Der FC Bayern München unter Trainer Vincent Kompany: Ist wirklich alles besser als in der Ära Thomas Tuchel?

Im Mai hatte es sich ausgetuchelt beim FC Bayern, der nächste Trainerwechsel wurde vollzogen. Mit Vincent Kompany kam nach den Absagen von Xabi Alonso, Julian Nagelsmann und Ralf Rangnick nicht die Wunschlösung. Wie der Belgier die Münchner im zweiten Halbjahr 2024 kompanisert hat und dennoch am Freitag gegen RB Leipzig ein (Jahres-)Endspiel um die Stimmung an Weihnachten hat.

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Quelle: Perform

Und plötzlich hat der FC Bayern ein Endspiel. Nein - nicht, weil das Duell am Freitag gegen RB Leipzig (20.30 Uhr im Liveticker) das letzte im Kalenderjahr, das Jahresabschluss-Spiel ist.
Es ist ein "Finale", das man nicht haben wollte. Gegen einen Gegner, gegen den man lediglich eins der letzten fünf Duelle gewinnen konnte, gegen den Tabellenvierten, der mit einem Erfolg in der Allianz Arena auf drei Punkte an die Münchner heranrücken kann.
Und es ist auch kein Endspiel für Vincent Kompany zum Ende seiner ersten Hinrunde im Amt als Chefcoach des FC Bayern. Durch die unerwartete wie verdiente 1:2-Niederlage am vergangenen Samstag in Mainz gerät die Partie gegen Leipzig zum Stimmungstest vier Tage vor Heiligabend. "O Du Fröhliche" oder "O Du Gefährliche"? Wie geht der FC Bayern in die kurze Weihnachtspause?
Immerhin sieht es so aus, dass der schmerzlich vermisste Mittelstürmer Harry Kane nach auskuriertem Muskelfaserriss und vier Spielen Ausfallzeit wieder mitmischen kann. "Ich werde nicht sagen, ob Harry anfängt oder nicht", sagte Kompany am Donnerstagvormittag an der Säbener Straße, ergänzte jedoch vielsagend: "Wenn alles gut läuft, spielt er auf jeden Fall eine Rolle."

Tuchel-Bayern 2023 im Soll

An dieser Stelle lohnt ein Blick zurück in den Advent 2023. Am 9. Dezember hatte die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel mit dem 1:5 bei Eintracht Frankfurt eine richtige Abreibung bekommen, also wurden die letzten drei Spiele vor Weihnachten richtungsweisend, auch als Stimmungsindikator.
Es folgten: Ein 1:0 in der Champions League bei Manchester United, ein 3:0 gegen den VfB Stuttgart und ein hart erkämpftes 2:1 beim VfL Wolfsburg.
Nach dem 16. Spieltag ging Bayern zwar mit vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayer Leverkusen in die Winterpause, hatte aber ein Nachholspiel in der Hinterhand. Es herrschte nicht gerade Friede, Freude, Tuchelkuchen - aber war man vor Jahresfrist doch einigermaßen im Soll.
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Kompany über Kane-Comeback: "Wenn alles läuft, spielt er morgen"

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Erneut frühes Aus im DFB-Pokal

Zum Vergleich: Die Champions-League-Vorrunde, noch im Gruppensystem mit je vier Vereinen ausgetragen, hatten die Tuchel-Bayern mit fünf Siegen aus sechs Partien gegen ManUnited, Galatasaray Istanbul und den FC Kopenhagen souverän als Gruppensieger abgeschlossen.
Dagegen haben die Kompany-Bayern im neuen Ligaformat noch Nachholbedarf, müssen nach zwei Pleiten (0:1 bei Aston Villa, 1:4 beim FC Barcelona) und vier Erfolgen die noch ausstehenden zwei Partien im Januar (bei Feyenoord Rotterdam und gegen Slovan Bratislava) gewinnen, um unter die Top8 zu kommen. Damit würde man sich ein Sechzehntelfinale im Februar ersparen und direkt ins Achtelfinale im März einziehen.
Im DFB-Pokal war Tuchel im November 2023 bei Drittligist 1. FC Saarbrücken mit 1:2 blamabelst gescheitert, dieses Mal reichte es unter Kompany für das Achtelfinale.
Im "vorweggenommenen Finale" (Sportvorstand Max Eberl) gegen Double-Gewinner Leverkusen zerstörte Torhüter Manuel Neuer mit seiner Notbremse und der anschließenden Roten Karte nach nur 17 Minuten den Traum vom Finale in Berlin. In Unterzahl hielten die Bayern zwar stark dagegen, aber nicht komplett mit - 0:1, das Aus. Der erste mögliche Titel für Kompany war futsch.
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In der Champions League liegt der FC Bayern im Soll

Fotocredit: Getty Images

Tuchel mit besserer Bilanz in der Bundesliga

Und die Bilanz in der Bundesliga? Aktuell hat der FC Bayern nach 14 Spieltagen 33 Punkte auf dem Konto. Vergangene Saison, unter Tuchel - man möchte es kaum glauben - waren es zwei Punkte mehr.
"The trend is your friend", sagt Uli Hoeneß, der Ehrenpräsident und Mister FC Bayern so gerne. Nach sieben Zu-Null-Spielen von Ende Oktober bis Ende November stand in keinem der letzten fünf Spiele die Null, man kassierte sieben Gegentore.
Neben den nackten Fakten unterm Weihnachtsbaum zählen allerdings auch die weichen Faktoren, was die Bewertung der Arbeit von Kompany betrifft. Seine Empathie, seine Art der Kommunikation, sein Umgangston in der Kabine - all das wird von den Spielern sehr geschätzt. Dass er im Training hin und wieder selbst mit-grätscht ebenso.
Wie ein Xabi Alonso bei Leverkusen macht Kompany als Fußballlehrer viele Übungen selbst mit, das hebt die Akzeptanz bei seinen Schülern. Mit seinen erst 38 Jahren denkt und fühlt er oft noch wie ein Spieler, diese Nähe lässt die Profis Kompany als einer der Ihren empfinden.

Kompany kommt auch bei Uli Hoeneß gut an

Mit seiner sympathischen, weil nahbaren und zurückhaltenden Art kommt der Belgier auch bei den Fans an, erhielt trotz Abwesenheit bei der Jahreshauptversammlung viel Applaus nach dem Abspielen seiner kurzen Videobotschaft. Nicht zuletzt: Sein spontanes, glucksendes Lachen steckt an.
Doch all das wäre Nichts, wenn er nicht bei Uli Hoeneß, dem Vereinspatron gut ankommen würde. Für den 71-Jährigen ist Fußball einfach: Eine Frage der Arbeit.
Während der Vorbereitung berichtete das Aufsichtsratsmitglied nach einem gemeinsamen Abendessen mit dem neuen Trainer von Kompanys Kernbotschaft: "Im Mittelpunkt muss die Arbeit stehen. Und das ist etwas, was mir unheimlich gefallen hat." Unter Thomas Tuchel habe "uns das gefehlt".
Taktik-Nerds waren dem Oberboss schon immer etwas suspekt. Überhaupt, so Hoeneß, sei Tuchel "eine Katastrophe für den Verein" gewesen, wie er im Herbst sagte. Nachtreten auf Hoeneß-Art.
Da die Spieler aktuell von Kompanys Wärme und Empathie sowie dem neu entstandenen Teamgeist schwärmen, bedeutet dies im Umkehrschluss: Unter Tuchel, der sein Amt quasi über Nacht als Nachfolger des überraschend entlassenen Julian Nagelsmann Ende März 2023 angetreten hatte, haben diese Parameter gefehlt.
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Verstehen sich gut: Vincent Kompany (l.) und Uli Hoeneß

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Groteske Fahndung nach dem neuen Trainer

Der frisch ernannte Nationaltrainer Englands geht in Bayerns Vereinshistorie als der Chefcoach ein, der die erste titellose Saison seit 2011/12 zu verantworten hat. Dass Kompany, zuvor bei RSC Anderlecht und beim FC Burnley ohne Erfahrung mit einem Topstar-Kader, die Nummer sieben der Wunschliste war, dafür kann er nichts.
Max Eberl, ab 1. März auf der Kommando-Brücke als neuer Sportvorstand im schweren Fahrwasser der Trainersuche, hatte zunächst andere Kandidaten im Visier: Wunschkandidat Xabi Alonso bekannte sich schon an Ostern zu Bayer Leverkusen, die Rückholaktion von Bundestrainer Julian Nagelsmann scheiterte ebenso wie die Abwerbung von Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick, mit dem man in den Verhandlungen schon recht weit gewesen war.
Völlig grotesk erschien Anfang Mai der Versuch in der Not, Tuchel davon zu überzeugen, doch ein weiteres Jahr zu bleiben, nachdem man ihm im Februar nach einer Horror-Woche (0:3 in Leverkusen, 0:1 bei Lazio Rom, 2:3 in Bochum) den Vertrag von Saisonende 2024/25 um ein Jahr zwangs-zurückdatiert hatte.

Spielerische Weiterentwicklung unter Kompany

Für Kompany ist das nebensächlich. Der Job mit Vertrag bis 2027 bedeutet für den 38-Jährigen mehr Chance als Risiko.
"Für mich ist es nicht so wichtig, dass alle vorher von mir überzeugt sind, sondern nachher durch meine Arbeit auf dem Platz", so der frühere Verteidiger von Manchester City und dem Hamburger SV, von allen im Verein "Vinnie" gerufen.
Auch das ein Beleg der Nähe und gegenseitigen Sympathie. "Kompany ist ein Glücksfall für den FC Bayern!", schwärmte Hoeneß.
Der Stimmungsumschwung gegenüber der zähen, teils bleiernen Rückrunde, in der alles schwierig und kompliziert erschien, ist geglückt. Der Spielstil ist nicht mehr abwartend und destruktiv, sich oft am Gegner orientierend. Auch das hat den Bossen missfallen. Alles passé, es hat sich ausgetuchelt.
Vinnie, der Winner, hat den Verein kompanisiert und spielerisch wiederbelebt. Das Risiko seines so pressingintensiven und hochriskanten Systems nimmt er in Kauf. Die Spielweise kommt an, hat jedoch ihre Falltüren.

Fünfte Pleite wäre Stimmungskiller

Vor dem Duell mit Leipzig lautet die Kompany-Bilanz in allen Pflichtspielen seit seinem Amtsantritt: 23 Spiele, 16 Siege, drei Unentschieden, vier Niederlagen. Eine fünfte am Freitag wäre ein Stimmungskiller - auch wenn man selbst dann als Tabellenführer in die Weihnachtspause ginge.
Mit Blick auf das letzte Spiel anno 2024 sagte Kompany am Donnerstag: "Ich möchte einfach immer gewinnen - so bin ich. Egal, ob es das erste oder das letzte Spiel ist."
Und Vize-Kapitän Joshua Kimmich forderte: "Jeder muss dafür sorgen, dass er am Freitag auf einem absoluten Toplevel ist. Dann muss Leipzig gegen ein sehr starkes Bayern ran."
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Quelle: Perform



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