Alexander Nübel und die Woche der vertanen Chancen: Unglückliche Figur bei Klatsche gegen FC Bayern und im DFB-Team
Update 21/10/2024 um 08:02 GMT+2 Uhr
Alexander Nübel hat beim 0:4 des VfB Stuttgart gegen den FC Bayern einen Nackenschlag kassiert. Vier Gegentore bei seinem eigentlichen Arbeitgeber rückten den vorgesehenen Nachfolger von Manuel Neuer in ein unglückliches Licht, sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft verlief ebenso wenig ohne Makel. Nach einer Woche der vertanen Chancen muss Nübel wieder auf seinen Pfad finden.
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Quelle: Perform
Der Pfad von Alexander Nübel ist im Grunde schon vorgezeichnet.
Manuel Neuer beim FC Bayern München als Nummer eins ablösen, im Tor der Nationalmannschaft zur Stammkraft aufsteigen - es gab schon wahrlich einfachere Aufgaben als jene, an der sich Nübel seit seinem Wechsel zum deutschen Rekordmeister im Sommer 2020 versucht.
Die zurückliegenden Wochen galten für Nübel daher als eine außergewöhnliche Chance. Nach der schweren Verletzung von Marc-André ter Stegen war die Nummer eins beim DFB-Team plötzlich wieder frei, noch dazu stand er mit seinem Leihverein VfB Stuttgart vor einem Gastspiel beim FC Bayern. Die Gelegenheit, sich für Größeres zu beweisen - oder?
Nach der 0:4-Abreibung, die sich der VfB in der Münchner Allianz Arena abgeholt hat, ist klar: Die goldenen Chancen hat Nübel vertan.
Nübel ehrlich: "Unhaltbar war er nicht"
Dabei erwischte Nübel im Duell mit seinem eigentlichen Arbeitgeber einen guten Start und entnervte den Rekordmeister mit der einen oder anderen Parade. Bis zur 57. Minute.
Da fasste sich Bayern-Stürmer Harry Kane nämlich aus rund 25 Metern ein Herz und beförderte den Ball flach ins linke untere Eck. Nübel kam zwar noch mit den Fingerspitzen ran, konnte aber nichts mehr ausrichten. Unglücklich.
"Unhaltbar war er nicht, alles andere muss ich mir nochmal angucken", analysierte er das Gegentor im "Sky"-Interview. "Er ist weit weg und ich bin ein bisschen dran. Tut mir weh, ganz klar. Es wird kein schöner Abend heute für mich."
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Leroy Sané und Alexander Nübel nach dem Südschlager zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart
Fotocredit: Getty Images
In den darauffolgenden 32 Minuten fing sich Nübel drei weitere Treffer. Der ansonsten gute Eindruck, den er mit sechs Paraden aufgebaut hatte, verpuffte damit vollends.
Lothar Matthäus sprang dem VfB-Keeper, der in dieser Bundesliga-Saison noch nie ohne Gegentor blieb, aber zur Seite. "Den muss man aber auch nicht halten. Wenn man als Torwart alles richtig macht, hält man den. Vielleicht war da irgendwo das Momentum falsch", erklärte der Rekordnationalspieler und unterstrich: "Mir gefallen die ehrlichen Worte. Davor hat er drei, vier unhaltbare Bälle gehalten. Trotz der Gegentore war es heute eine gute Torwartleistung."
Nübel reist mit fadem Beigeschmack ab
Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack. Eine unglückliche Situation und vier Gegentore lassen den gemeinen Bayern-Fan mit Blick auf die Neuer-Nachfolge nämlich nicht unbedingt in einen Freudentaumel verfallen. Ebenso wenig die Verantwortlichen des sechsmaligen Champions-League-Siegers.
Sportvorstand Max Eberl ließ sich nach dem Südschlager am Samstagabend daher nicht in die Karten schauen.
"Wir haben Nübel damals geholt, dass er irgendwann mal Manu beerben könnte", führte er bei "Sky" aus. "Er hat jetzt die nächste Saison in Stuttgart und dann wird man schauen, wie wir entscheiden, was Manu entscheidet und wie es dann weitergeht." Mit anderen Worten: Wenn Neuer will, halten wir an ihm fest. Trotz seiner 38 Jahre.
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Manuel Neuer ist beim FC Bayern nach wie vor die unumstrittene Nummer eins
Fotocredit: Getty Images
"Wir haben ihn natürlich im Blick, wie alle anderen Spieler, die ausgeliehen sind. Wir verfolgen seine Entwicklung", kommentierte Bayern-Trainer Vincent Kompany die Situation noch vor dem Spiel.
Nübel ist bis Juni 2026 nach Stuttgart verliehen, könnte per Option bereits im Sommer 2025 wieder in München landen. Dann wird der gebürtige Paderborner 29 Jahre alt - und für eine "Entwicklung" Richtung Weltklasse, die bei Bayern immerhin Alltag sein sollte, könnte es da schon zu spät sein.
Kampf um deutsche Nummer eins spitzt sich zu
Um dieses Szenario zu verhindern, arbeitet Nübel eigenen Aussagen zufolge auch eng mit FCB-Torwarttrainer Michael Rechner zusammen.
"Wir unterhalten uns ab und zu, telefonieren, das passt so weit. Nicht zu viel, sodass es mich stören würde. Deswegen bin ich froh, es ist alles gut abgestimmt", gab er einen Einblick.
Thema bei diesem Austausch wird wohl der Kane-Treffer zum 1:0 sein - und auch das Debüt von Nübel im DFB-Trikot gegen Bosnien-Herzegowina am 3. Spieltag der UEFA Nations League.
Beim Auswärtsspiel in Zenica durfte Nübel zwar über einen 2:1-Sieg jubeln, zeigte sich aber auch hier beim Gegentor durch Edin Dzeko nicht von seiner besten Seite.
Bitter: Oliver Baumann, sein direkter Konkurrent um die Nummer eins in Abwesenheit von ter Stegen, hielt seinen Kasten wenige Tage später gegen die Niederlande hingegen sauber. 1:0 für Baumann und eine weitere vertane Chance von Nübel.
Neuer Anlauf: Nübel bekommt seine nächsten Chancen
Verzagen wird Nübel angesichts dieser Umstände aber nicht. Muss er auch nicht.
Bis zur nächsten Länderspielpause Mitte November hat der VfB Stuttgart nämlich ein Highlight nach dem anderen vor der Brust.
Am kommenden Dienstag steht ein Gastspiel in der Champions League bei Juventus Turin an (ab 21:00 Uhr im Liveticker), in den beiden darauffolgenden Wochen warten darüber hinaus der 1. FC Kaiserslautern im DFB-Pokal (29. Oktober), Bayer Leverkusen (1. November) und Eintracht Frankfurt (10. November) in der Bundesliga.
Genügend Chancen also, sich auf der ganz großen Bühne wieder ins Rampenlicht zu stellen - und bei dem einen oder anderen Bayern-Fan vielleicht doch schon eine Vorfreude auszulösen.
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