
Die Freude währte jedoch nur kurz beim Sportclub. Schiedsrichter Dr. Felix Brych bekam die Anweisung vom VAR, die Situation zu überprüfen. Nico Schlotterbeck stand beim Schuss von Sallai leicht versetzt vor Schwäbe und blockierte dessen Sichtfeld, während des Treffers. Brych entschied daraufhin auf eine aktive Abseitsposition des Freiburgers, ein hartes, wenn auch vertretbares Urteil.
Köln reagierte beflügelt auf die Entscheidung des VAR, spielte nun munter in Richtung zweites Tor. Doch auch die Breisgauer wollten sich noch nicht geschlagen geben. Ab der 70. Minute entwickelte sich dann eine hektische Schlussphase, mit vielen Gelben Karten und Wechseln auf beiden Seiten.
Freiburg warf alles nach vorne, brachte unter anderem Nils Petersen und Jonathan Schmid für die letzten Minuten. Welle um Welle rollte auf die Kölner Defensive zu, die in dieser Phase mit viel Leidenschaft, aber auch dem nötigen Spielglück die knappe Führung verteidigte. Am Ende blieb es beim 1:0 für die Hausherren, auch aufgrund einer sehr routinierten und geschlossenen Mannschaftsleistung.

Die Stimmen nach dem Spiel:

Christian Streich (Trainer SC Freiburg):
„Die zweite Halbzeit war in Ordnung, wir schießen das Tor und kriegen es nicht. Wenn die Regel so ist, ok. Aber ich verstehe es nicht so, weil der Torwart gar keine Chance hat. Wie soll er behindert werden, wenn er keine Chance hat? Die ersten 35 Minuten waren wir nicht ballsicher genug. Zu viele Ballverluste, zu unruhig. Damit haben wir Köln aufgebaut.“

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Köln siegt mit Glück und Kampfgeist

Es war ein umkämpftes Spiel, nicht unbedingt hochklassig, aber hochgradig unterhaltsam. Köln musste im Duell ohne Cheftrainer Steffen Baumgart bestehen, gegen einen Sportclub aus Freiburg, der eine starke Saison spielt und seit Wochen von den internationalen Plätzen grüßt. Zudem sind die Breisgauer für ihre Standardstärke gefürchtet, 15 der 28 Hinrundentore fielen nach ruhenden Bällen. Doch es war der FC, der von Beginn an mit Herz spielte und sich früh ein Plus bei den Eckbällen und Freistößen erarbeitete. Und dann gibt es ja noch die Lebensversicherung der Geißböcke, namentlich Anthony Modeste. Nach fünf Treffern in seinen letzten fünf Spielen, schraubte er heute mit seinem Tor die Quote munter hoch, auf sechs Treffer in seinen letzten sechs Spielen. Freiburg hingegen ließ sich vom mutigen Pressing der Kölner verunsichern, blieb außerdem bei eigenen Standards blass. Baumgart hatte seine Spieler am Morgen noch per Videokonferenz heiß gemacht auf das Duell, Co-Trainer André Pawlak wirkte von der Seitenlinie immer wieder mit Impulsen auf sein Team ein. Mit so viel Kampf und Herz kann man sich dann auch die drei Punkte sichern in einer Partie, die ansonsten möglicherweise auch als Remis hätte enden können.

Die Statistik: 100

Christian Günter absolvierte heute sein 100. Bundesliga-Spiel in Folge von Beginn an.
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