VfB Stuttgart schlägt Borussia Mönchengladbach nach 0:2-Rückstand - Lebenszeichen im Abstiegskampf
Publiziert 05/03/2022 um 20:24 GMT+1 Uhr
Der VfB Stuttgart hat im Bundesliga-Abstiegskampf einen immens wichtigen Dreier gelandet. Das Team von Pellegrino Matarazzo setzte sich am 25. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach trotz zwischenzeitlichem 0:2-Rückstand mit 3:2 (1:2) durch. Alassane Pléa (14.) und Marcus Thuram (35.) brachten Gladbach in Front. Wataru Endo (38.), Chris Führich (51.) und Sasa Kalajdzic (83.) drehten die Partie.
Sasa Kalajdzic (VfB Stuttgart) bejubelt seinen Treffer gegen Borussia Mönchengladbach
Fotocredit: Imago
Der Tabellen-17. Aus Stuttgart startete schwungvoll in die Partie und hatte in Person von Tiago Tomás die erste richtig gute Möglichkeit der Partie. Der Portugiese ließ Ramy Bensebaini stehen und visierte aus zwölf Metern halbrechts das lange Eck an. Noch besser als der Schuss war allerdings die Parade von Yann Sommer, der die Kugel noch um den linken Pfosten lenkte (12.).
Nur wenig später machten dann aber die Gäste das 1:0. Alassane Pléa und Florian Neuhaus spielten am Strafraum einen sehenswerten Doppelpass, an dessen Ende der Franzose elf Meter vor dem Tor auftauchte und den Ball direkt im rechten unteren Eck versenkte. Florian Müller war zwar mit einer Hand dran, konnte den Rückstand aber nicht verhindern (14.).
Von dem Schock musste sich der VfB einen Moment erholen. Zehn Minuten später allerdings verpasste dann Sasa Kalajdzic den Ausgleich. Borna Sosa flankte von links unbedrängt an den zweiten Pfosten, wo der Stürmer am höchsten stieg und den Ball aus fünf Metern knapp rechts vorbei köpfte (24.).
Gladbach ließ den VfB gewähren, schlug aber noch vor der Halbzeit ein zweites Mal zu. Jonas Hofmann bediente links außen Pléa, der wiederum an den zweiten Pfosten spielte. Dort rauschte Marcus Thuram heran und traf aus kürzester Distanz zum 2:0 (35.).
Dieses Mal ließ die Antwort der Stuttgarter aber nicht lange auf sich warten. Eine Hereingabe von Tomás von der linken Seite klärte Bensebaini vor die Füße von Wataru Endo, der aus zwölf Metern mit rechts schnell abzog. Noch von Nico Elvedi abgefälscht schlug der Schuss mittig im Tor ein – der Anschluss (38.).
Auch nach dem Seitenwechsel bewiesen die Stuttgarter Moral und belohnten sich schließlich mit dem Ausgleich. Endo leitete einen Angriff über die rechte Seite ein. Dort startete Tomás durch und spielte im Strafraum quer. Über Kalajdzic und Bensebainis Rücken landete die Kugel schließlich bei Chris Führich, der den Ball am linken Pfosten aus zwei Metern per Kopf über die Linie drückte (50.).
Stuttgart blieb das spielbestimmende Team und hatte in Person von Tomás die große Chance zur Führung. Nach Kopfballablage von Kalajdzic kam der Portugiese sieben Meter vor dem Tor volley zum Abschluss. Allerdings war der Versuch zu zentral, Sommer parierte (66.).
Gladbach zeigte sich erst nach über 70 Minuten wieder vor dem Stuttgarter Tor, Neuhaus‘ Schuss aus vier Metern halblinks wehrte Müller ab (71.).
In der Schlussphase wurde Gladbachs Lethargie dann endgültig bestraft. Die Borussia bekam einen Stuttgarter Freistoß nicht geklärt, so konnte Sosa einmal mehr über die linke Seite durchbrechen und von der Torauslinie in den Rückraum spielen. Dort stand Kalajdzic völlig frei und traf überlegt aus sieben Metern halblinks ins rechte Eck (83.).
Es war der Schlusspunkt unter einem verrückten Bundesliga-Spiel, das der VfB Stuttgart völlig verdient gegen Borussia Mönchengladbach gewann.
Die Stimmen:
Yann Sommer (Borussia Mönchengladbach): "Ich muss dazu sagen, wir haben verdient verloren heute. Die waren in der zweiten Halbzeit um Klassen besser in allen Belangen. So kannst du einfach keine Bundesliga-Spiele gewinnen. Die haben uns vorgeführt."
Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach): "Dafür, dass wir es so tief angegangen sind und so kompakt in der eigenen Hälfte standen, sah es echt nicht so kompakt aus. Wir hatten nie, wirklich nie, mal einen Moment, wo wir anlaufen können, sie unter Druck setzen können. Wenn du so viel in die Breite investiert hast, ohne wirklichen Ertrag, dann sieht das so aus wie die letzte halbe Stunde bei uns heute. Ich weiß auch nicht, wer uns hilft. Vielleicht der liebe Gott. Wir haben echt viele Baustellen. Wir müssen gucken, dass wir vor den Spielen so viel tun, dass uns sowas nicht passiert. Die spielen an unserem Sechzehner, wie sie wollen. Jeder, der jetzt kommt mit Grüppchenbildung und Einstellung – der hat Recht. Wir haben einfach wirklich zu viele Baustellen."
Sasa Kalajdzic (VfB Stuttgart): "Die Mannschaft hat es überragend gemacht. Wir haben weitergemacht, wir haben uns die Chancen erarbeitet. Gladbach hat zwei Tore geschossen, aber das waren auch die einzigen beiden Chancen, an die ich mich erinnern kann. Dieser Sieg war extrem wichtig. Wir sind jetzt einfach wieder näher dran."
Chris Führich (VfB Stuttgart): "Erstmal sind wir unglaublich erleichtert, endlich mal wieder einen Dreier einzufahren. Auch wenn wir das eine oder andere Ding heute nicht gemacht haben, war es hochverdient, denke ich. Aber mit der Wahnsinns-Unterstützung im Rücken, die haben uns richtig nach vorne gepeitscht."
Adi Hütter (Trainer Borussia Mönchengladbach): "Natürlich hat man eine Erklärung. Weil wir es nicht geschafft haben, eine 2:0-Führung über die Zeit zu bringen. In der zweiten Halbzeit haben wir es nicht geschafft, nach vorne zu spielen. Wir haben hinten die Zweikämpfe verloren, die man nicht verlieren darf. Was mich wahnsinnig stört ist, dass wir nach dem 2:0 ganz schnell den Anschluss kriegen. Es ist gerade nicht einfach in der Situation, in der wir stecken. Stuttgart hat es uns teilweise vorgemacht, mit viel Leidenschaft und Kampf gespielt. Wir haben es einfach nicht geschafft und das ist ehrlich gesagt wahnsinnig enttäuschend. Jedes Spiel ist jetzt ein Endspiel für uns."
Der Tweet zum Spiel:
Bei den Gladbach-Fans sitzt der Frust tief.
Das fiel auf: Der Zweikampf vor dem 3:2
Borna Sosa zeigte gegen Borussia Mönchengladbach eine ganz starke Leistung. Immer wieder entwischte der Linksverteidiger seinem Gegenspieler Joseph Scally, eine Vielzahl der Stuttgarter Möglichkeiten bereitete er vor. Den wichtigsten Zweikampf gewann Sosa allerdings in der 83. Minute. Da nämlich setzte sich der Deutsch-Kroate auf der linken Seite allzu leicht gegen einen völlig passiv und lustlos wirkenden Marcus Thuram durch, nur um einen Moment später das 3:2 durch Kalajdzic vorzubereiten. Dieses Duell zwischen Sosa und Thuram stand sinnbildlich für das gesamte Spiel, in dem Stuttgart mit ganz viel Willen und Herz überzeugte, während Gladbach zwar schöne Tore schoss, ansonsten aber völlig lust- und kraftlos wirkte. Umso erschreckender, dass auch Christoph Kramer und Kapitän Yann Sommer im Interview nach dem Spiel ratlos wirkten, bzw. Ersterer gar Grüppchenbildung und Einstellung bemängelte.
Die Statistik: 10
Zehn Jahre ist es her, dass Stuttgart das letzte Mal einen 0:2-Rückstand gedreht hat.
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Quelle: Perform
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