Die Lehren von Niko Kovacs Dortmund-Debüt gegen den VfB Stuttgart: Fatale Entscheidungsfindung
Neuer Trainer, alte Probleme: Borussia Dortmund verliert beim Debüt von Coach Niko Kovac 1:2 vor heimischer Kulisse gegen den VfB Stuttgart. Dabei erlebt ein ehemaliger Schwabe einen rabenschwarzen Nachmittag, darüber hinaus offenbart sich - vor allem in des Gegners Strafraum - einmal mehr eine riesige BVB-Schwäche. Die Lehren vom Kovac-Einstand im Signal Iduna Park.
Kovac nach Debüt-Pleite bedient: "Einiges gegen uns gelaufen"
Quelle: Perform
Borussia Dortmund hat beim Einstand von Niko Kovac eine bittere Niederlage kassiert. Der BVB unterlag in einem umkämpften Duell dem VfB Stuttgart mit 1:2 (0:0) und verliert die Champions-League-Plätze immer mehr aus den Augen.
Die Aufbruchstimmung, die beim BVB nach den jüngsten beiden Siegen unter Interimstrainer Mike Tullberg herrschte, scheint verflogen - auch, weil die Schwarz-Gelben im gegnerischen Strafraum eine eklatante Schwäche offenbarten.
Der frühere Stuttgarter Waldemar Anton (50.), der einen rabenschwarzen Nachmittag erlebte, mit einem Eigentor und VfB-Abwehrchef Jeff Chabot (61.) besiegelten die bereits achte Saisonniederlage des BVB, der seine Generalprobe fürs Play-off-Duell in der Champions League bei Sporting am Dienstag (21.00 Uhr im Liveticker) verpatzte.
Julian Brandts Tor (81.) kam zu spät, zu allem Überfluss sah Julian Ryerson die Gelb-Rote Karte (90.).
Die Lehren des Kovac-Debüts.
1.) Fatale Entscheidungsfindung
Niko Kovac war nach dem Spiel darum bemüht, seine neuen Spieler zu schützen.
"Die Jungs haben alles gegeben", lobte der ehemalige Bayern-Übungsleiter am "Sky"-Mikrofon. Er schob nach: "Wir hätten nicht als Verlierer vom Platz gehen dürfen. Die Mannschaft hat einiges gut umgesetzt."
Eine Sache stieß dem gebürtigen Berliner aber dann doch sauer auf: "In den entscheidenden Situationen haben wir oft nicht das Richtige gemacht. Wir haben uns selbst um die Früchte unserer Arbeit gebracht."
Was Kovac damit konkret meinte, führte er im Gespräch mit "Sky"-Experte Dietmar Hamann aus: "Wir waren oft genug in der gegnerischen Box, aber der finale Pass, die richtige Entscheidung zu treffen, das bereitet uns Schwierigkeiten."
Tatsächlich war die Entscheidungsfindung in der Offensive am Samstagnachmittag der Knackpunkt. Vor dem 0:1 waren die Hausherren regelmäßig in aussichtsreiche Positionen gekommen, die letzte Konsequenz ließen die Dortmunder allerdings vermissen.
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Niko Kovac (r.) im Gespräch mit Karim Adeyemi
Fotocredit: Getty Images
Vor allem Karim Adeyemi, der von Kovac zurück in die Startelf berufen worden war, tankte sich über seine rechte Seite immer wieder durch. In der 25. Minute ließ der Flügelflitzer Gegenspieler Ramon Hendriks stehen, zog in die Mitte - anstatt mit seinem starken linken Fuß abzuziehen, wählte der Ex-Salzburger den Querpass, der letztlich misslang.
Kurz nach dem Seitenwechsel eine ganz ähnliche Szene: Adeyemi zog unbedrängt in den Strafraum, gleich zwei Mitspieler waren mitgelaufen, seine Ablage war jedoch erneut viel zu ungenau (47.), zwei Minuten später suchte er selbst den Abschluss, obwohl ein Abspiel diesmal die bessere Option gewesen wäre.
2.) Anton noch immer nicht angekommen
Waldemar Anton zählte in der Stuttgarter Fabelsaison zu den unangefochtenen Leistungsträgern beim VfB. Dementsprechend buhlten im vergangenen Sommer gleich mehrere namhafte Klubs um die Dienste des Innenverteidigers.
Dortmund setzte sich im Rennen um Anton durch, sein Wechsel vom Neckar an die Ruhr kam bei den leidenschaftlichen Stuttgarter Anhängern nicht sonderlich gut an - zumal in Serhou Guirassy noch ein weiterer Shootingstar zum BVB transferiert wurde.
Obwohl Anton auch in seinem neuen Wohnzimmer mit Pfiffen von den Gästefans bedacht wurde, der Unmut über den Weggang des einstigen Abwehrchefs dürfte sich mittlerweile in Grenzen halten. Am Samstag avancierte der deutsche Nationalspieler nämlich unfreiwillig zu einem VfB-Helfer.
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Waldemar Anton von Borussia Dortmund
Fotocredit: Getty Images
Im ersten Durchgang unterlief Anton ein eklatanter Fehler, als er unter Bedrängnis einen Rückpass auf Torhüter Gregor Kobel spielen wollte, der Versuch aber deutlich zu kurz geriet und Deniz Undav auf die frei Reise in Richtung BVB-Kasten schickte. Weil Undav den Ball gegen Emre Can vertändelte, blieb es beim 0:0.
Doch die Begegnung hielt für Pechvogel Anton noch eine weitere Geschichte parat: Eine flache Hereingabe von Chris Führich grätschte der 28-Jährige ins eigene Netz.
Eine Szene, die einigermaßen sinnbildlich für die bisherige BVB-Zeit Antons, die seit seinem Wechsel von mehreren Verletzungen und unglücklichen Auftritten gepflastert ist, stand.
"Sky"-Experte Hamann fasste das Ganze prägnant zusammen: "Für das Eigentor kann Anton nichts, aber bisher ist das enttäuschend."
3.) niemand geht voran
Mentalitätsfragen, das Infragestellen der Führungsspieler - all das mag abgedroschen klingen, zumindest medial begleiten den BVB derlei Vorwürfe allerdings seit vielen Jahren.
Aktuell, da Dortmund die schwächste Saison seit zehn Jahren spielt, werden die kritischen Stimmen freilich noch lauter. Der Auftritt gegen Stuttgart gab den Nörglern jedoch einmal mehr recht.
Nichts zu sehen von den vermeintlichen Vorangehern wie Julian Brandt, Marcel Sabitzer oder Can. Hamann schloss auch die Neuzugänge um Guirassy, Anton und Pascal Groß in den Anführer-Kreis ein.
"Ich habe immer gesagt, dass ich den BVB besser sehe, als er in der Tabelle steht", sagte er: "Aber allmählich fange ich an zu zweifeln, ob die Spieler, die sie geholt haben, so gut sind wie ich gedacht habe."
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Borussia Dortmund - VfB Stuttgart
Fotocredit: Getty Images
Darüber hinaus stellte Hamann die grundsätzliche Reife der Dortmund-Profis infrage: "Diese Mannschaft muss mal erwachsen werden", forderte der frühere Bayern-Profi. Er ergänzte: "Du kannst den besten Plan haben. Wenn der Gegner das im Keim erstickt, dann musst du Lösungen finden. Sie müssen erwachsen werden und nicht vor dem Spiel schon nach Ausreden suchen."
Kovac könne das Team als neuer Trainer zwar "unterstützen und gut zureden", auf dem Platz seien die Spieler jedoch auf sich gestellt. Wenn es drauf ankommt brauche es Jungs, die "Verantwortung übernehmen".
Davon hat der BVB derzeit allerdings offenbar zu wenige in seinen Reihen.
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Kovac zum Ryerson-Rot: "Hat überzogen"
Quelle: Perform
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