Nach dem blamablen 0:3 im Pokal in Hannover nahm Adi Hütter vier personelle Wechsel vor, unter anderem fehlte Lars Stindl aufgrund einer Innenbandverletzung im Knie. Außerdem nahmen Joe Scally, Marcus Thuram sowie Alassane Pléa auf der Bank Platz. Dafür starteten Luca Netz, Denis Zakaria, Breel Embolo sowie Jonas Hofmann, der nach sechs Wochen Verletzungspause sein Comeback feierte.
Union-Trainer Urs Fischer kann aktuell beinahe aus dem Vollen schöpfen und nahm nach dem erfolgreichen Derbysieg im Pokal gleich fünf personelle Wechsel vor. Die größte Überraschung gab es dabei auf der Torhüterposition, wo Stammkeeper Andreas Luthe für Frederik Rönnow weichen musste. Der Däne durfte aus persönlichen Gründen ran und feierte so seine Bundesliga-Premiere für die Hauptstädter. Zudem begannen Paul Jaeckel, Niko Gießelmann, Christopher Trimmel und Sheraldo Becker für Dominique Heintz, Bastian Oczipka, Levin Öztunali und Julian Ryerson (alle Bank).
Die 750 Zuschauer sahen von Beginn an eine sehr interessante und intensiv geführte Partie. Die Hausherren waren sehr engagiert und agierten mit hohem Gegenpressing. So gehörten die Anfangsminuten der Borussia, die jedoch kein Durchkommen gegen sehr kompakte und stabile Köpenicker fanden.
Bundesliga
Bochum hat das letzte Wort: VfL und Köln trennen sich unentschieden
22/01/2022 AM 19:23
Das Spiel sollte lange Zeit keine Höhepunkte bieten, doch aus dem Nichts stand es 1:0 für die Gäste. Zakaria sprang der Ball im Strafraum an die Hand, Schiedsrichter Felix Brych zeigte nach Ansicht der Bilder auf den Punkt. Max Kruse traf souverän zum 1:0 gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber (18.). Eine Szene, die symptomatisch für die aktuelle Lage der Borussia sein sollte.
Gladbach suchte nach der Antwort, Florian Neuhaus verfehlte knapp (24.). Ansonsten konnte man der Fohlenelf ein hohes Engagement attestieren, doch offensiv mangelte es oft an Ideen. Union spielte sehr geschickt und brachte stets alle Spieler hinter den Ball, um so die Räume dicht zu machen. So kam der VfL erst gar nicht in Umschaltaktionen. Dennoch reichte ein genialer Moment von Embolo, der zum 1:1 führte (40.). Der Schweizer ließ zwei Berliner auf der rechten Seite aussteigen und schickte Hofmann auf die Reise. Dieser bediente Manu Koné, der mit einem tollen Schuss aus 17 Metern zum Ausgleich traf. Für den Franzosen war es der erste Bundesligatreffer.
Der zweite Durchgang begann sehr zerfahren. Gladbach attackierte früh, ging aber oft mit unerlaubten Mitteln zu werke. So kam kein Spielfluss zustande. Im weiteren Verlauf erhöhte Gladbach den Druck, die Hausherren wollten den Sieg erzwingen und wurden mit zunehmender Spieldauer stärker. Union kam kaum noch zu Entlastungsangriffen. So zeigte die Fohlenelf eine starke Reaktion auf die Negativerlebnisse der letzten Wochen.
Im Anschluss sollte jedoch das Glück fehlen. So auch in der 77. Minute, als Luca Netz nach einer Rönnow-Parade viel zu überrascht war und den Ball aus fünf Metern nicht unterbringen konnte. Es war die große Chance zum 2:1.
Die zweite Halbzeit passte ins Bild der aktuellen Situation bei Gladbach: Die Hausherren waren viel engagierter, doch Union lauerte auf seine Chance. Und die sollte kurz vor Ende kommen. Kruse entwischte dem unaufmerksamen Patrick Herrmann und schürte den Doppelpack – 1:2 (84.)! Es war der einzige Torschuss der Gäste im zweiten Durchgang.
So stand Gladbach trotz guten Spiels mit leeren Händen da und befindet sich weiterhin in der unteren Tabellenregion. Ganz anders die Köpenicker, die nun auf einem Champions-League-Platz rangieren.
Beide Teams verabschieden sich in die zweiwöchige Pause. Danach geht es für beide am 5. Februar um 15:30 Uhr weiter. Gladbach muss nach Bielefeld, Union gastiert in Augsburg.

Stimmen zum Spiel

Adi Hütter (Trainer Borussia Mönchengladbach): "Union Berlin geht mit einer einzigen Torchance mit 2:1 als Sieger vom Platz. Wir haben es aufgrund unserer Leistung überhaupt nicht verdient, als Verlierer vom Platz zu gehen. Das Ergebnis ist frustrierend. Die Mannschaft hat vieles gezeigt, im Vergleich zum Hannover-Spiel war die Mannschaft sehr aktiv. Wir haben nur einen Schuss zugelassen, ansonsten habe ich nichts gesehen. Wir hatten kurz davor die Chance mit Luca Netz, der heute auch verdient gewesen wäre. Was ich gesehen habe, war eine Mannschaft, die 90 Minuten taktisch diszipliniert gespielt hat, die gelaufen ist und auch in der ersten Halbzeit gute Aktionen hatte. Dass es unterm Strich zu wenig ist, das ist ärgerlich. Aber da kann man viel aufbauen. Ich finde auch, dass uns Jonas Hofmann unserem Spiel sehr gut getan hat."
Nico Eldevi (Borussia Mönchengladbach): "Wir kriegen aus zwei Chancen zwei Tore. Wir haben sehr wenig zugelassen, kriegen einen unglücklichen Elfmeter. Und dann sind wir wieder 1:0 in Rückstand, kamen aber gut zurück und machen das 1:1. Wir waren eigentlich gut im Spiel und haben auch in der zweiten Halbzeit das Spiel gemacht. Jetzt haben wir Pause, um mal abzuschalten und alles zu analysieren. Es ist für alle eine schwierige Phase, nicht nur für den Trainer, auch für uns. Der Trainer versucht alles, macht eine gute Vorbereitung. Momentan will es nicht funktionieren. Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit und greifen dann wieder voll an."
Max Kruse (Union Berlin): "Nicht die bessere Mannschaft hat heute gewonnen, aber die kaltschnäuzigere. Wir haben unsere Chancen genutzt, standen defensiv sehr kompakt. Natürlich hatte Gladbach die eine oder andere Gelegenheit, hatte auch mehr Ballbesitz. Aber ich glaube, in einer Zeit, die wir aktuell haben, liegt das Glück auf unserer Seite. Gladbach ist keine Laufkundschaft, wir hatten heute mehr Glück. Nach 20 Spieltagen mit 34 Punkte dazustehen ist jedoch nicht nur Glück. Wir schauen von Spiel zu Spiel und können uns ganz gut einordnen. Wir sind froh, dass wir da oben stehen, wissen aber auch, dass in den nächsten Wochen noch schwere Spiele anstehen. Wir haben im Moment einfach einen Lauf."
Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach): "Wir haben eine gute Reaktion gezeigt auf das 0:1. Wir haben vorne die eine oder andere Möglichkeit erspielt und haben dann auch verdient den Ausgleich gemacht. Dann kriegen wir völlig unverdient das 1:2. Heute hätten wir es verdient gehabt, die drei Punkte mitzunehmen. Wir haben geackert, wir haben gekämpft, haben uns reingeworfen. Im entscheidenden Moment waren wir aber wieder nicht wach genug und kriegen dann die Gegentore."

Das fiel auf: Hofmann haucht Gladbach neues Leben ein

Nein, nicht Marcus Thuram, auch nicht Alassane Pleá und verletzungsbedingt auch nicht Lars Stindl waren gegen Union die Hoffnungsträger. Jonas Hofmann feierte nach sechs Verletzungspause (Knie-OP) sein überraschendes Startelf-Comeback. Der 29-Jährige war einer der Aktivposten auf dem Platz, suchte immer wieder die Tiefe und war stets anspielbar. Gemeinsam mit Breel Embolo hauchte er der Gladbacher Offensive neues Leben ein und bereitete das 1:1 mustergültig vor. Dem Heidelberger war die lange Pause nicht anzumerken. Starkes Comeback, das leider nicht mit drei Punkten belohnt wurde.

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Nicht nur Adi Hütter befindet sich aktuell in einer schwierigen Situation, auch die Borussia ist in einer prekären Lage. Die Ergebnisse und Leistungen stimmen nicht mehr, die Krise ist voll da. Dazu tragen auch die unglücklichen und teilweise ungestümen Szenen im eigenen Strafraum bei. Gegen Union kassierte Gladbach bereits den vierten Elfmeter in den letzten drei Spielen gegen sich. Diese Situationen passen in die aktuelle Situation am Niederrhein. Gladbach fehlt einfach auch das Spielglück. Nun gibt es auch einen Elfmeter-Stempelkarte.

Die Zahl: 4

Nicht nur der vierte Elfmeter in den letzten drei Spielen passen zur aktuellen Situation bei der Borussia. Die Niederlage gegen Union ist zugleich die vierte Heimpleite in Folge für die Fohlenelf. Dabei kassierte Gladbach 13 Gegentore. Eine katastrophalere Serie gab es zuletzt in der Saison 2010/2011, als die Borussia unter Michael Frontzeck fünfmal in Folge verlor. Ganz anders Eisern Union: Die Köpenicker sind im neuen Jahr in vier Spielen noch ungeschlagen, holten in der Liga sieben Punkte und zogen im Pokal ins Viertelfinale ein.
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