Drei Dinge, die bei Bayern gegen Bochum aufflielen: Tuchel-Trick geht voll auf, Kane schon Klublegende
VonThomas Gaber
Publiziert 23/09/2023 um 20:12 GMT+2 Uhr
Der FC Bayern München schießt sich beim 7:0 gegen den VfL Bochum warm für den Oktoberfest-Besuch am Sonntag. Trainer Thomas Tuchel verblüfft mit seiner Aufstellung und wird dafür belohnt. Torjäger Harry Kane ist schon nach fünf Bundesligaspielen eine Vereinslegende und ein Trainer-Liebling beweist einmal mehr seine absolute Topform. Drei Dinge, die in der Allianz Arena auffielen.
Harry Kane
Fotocredit: Getty Images
Oktoberfest-Heimspiele sind Festtage für den FC Bayern. Aber selten wird so hart gefeiert wie am Samstag gegen den VfL Bochum.
Das 7:0 war der höchste Sieg während der Münchner Wiesn seit dem 10:0 im UEFA-Cup gegen den zypriotischen Klub Anorthosis Famagusta 1983.
40 Jahre danach schnürte Harry Kane seinen ersten Dreierpack für die Bayern (12., 54./Handelfmeter, 88.) und hat damit bereits eine erste Bestmarke erreicht. Den Torreigen eröffnet hatte Eric Maxime Choupo-Moting (4.), den Tuchel überraschend in der Startelf brachte.
Mathijs de Ligt (29.), Leroy Sané (38.) und Super-Joker Mathys Tel (81.) machten den höchsten Sieg für Tuchel als Bayern-Trainer perfekt.
Drei Dinge, die in der Allianz Arena auffielen.
1.) Tuchel-Trick mit Doppelspitze geht voll auf
Jamal Musiala? Raus. Serge Gnabry? Raus. Klar, dann spielt Thomas Müller. Oder Mathys Tel. Von wegen, beide bleiben draußen. Thomas Tuchel zog für die Startelf gegen Bochum einen Joker aus dem Ärmel, mit dem niemand gerechnet hatte.
Eric Maxim Choupo-Moting bekam seine Chance im Angriff an der Seite von Harry Kane - Bayern mit Doppelspitze. "Wir wollten zwei hohe Stürmer drin haben, um die Innenverteidiger zu blockieren und den Raum größer zu haben hinter dem hohen Pressing der Bochumer", erklärte Tuchel bei "Sky".
Diese Idee fruchtete bereits nach 30 Sekunden. Choupo-Moting prüfte VfL-Schlussmann Manuel Riemann mit einem Kopfball nach Flanke von Kingsley Coman. "Wenn du bei Flanken zwei Stürmer vorne hast, ist es für die Verteidiger viel schwieriger, als wenn du nur einen hast. Die Gefahr, ein Gegentor zu kassieren, ist deutlich höher", sagte "Sky"-Taktikexperte Erik Meijer.
Drei Minuten später schlug Choupo-Moting dann endgültig zu. Erneut nach Coman-Vorlage musste er nur noch den Fuß hinhalten zur frühen Führung.
Die Bayern spielten mit nominell zwei Spitzen sehr variabel. Kane wich anfangs oft auf die rechte Seite aus, Leroy Sané zog dann zusätzlich in die Mitte. Mitunter agierte Kane als alleiniger Neuner, in diesem Fall ließ sich Choupo-Moting auf die Zehnerposition fallen. Plus für die Bayern: Sowohl Kane als auch Choupo-Moting können das Offensivspiel weiter weg vom Tor mit genauen Pässen ankurbeln.
"Harry ist am stärksten, wenn er als klassischer Neuner in der Mitte spielt. Aber wir haben schon gegen Leverkusen die letzte halbe Stunde mit Müller und Kane und später Choupo als Doppelspitze gespielt. Das funktioniert auch ganz gut", analysierte Tuchel. Gegen Bochum ging sein Matchplan voll auf.
2.) Kane schon jetzt eine Klublegende
Ob allein auf weiter Flur oder mit Sturmpartner - Harry Kane lässt es krachen beim FC Bayern. In seinen ersten fünf Bundesligaspielen erzielte der Engländer sieben Tore - Vereinsrekord pulverisiert! Miroslav Klose (2007), Mario Mandzukic (2012) und selbst "Bomber" Gerd Müller (1965) schafften "nur" fünf. Nach gerade mal sechs Wochen als Spieler der Münchner hat Kane seinen ersten Eintrag in den Annalen des Klubs also bereits sicher.
Kane wusste um die Bedeutung seines Auftritts gegen Bochum und schnappte sich den Spielball von Schiedsrichter Robert Hartmann. "Es war eine sehr gute Teamleistung, wir kamen über die Flügel oft mit Geschwindigkeit durch und hatten viele Torchancen. Ich freue mich, dass ich dem Team mit meinen Toren helfen konnte. Ich fühle mich wohl und lerne die Mannschaft immer besser kennen. Heute war ein großartiges Beispiel dafür", sagte der 30-Jährige bei "Sky".
Neben seinem Hattrick lieferte Kane zusätzlich zwei Torvorlagen. "Harry ist einfach speziell. Er macht die Tore und kommt mit unserer Spielweise immer besser zurecht", lobte Tuchel.
Wo Kanes Gier nach Toren noch hinführt? In dieser Frage bleibt der Goalgetter angenehm bescheiden: "Ich habe keine Nummer im Kopf, wie viele Tore ich schießen möchte. Aber das ist auch egal. Hauptsache, wir begeistern unsere Fans mit gutem Fußball und gewinnen die Spiele."
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Harry Kane lässt sich den Spielball von Schiedsrichter Robert Hartmann aushändigen.
Fotocredit: Getty Images
3.) Trainer-Liebling Sané nicht aufzuhalten
Auf den offensiven Positionen wechselt Tuchel munter durch. Ob Gnabry, Coman, Müller oder Musiala - keiner dieser Stars hat seinen Platz in der Startelf sicher. Das trifft nur auf einen zu: Leroy Sané.
Der 27-Jährige spielte in allen Pflichtspielen dieser Saison von Beginn an und meistens auch durch. Sein herausragendes Talent ist seit Jahren unumstritten, doch erst unter Tuchel blüht Sané konstant auf. Der Bayern-Trainer hat den Flügelspieler auf Kurs gebracht. Körpersprache und Gier stimmen, Sané reiht ein brillantes Spiel an das nächste und lässt sich von nicht gelungenen Aktionen nicht aus der Bahn werfen.
"Er hat es sich verdient, gelobt zu werden. Ich habe es schon oft gesagt: Leroy hat besondere Qualitäten und kann entscheidend für uns sein. Das soll er auch, wir erwarten das von ihm. Je mehr du drauf hast, körperlich und vom Talent her, desto mehr wird von dir erwartet. Das tun wir bei Leroy und er liefert", sagte Tuchel nach der Gala gegen Bochum. Bereits vor der Partie hatte Tuchel Sané als "Maschine" bezeichnet.
Sané strotzt nicht nur vor Spielfreude und Risikobereitschaft, er entwickelt sich auch zum Torjäger. Wettbewerbsübergreifend traf er in dieser Spielzeit fünf Mal in sieben Spielen - ein Tor mehr in seinen ersten 25 Partien im Jahr 2023.
Der FC Bayern musste lange auf Sanés Leistungsexplosion warten - die Geduld hat sich ausgezahlt. Sané surft auf der Erfolgswelle und daran hat Tuchel großen Anteil.
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