Bundesliga-Kolumne - LIGAstheniker: Meistertitel des FC Bayern München dürfen nicht wieder zum Naturgesetz werden

Die Meisterschaft des FC Bayern München ist unter Dach und Fach, der Jubel aber blieb außerhalb der vereinsinternen Feier überschaubar. Der LIGAstheniker fragt sich, ob nun wieder eine Phase der Serienmeisterschaften anbricht oder ob sich die Konkurrenten in der Bundesliga an Bayer 04 Leverkusen ein Beispiel nehmen und den Rekordmeister herausfordern wird. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.

Müller-Rekord, Kane-Premiere - die Zahlen zum Bayern-Titel

Quelle: Perform

Liebe Fußballfreundinnen und -freunde,
von Bayern-Fans wurde mir in diesem Jahr, ich weiß nicht wie oft, erzählt, wie sehr sie sich nach der Meisterschaft sehnen. Nach Platz drei und dem titellosen Jahr im Vorjahr, die Degradierung durch Bayer Leverkusen.
Na ja, so sehr können sie sich dann auch wieder nicht danach gesehnt haben, die Bayern-Fans, über die man sich im Ruhrpott gerne mal lustig macht. Bayernfans seien Schönwetterfans, ein oft gehörter Vorwurf, da passte es ins Bild, das es just in dem Moment, als der Titel gestern Abend in trockenen Tüchern war, in München zu regnen begann.
Das gewohnt gut informierte Fußballportal "Transfermarkt.de" dokumentierte mit großer Detailschärfe, wie die Bayern-Fans gestern ihre ersehnte 34. Meisterschaft zu feiern gedachten. Ich zitiere: "Auf dem Marienplatz war keine Spur von Bayern-Fans. Und auch rund um die Münchner Freiheit war es erstaunlich leer und ruhig nach einem Meistertitel. Keine Autokorsos, keine Fans, keine Party."
Die Bayernspieler selbst ließen in ihrem Lieblingsfeinkost-Etablissement die Champagnerkorken knallen und die 30 Hardcore-Fans (müssen gebürtige Ruhrpöttler gewesen sein), die sich vorm "Käfer" versammelten, wurden nicht reingelassen, schreibt "Transfermarkt". In München sind Meisterfeiern was Elitäres.

Käfer statt Korso: Elitäre Meisterfeier der Bayern

Mein Kollege Florian Bogner erkor gleich daraufhin den launigen Aphorismus des "Käfermeisters", worauf ich kurz irritiert war. Nicht der Bund Naturschutz hatte gestern das "Insekt des Jahres" prämiert, sondern die Bayern in gediegener Atmosphäre und ohne eigenes Zutun auf den Titel vorgeglüht.
Besonders lustig, berichten Feierbeteiligte, wurde der Abend für Thomas Müller nach der launigen Ansprache seines CEOs Jan-Christian Dreesen, die in dem Bonmot gipfelte: "Kane kann Titel".
Daraufhin nahm Müller Kane zur Seite, holte sein Smartphone raus und rechnete ihm vor, dass der Engländer (mache er so weiter wie bisher: ein Titel in 15 Profijahren) es in diesem und im nächsten Leben nicht annähernd mehr schaffen könne so viele Pokale zu gewinnen wie der gute Thomas mit 35 schon gewonnen hat (34). Das Leben kann manchmal so ungerecht sein.

Kompanys Handschrift: Wie gut sind die Bayern wirklich?

Aber Spaß beiseite, was heißt dieser neuerliche Titelgewinn nun für die Bayern wie für die Liga? Kollege Bogner unkt ja, ihm seien elf Monate alte Babys bekannt, die keinen anderen Meister kennen als Bayer Leverkusen. Tatsächlich scheint mir die Gefahr, dass besagter Säugling als Elfjähriger keinen anderen Deutschen Meister erlebt haben könnte als die Bayern deutlich virulenter.
Was gilt nun? Der "kicker" spricht von einer Meisterschaft mit "Kratzer", weil es in der Champions League eben wieder nur bis zum Viertelfinale gereicht hat. So wie schon unter Nagelsmann und Tuchel. Der neue, Vincent Kompany, wird allseits gelobt und doch nagt der Zweifel der Beobachter, ob es dem Belgier mit seiner sympathischen Art gelingen könne, die Bayern wieder an die internationale Spitze zu führen, dort wo Mannschaften wie Barcelona, Paris, Mailand, Liverpool gerade den Ton angeben? Ein durchgängige Handschrift Kompanys ist - noch - nicht erkennbar.
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Kompany: "Ich bin sehr stolz auf unsere zweite Halbzeit"

Quelle: Perform

Leverkusen-Intermezzo schon wieder Geschichte?

Viel interessanter und wichtiger ist die Frage, welche Schlüsse die Bayern-Konkurrenz aus dem Bayern-Comeback an der nationalen Spitze zieht. Wie kann verhindert werden, dass die Bayern als Serienmeister nun wieder auf Jahre hinaus die Liga beherrschen und das Intermezzo von Bayer Leverkusen vom letzten Jahr, der ebenso spannendsten wie ungewöhnlichsten Spielzeit der letzten zehn, zwölf Jahre schon wieder Geschichte ist?
Vor allem dann, wenn Meistermacher Xabi Alonso und Wunderkind Florian Wirtz den Verein verlassen und somit einen Aderlass auslösen, den der Klub gar nicht verkraften kann? Und spätestens dann, wenn Wirtz doch noch bei den Bayern anheuern sollte, wäre die alte Hierarchie wieder wie festzementiert. Aber muss es so kommen? 

Liga muss Serienmeister FCB verhindern

Andererseits hat genau dieses Leverkusen auch anderen wie Frankfurt, Freiburg, zukünftig vielleicht auch wieder Borussia Dortmund oder RB Leipzig gezeigt, wie und wo man diese Bayern stellen kann: Mit viel Überzeugung, mit hohem Pressing und gegen eine nicht sonderlich gedankenschnelle Upamecano-Defensive und einer Offensive, die viel zu viele Gelegenheiten ungenutzt lässt.
In Sachen Konstanz sind diese Bayern noch lange nicht Spitze. Also nochmal zum Mitschreiben: Es ist kein Naturgesetz, dass der FC Bayern in Deutschland Fußballmeister wird. Auch wenn die beim Käfer schon wieder das unvermeidliche "We are the Champions" grölten. Am lautesten, wie zu hören war: Harry "Ich kann Titel" Kane.

Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.

ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Bann gebrochen: Kane am Ziel seines Titel-Traums

Quelle: Perform


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