Bayer Leverkusen hält die Super-Band zusammen: Werkself macht dem FC Bayern große Ansage für die Zukunft
Bayer Leverkusen hat die gesamte Ernte seiner herausragenden Saison noch nicht ganz eingefahren, da laufen bereits die Planungen für die kommende Spielzeit auf Hochtouren. Schon jetzt kristallisiert sich heraus: Anders als in der Vergangenheit wird die Werkself nicht auseinanderbröckeln. Ganz im Gegenteil, die Leverkusener Marschroute für die Zukunft ist eine Ansage an den FC Bayern.
Bayer-Legende Ballack: Darum ist Leverkusen keine Eintagsfliege
Quelle: Perform
Xabi Alonso war etwas verwirrt, als er die zahlreichen goldenen, zu Fünfen und Nullen geformten Ballons im Leverkusener Fanblock erblickte. Hatten die Anhänger den 5:0-Sieg in Bochum etwa vorhergesehen? Nein, das Ergebnis war Zufall, die goldenen, zu Fünfen und Nullen geformten Ballons standen für das 50. Pflichtspiel in Serie ohne Niederlage.
"Ich habe die Ballons gesehen und habe mich zuerst gefragt: Warum? Weil ich noch so sehr aufs Spiel fokussiert war", gab der Spanier im Nachgang auf der Pressekonferenz zu, als er mit dem schier unglaublichen Ungeschlagen-Jubiläum konfrontiert wurde.
Dass nur noch drei Spiele zwischen der Werkself und der perfekten Saison stehen, nach der eingetüteten Meisterschaft noch Europa-League- und DFB-Pokal gewonnen werden können, bringt Xabi indes nicht aus der Ruhe.
"Es wäre schön, wenn wir die Meisterschaft ohne Niederlage gewinnen. Das gab es noch nie. Jetzt haben wir zwei Tage Pause und dann haben wir zehn Tage Zeit, Vollgas zu geben, damit wir alle unsere Ziele erreichen", schob der 42-Jährige nach. Eine komplette Bundesliga-Saison ohne Niederlage gab es tatsächlich noch nie, eine komplette Spielzeit, inklusive nationalem und internationalem Pokal sowieso nicht.
Bayer will Leistungsträger halten
Während Xabi und seine Spieler am großen Coup schrauben, laufen im Hintergrund bereits die Planungen für die kommende Saison. Wer nun glaubt, dass Leverkusen sein begehrtes Tafelsilber nun verscherbelt - so wie beispielsweise 2002, als Michael Ballack und Zé Roberto nach dem Vize-Triple gen München verkauft wurden, sieht sich getäuscht.
Die Verantwortlichen um Sportchef Simon Rolfes denken gar nicht daran, ihre Leistungsträger abzugeben. Ganz im Gegenteil, die Rheinländer wollen sich personell sogar noch einmal verstärken. Argumente hat Bayer 04 aus sportlicher Sicht reichlich, hauptverantwortlich für die Attraktivität zeichnet aber freilich Alonso.
Er war der Pullfaktor, der im vergangenen Sommer namhafte Kicker wie Alejandro Grimaldo, Granit Xhaka oder Jonas Hofmann in die Farbenstadt lockte, sein Bayer-Bekenntnis und die damit verbundene Absage an die Bayern Ende März erhöht die Chancen darauf, das Personal weitestgehend zusammenzuhalten und neue verheißungsvolle Spieler von einem Wechsel nach Leverkusen zu überzeugen.
Carro: "Das ist nun widerlegt"
"Wir haben in der Vergangenheit Spieler verloren, weil diese glaubten, man könne mit Bayer Leverkusen keine Titel gewinnen. Das ist nun widerlegt", sagte Bayer-Boss Fernando Carro unlängst in einem Interview mit dem "Stern". Er ergänzte: "Wir sind eine noch attraktivere Adresse geworden in Europa. Grundsätzlich aber hat sich an den Kräfteverhältnissen im deutschen Fußball nichts geändert - trotz unseres Erfolgs. Dem FC Bayern steht ungefähr das dreifache Budget zur Verfügung wie uns. Es wird eine Herausforderung, ganz oben zu bleiben."
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Florian Wirtz (l.) und Granit Xhaka
Fotocredit: Getty Images
Obwohl Carro sich mit Blick auf den langjährigen Branchenprimus noch ein wenig in Understatement übt, ist der Umstand, dass der Kader zusammengehalten werden soll, eine subtile Kampfansage in die bayrische Landeshauptstadt. Der umworbene Florian Wirtz, so viel steht fest, bleibt Leverkusen über den Sommer hinaus erhalten, die Routiniers Hradecky, Xhaka und Hofmann hegen indes ebenfalls keine Abwanderungsgedanken.
Auch Grimaldo sei laut Rolfes "zu hundert Prozent" für die neue Saison eingeplant. Darüber hinaus berichtete "Sky", dass die Protagonist Edmond Tapsoba bleiben soll. Weltmeister und Taktgeber Exequiel Palacios hat seinen Vertrag erst im Dezember bis 2028 verlängert, er soll ebenfalls weiter unterm Bayer-Kreuz kicken. Die beiden Angreifer Patrik Schick und Victor Boniface zählen - Stand jetzt - ebenfalls nicht zu den Verkaufskandidaten.
Bei Jeremie Frimpong tut sich hingegen was. Laut "Sportbild" denkt der Niederländer an Abschied aus Leverkusen. Bis zum Start der EM (14. Juni) kann der 23-Jährige eine Ausstiegsklausel ziehen und den Verein dann für 40 Millionen Euro verlassen.
Tah liebäugelt angeblich mit Wechsel
Grundsätzlich soll Carro zufolge niemand gehen, sofern niemand gehen will: "Wir müssen gucken, wie das im Sommer aussieht. Wenn kein Spieler weg will, würden wir gerne alle behalten." Gerüchte um Abgänge halten sich dennoch hartnäckig. Abwehrchef Jonathan Tah, seit 2015 beim SVB unter Vertrag, wird dem Vernehmen nach von den Bayern und einigen Premier-League-Klubs umworben.
Auf die Gerüchte angesprochen, sagte Rolfes: "Es ist keine Frage, dass er sich hier wohlfühlt. Dass du nach einer gewissen Zeit in deiner Karriere auch mal überlegst, auch in dem Alter, ist aber normal", so der 42-Jährige. Rolfes weiter: "Ich habe aber ein gutes Gefühl, dass er bleibt. Er merkt, was hier passiert und was hier noch möglich ist - auch in der nächsten Saison. Deshalb bin ich ganz entspannt." Tahs Vertrag läuft 2025 aus, Leverkusen würde den gebürtigen Hamburger gerne weiter langfristig an sich binden.
Sollte der Innenverteidiger wider Rolfes' Erwarten doch nach München wollen, müsste Bayern womöglich tief in die Tasche greifen. Rund 40 Millionen Euro soll Bayer 04 für den EM-Teilnehmer fordern. Der Weg eines anderen Defensivspezialisten an die Isar schien zuletzt noch vorgezeichnet: Bayern-Leihgabe Josip Stanisic muss nach der Saison zurück zum deutschen Rekordmeister.
Stanisic will bei Bayer bleiben
Die Betonung liegt hierbei offenbar tatsächlich auf "muss", denn einem "Sky"-Bericht zufolge präferiert Stanisic einen Verbleib beim neuen deutschen Champion. Seinen Wunsch habe der kroatische Nationalspieler bei Leverkusens Bossen auch hinterlegt. Dass die Bayern Stanisics Wunsch entsprechen, ist allerdings fraglich, würde dies doch den derzeit ärgsten Konkurrenten um die Vormachtstellung in Deutschland stärken.
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Josip Stanisic (Bayer Leverkusen) bejubelt sein Tor gegen Borussia Dortmund
Fotocredit: Getty Images
Sowohl in Tahs als auch in Stanisics Fall wird eine Entscheidung nach der Europameisterschaft erwartet. Auf der Abgangseite sieht es also dieser Tage recht ruhig aus, einzig Dauerreservist Timothy Fosu Mensah sowie Betis-Leihgabe Borja Iglesias werden den Verein mit Gewissheit verlassen. Doch wie ist es um mögliche Zugänge bestellt?
Sonderlich viel Handlungsbedarf besteht auf den ersten Blick nicht, immerhin ist die schon vorhandene Kaderbreite Leverkusens Trumpf. Einzig auf der Sechs möchte Alonso augenscheinlich nachbessern, Xhaka, Palacios und Robert Andrich einen weiteren hochwertigen Regisseur an die Seite stellen. Nach übereinstimmenden Medienberichten ist Aleix García, Kapitän von Spaniens Überraschungsteam FC Girona, Xabis Wunschkandidat.
Kommt Beier zu Bayer?
Der Nationalspieler kam wettbewerbsübergreifend 37 Mal zum Einsatz und steuerte drei Tore sowie sechs Vorlagen bei. Zu haben wäre der ballsichere Stratege laut "kicker" für knapp 15 Millionen Euro.
Ansonsten wird Leverkusen immer wieder Interesse an Hoffenheims Shootingstar Maximilian Beier (15 Bundesliga-Tore) nachgesagt. Allerdings soll der 21-Jährige nach "Sky"-Infos nur Thema sein, sollte eine Offensivkraft, zum Beispiel Adam Hlozek, das Weite suchen.
Leverkusen hat unter Alonso, aber auch dank Rolfes' kluger Transferpolitik (die 55 Millionen Euro, die Bayer 2023 für Moussa Diaby bekam, wurden in Xhaka, Hofmann, Grimaldo und Boniface reinvestiert) eine Wandlung vollzogen.
Die Zeiten, als Bayer sich als Ausbilderklub verstand, als Bayern sich immer wieder in Leverkusen bedienen durfte, sind passé. Dass die Band in ihrer jetzigen Besetzung auch in der neuen Saison weiterspielt, schafft Planungssicherheit und zeigt den neuen Anspruch.
Davor gilt es aber noch, viele goldene Fünfen und Dreien im Ballonladen zu kaufen - damit am 26. Mai die 53, das Triple, die perfekte Saison gefeiert werden kann.
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Hrádecky fordert Respekt vor Außenseiter Lautern
Quelle: Perform
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