Bundesliga-Kolumne - LIGAstheniker: Kann Niko Kovac als neuer BVB-Trainer die Wende bei Borussia Dortmund bringen?
Update 03/02/2025 um 11:35 GMT+1 Uhr
Niko Kovac kommt nach dem emotionalen Abschied von Interimstrainer Mike Tullberg als "Alphatier" zu Borussia Dortmund. Schon vor seinem ersten Training wurde jeder Schritt des neuen Coaches analysiert. Kann der 53-Jährige den BVB jetzt aus der Krise und zurück auf einen Champions-League-Platz führen? Der LIGAstheniker hat da so seine Zweifel. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Kovac leitet erstes BVB-Training: Auftakt für neuen Chefcoach
Quelle: Perform
Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
am morgigen Dienstag wird der neue BVB-Coach offiziell vorgestellt, obwohl Niko Kovac ja schon am Sonntagmorgen um 7:44 Uhr das erste Mal zum Training erschien. "Vor Sonnenaufgang", so war zu lesen. Mein Gott, dachte ich mir, was muss man als BVB-Coach aber auch früh aufstehen.
Allerdings ein erster Arbeitstag mit "Schwierigkeiten", einem "Missgeschick" und "Fauxpaus", wie das Nachrichtenportal "Watson" gleich zu vermelden musste. Was war schon wieder geschehen? Hatte er Matthias Sammer nicht die Hand geküsst? Sich mit Lars Ricken um die richtige Haarpomade gestritten oder Julian Brandt in die zweite Mannschaft verbannt?
Nichts von alledem - Kovac hatte sich lediglich auf einen anderen Parkplatz gestellt als noch sein Vorgänger - mehr muss man über diesen Reporterschwachsinn wirklich nicht wissen.
Kann Kovac Dortmund?
Seit klar ist, dass nun Niko Kovac den glücklosen Nuri Sahin als Cheftrainer der Dortmunder beerbt, diskutieren sie sich am Borsigplatz schon wieder die Köpfe heiß, ob das nun eine sehr gute oder eine sehr schlechte Nachricht für den BVB ist.
Und tatsächlich gehen die Meinungen bei Kovac so weit auseinander wie sonst nur in der Kanzlerfrage von Robert Habeck. Lothar Matthäus findet Kovac eine gute Wahl, die Fans machen sich auf "X" Luft, "Marlon 89" unkt stellvertretend für die vielen, die sich skeptisch über Kovac in den Sozialen Netzwerken äußern: "Vielleicht gut, dass mal einer kommt, an den keiner riesige Erwartungen hat" - Zwinkersmiley!
Da hat der gute Marlon ein wesentliches Dilemma der Borussia passgenau adressiert: Anspruch und Wirklichkeit passen schon lange nicht mehr zusammen, aber so schlimm wie in dieser Saison war es auch lange nicht mehr: Platz 11 in der Tabelle hinter "Miniklubs" wie Freiburg, Mainz oder Bremen.
Vom Europapokal ist der BVB so weit entfernt wie der 3. Februar vom Hochsommer. Dortmund schafft sich ab, zumindest als Spitzenmannschaft und Kovac soll jetzt schnell die Schubumkehr einleiten.
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Tullberg zu Kovac: "Er wird wissen, wo er ansetzen soll"
Quelle: Perform
Niko Kovac ist kein Spitzenklubtrainer
Die Frage ist: Kann er das? Oder anders gefragt: Was kann Kovac eigentlich als Coach? Sein gutes Standing als Trainer gründet sich in seiner ersten Station in der Bundesliga in Frankfurt ab 2016. Erst rettet er die Eintracht vor dem Abstieg, dann führt er sie zweimal ins DFB-Pokalfinale, beim zweiten Mal gewinnt er sogar: 2018 ausgerechnet gegen die übermächtigen Bayern.
Prompt holen die ihn nach München und trotz Double-Erfolg zeigt sich schnell, dass Kovac Großklubs eher nicht so kann. Bayerns damaligem Vorstandsvorsitzenden Kalle Rummenigge geht er so gehörig auf die Nerven, dass er ihn - nach knapp eineinhalb Jahren - gar nicht schnell genug wieder loswerden kann.
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Niko Kovac ist neuer Trainer des BVB
Fotocredit: Imago
Kovac gilt als "Alphatier", wie ausgerechnet der untrainierbare Max Kruse gerade wieder kundtat, ein "harter Hund" ("tagesschau.de"), der klare Kante spricht, der sich aber auch nichts sagen, sich nicht drein reden lässt. Und der, trotz seines nach außen getragenen Selbstbewusstseins, jedenfalls in München in der Kabine bald nicht mehr ernst genommen wurde.
Seine taktischen Maßnahmen seien nicht Champions League-tauglich hieß es damals gerade aus Kreisen der erfahreneren Spieler um Thomas Müller. Ergo: Kovac ist vieles, nur kein Spitzenklubtrainer. Macht ja vielleicht nix, könnten sie beim BVB denken: mit der Champions League haben wir eh nix zu tun!
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Kovac neuer BVB-Coach: Ricken, Kehl und Kobel nehmen Stellung
Quelle: SID
Kovac beim BVB: Notnagel gegen den freien Fall
Guckt man sich seinen weiteren Werdegang an, wird es nicht ermutigender. Ob in Monaco oder Wolfsburg - nach spätestens zwei Jahre war Schluss. Nicht nur, weil der Erfolg ausblieb, sondern auch weil der Fußball, den er spielen ließ, etwa zuletzt in Wolfsburg, so ideenlos und uninspiriert war, dass einem beim Zuschauen wechselweise eine Gesichtshälfte einschlief.
Von einer "eigenen Spielidee" traut man sich bei ihm nicht sprechen. Und eben dieser Kovac soll jetzt nicht nur die Ersatzlösung sein für einen Sebastian Hoeneß, den der BVB gerne gehabt hätte, sondern der Mann, der die wankelmütigen Dortmunder mit, O-Ton Kovac – "absolutem Willen", "großem Herz" und "harter Arbeit" - wieder auf Tour bringen soll.
Wobei, das traue ich ihm sogar für ein paar Wochen zu. Aber dass ausgerechnet Niko Kovac die unstillbare Sehnsucht der Fans und der BVB-Bosse stillen kann, als Erster seit dem vor zehn Jahren abtrünnig gewordenen Jürgen Klopp eine Ära einzuleiten, das glauben WatzkeSammerKehlRicken offenbar selbst nicht. Kovac ist der Notnagel gegen den freien Fall - viel mehr wohl nicht!
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ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Tullbergs letztes BVB-Spiel: "Wichtigste für mich ist Papa zu sein"
Quelle: Perform
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