Franz Beckenbauer im Alter von 78 Jahren gestorben: Der Kaiser führte ein Leben in vollen Zügen - ein Nachruf

Franz Beckenbauer ist tot. Der größte deutsche Fußballer aller Zeiten starb im Alter von 78 Jahren. Als Fußballer, Trainer und Funktionär schenkte er Deutschland WM-Titel und ein Sommermärchen und wurde als Kaiser auf der ganzen Welt verehrt. Beckenbauer führte lange Zeit ein Leben von purer Leichtigkeit, ehe er 2015 ein Schicksalsjahr erlebte, dass ihm nachhaltig zusetzte. Ein Nachruf.

Hitzfeld huldigt Beckenbauer: "Gehört zu den Besten jemals"

Quelle: Perform

"Wenn der Franz aus dem Fenster springt, fliegt er nach oben." Diese Aussage vom 2019 verstorbenen Ex-Fußballprofi und langjährigem Schalke-Manager Rudi Assauer fasst das Leben von Franz Beckenbauer treffend zusammen.
Es war lange Zeit geprägt von purer Leichtigkeit. Als Fußballer war der kleine Franzl, wie ihn seine Mutter Antonie bis ins hohe Alter liebevoll nannte, die Lässigkeit in Person. Er schwebte über den Platz, machte den Außenristpass salonfähig und wurde von den Medien zum Kaiser ernannt. Das Aushängeschild des FC Bayern und der Nationalelf, Seriensieger, Trophäensammler, Weltmeister, deutsches Allgemeingut.
Nach seinem Wechsel in die USA stieg Beckenbauer endgültig zum Popstar auf, zur weltweiten Werbeikone, zum Goldesel. Den Karriereweg Trainer beschritt er wider Willen, als Teamchef ohne Erfahrung und ohne Lizenz. Dank akribischer Arbeit führte er, zu gleichen Teilen Genie und Grantler, Deutschland 1990 zum WM-Titel. Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs war geboren.
Beckenbauer konnte scheinbar übers Wasser gehen. Franz, der Göttliche, ein Heiliger mit übermenschlichen Fähigkeiten. Alles, was er anpackte, gelang ihm. Auf der Meisterfeier des FC Bayern 1994 spitzelte er den Ball von einem Weißbierglas ins untere Loch der Sportstudio-Torwand.

Beckenbauer: Ein Mann mit unvergleichbarer Aura

Den Deutschen schenkte er 2006 das Sommermärchen, nachdem er jahrelang in die hintersten Winkel der Welt getingelt war und unzählige Fußballfunktionäre und Staatschefs bezirzt hatte. Ein Mann mit einer unvergleichbaren Aura. Wenn Beckenbauer einen Raum betrat, füllte er ihn augenblicklich mit seiner bloßen Präsenz. Der Charme eines Kaisers eben.
Beckenbauer war ein höflicher, feinfühliger und liebenswerter Mensch und vor allem zu den einfachen Leuten immer freundlich und hilfsbereit. Liefen die Dinge mal nicht wie gewünscht und machten seine Mitstreiter dabei in seinen Augen Fehler, kam der Jähzorn bei ihm durch.
Sein Drang nach Perfektionismus hielt Beckenbauer aber nicht davon ab, das Leben und dessen Begleitumstände nicht immer so bierernst zu nehmen.
Als in der Öffentlichkeit über eine uneheliche Vaterschaft spekuliert wurde, kam er etwaigen moralischen Debatten zuvor mit dem Satz: "Gott freut sich über jedes Kind." Franz, der Schlawiner, naiv und sorglos wie eh und je. Einer, der lebt und leben lässt.
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Franz Beckenbauer

Fotocredit: Imago

Kratzer an der kaiserlichen Krone

2015 fiel jedoch ein Schatten auf die Lichtgestalt. Im Verfahren gegen ihn und drei ehemalige Top-Funktionäre des Deutschen Fußball-Bundes ging es um bis heute nicht geklärte Zahlungen von umgerechnet 6,7 Millionen Euro rund um die Vergabe der WM an Deutschland. Ein Vergehen konnte Beckenbauer nicht nachgewiesen werden, die Affäre hat jedoch Kratzer in der kaiserlichen Krone hinterlassen.
Beckenbauers Glaubwürdigkeit franzelte aus, der sonst so mitteilsame, eigentlich unantastbare Charmeur zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Auch aus einem anderen, schrecklichen Grund. Ihm widerfuhr 2015 das Schlimmste, was einem Vater passieren kann: Beckenbauers Sohn Stephan verstarb mit erst 46 Jahren an den Folgen eines Hirntumors.
Jetzt ist Franz Beckenbauer mit seinem Sohn wieder vereint. Mach's gut, Kaiser, es war uns eine Ehre. Ruhe in Frieden!
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Trauer um Franz Beckenbauer: Fußball-"Kaiser" verstorben

Quelle: SID

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