SC Freiburg - offener Brief an Trainer-Legende Christian Streich: "Du warst und bist Du immer ein Ehrenmann für mich"

Christian Streich ist auf Abschiedstournee in der Bundesliga. Seit 1995 ist der inzwischen 58-Jährige Coach beim SC Freiburg - erst bei den U19-Junioren, dann als Co-Trainer der Profis, seit 2012 als Cheftrainer der Badener. Sein letztes Heimspiel am kommenden Samstag mit dem SC Freiburg gegen den 1. FC Heidenheim hat unseren Autor zu einem offenen Brief an die Bundesliga-Institution inspiriert.

Streich verkündet Abschied: "Dieser Verein ist mein Leben"

Quelle: Perform

Lieber Christian Streich,
zu Deinem Abschied vom SC Freiburg ist eigentlich schon alles über Dich gesagt und geschrieben worden. Nur noch nicht von mir.
Ich habe am vergangenen Samstag deinen Auftritt im "Sportstudio" gesehen und nun steht also Dein letztes Spiel vor heimischem Publikum an.
Und das macht mich sentimental. Ich muss Dir das Folgende jetzt einfach mal schreiben, obwohl mich eigentlich nichts mit Dir oder dem Sportclub verbindet.
Denn wir kennen uns nicht persönlich. Also Du mich nicht, aber ich Dich irgendwie halt schon. Deshalb duze ich Dich einfach mal. Du wirst es mir sicher nicht übelnehmen, ich fühle das.

Habe mich Immer wieder gefragt, warum ...

In Deinen über zwölf Jahren in Freiburg konnte ich mich oft nicht richtig entscheiden, ob ich Dich voll genial finde oder als jemanden einordne, der sich dringend professionelle Hilfe suchen sollte.
Letzteres lag daran, dass ich es so oft kaum ausgehalten habe, wie du Dich Wochenende für Wochenende in den 90+-Minuten vor der Trainerbank aufgeführt hast.
picture

Freiburgs Streich auf Abschiedstour

Fotocredit: SID

Immer wieder habe ich mich gefragt, warum Du eigentlich nicht Linienrichter - oder noch treffender - Rumpelstilzchen-Darsteller geworden bist.
U n e r t r ä g l i c h, wirklich!
Aber so reflektiert wie Du bist, weißt Du das selbst am besten. Und damit kommen wir zu dem Teil, den ich so sehr an Dir schätze. Denn eigentlich nimmst du Dich selbst nie zu ernst oder stellst Dich über Gebühr in den Mittelpunkt.
Du hast bei Deiner Begrüßung im "Sportstudio" Standing Ovations bekommen. Ich erinnere mich an Franz Beckenbauer oder Rudi Völler, denen das auch mal zuteil wurde. Dich macht so viel Zuneigung aber eher glaubwürdig verlegen.
Du wirkst nicht nur deshalb authentisch und bist in meiner Wahrnehmung von damals bis heute immer Christian Streich geblieben.

Deine Ansagen, die weit über den Fußball-Horizont hinausgehen

Der, der seinen alemannischen Dialekt nie der vermeintlich "glattgebügelten Professionalität" geopfert hat. Wenn ich Dein "vellicht" höre oder die ganzen Verben, die im Plural niemals ein 'n' "kenneglernt habba" - dann geht mir das Herz auf, ehrlich.
Am meisten schätze ich aber Deine klare Kante. Du traust dich - selbst als Teil des Business - diese aberwitzigen Summen in Frage zu stellen, die mittlerweile im Fußball gezahlt werden.
Oder Deine Ansagen, die weit über den Fußball-Horizont hinausgehen. Du hast dich immer deutlich positioniert: Sei es gegen das Aufkommen der AfD, überhaupt gegen Rassismus oder die zunehmende soziale Kälte in Deutschland.
picture

Streich kontert die AfD: "Das ist wunderbar"

Quelle: Perform

Damit warst und bist Du immer ein Ehrenmann für mich. Über Deine Lebensleistung beim SC Freiburg brauche ich kein Wort zu verlieren - die steht ohnehin für sich.
Jogi Löw hat es als Dein "Sportstudio"-Laudator auf den Punkt gebracht: Du bist (nicht nur) für den Sportclub eine Legende. Punkt!
Dein badischer Landsmann hat übrigens vollkommen recht, wenn er sagt: "Wenn es Christian nicht gäbe, müsste man ihn erfinden."
Es ist einfach wahr.
Ich ziehe meinen Hut vor Dir,
Alexander Beisse
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Streich verlässt SC Freiburg zum Saisonende
picture

Streich sorgt nach Kane-Frage für Lacher: "Da wäre ich blöd"

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung