FC Bayern: Manuel Neuer, Sven Ulreich, Daniel Peretz - und irgendwann Alexander Nübel? Die neue Torwart-Hierarchie
Update 10/01/2025 um 16:51 GMT+1 Uhr
Am Samstag soll Manuel Neuer beim Liga-Auftakt 2025 der Bayern in Mönchengladbach sein Comeback geben und demnächst seinen Vertrag bis 2026 verlängern. Und dann? Wer folgt auf die Ära Neuer? Alexander Nübel nicht mehr zwangsläufig. Die Bayern-Bosse haben umgedacht. Wer die neue Nummer zwei wird, was mit Sven Ulreich passiert und wer an der Seite von Neuer lernen soll.
#SotipptderBoss: Bayern bezwingt Gladbach, RB verpatzt Auftakt
Quelle: Eurosport
Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten. Es ist eine Menge Bewegung drin innerhalb der Torhüter-Bubble des FC Bayern München dieser Tage.
Am Mittwoch konnte Ex-Nationaltorhüter Manuel Neuer wieder komplett mit der Mannschaft trainieren, erstmals seit seinem Rippenbruch Anfang Dezember beim Achtelfinal-Aus im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen (0:1). Der 38-Jährige hatte vier Pflichtspiele im Dezember und den 6:0-Testspielerfolg am Montag bei RB Salzburg verpasst. Seit Mittwoch jedoch macht Neuer einen guten Eindruck, wirkt fit.
Die fehlende Spielpraxis will der fünfmalige Welttorhüter bei seinem Comeback am Samstag bei Borussia Mönchengladbach (18:30 Uhr im Liveticker) mit seiner Erfahrung wettmachen. Trainer Vincent Kompany war am Tag vor dem Bundesliga-Klassiker froh über die Rückkehr seines Stammkeepers: "Zum Glück ist Manu wieder dabei." Dahinter vertraut der Bayern-Coach Sven Ulreich als Nummer zwei.
Dass Neuer es bis zu Bayerns erstem Bundesliga-Spiel des neuen Jahres zurück ins Tor des Tabellenführers schafft, war lange fraglich gewesen. Seine Absenz hatte nicht Neuers eigentlicher Stellvertreter Ulreich (36), sondern Daniel Peretz überbrückt – und das recht ordentlich.
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Daniel Peretz (r.) wird dem FC Bayern wochenlang fehlen
Fotocredit: Getty Images
Nieren-Quetschung: Peretz fehlt einige Wochen
Doch was des einen Freud war am Mittwoch des anderen Leid. Peretz erlitt im Training eine schmerzhafte Nierenquetschung, sogar ein Notarzt-Einsatz am Trainingsgelände und der Transport zum Check ins Krankenhaus waren nötig geworden. Der 24-jährige Israeli wird den Bayern einige Wochen fehlen.
Kompany meinte zur Verletzung von Peretz: "Wie lange er ausfällt, wissen wir noch nicht. Aber es ist nichts Schlimmes, es ist vielleicht ein alter Schlag, der für Probleme gesorgt hat. Er wird hoffentlich Ende dieses Monats oder Anfang nächsten Monats wieder dabei sein." Peretz werde auch die benötigte Zeit bekommen, "damit er wieder ganz fit zurückkommt".
Was, wenn Neuer für die Partie in Gladbach doch nicht fit wird? Ulreich trainiert seit Wochen aus nicht näher bekannten persönlichen Gründen nur sehr sporadisch, hatte sogar einige Zeit ganz ausgesetzt und war seit Anfang November nur zwei Mal im Kader.
Die weiteren Alternativen ohne jegliche Pflichtspiel-Erfahrung bei den Profis: Da ist U-17-Weltmeister Max Schmitt (18), der Stammtorhüter der zweiten Mannschaft in der Regionalliga Süd, der bereits einige Male im Aufgebot bei einem Champions-League-Spiel stand. Dazu kommen zwei weitere Talente. Der 18-jährige Australier Anthony Pavlesic sowie der erst 17-jährige Leon Klanac. Junges "Gemüse". Zu riskant, zu viel Druck.
Wie planen die Bayern langfristig?
Das ist die kurzfristige (Not-)Situation. Größere Bedenken haben die Verantwortlichen der Bayern um Sportvorstand Max Eberl was die langfristige Perspektive im Tor des Rekordmeisters betrifft. Denn der Begriff langfristig passt nicht zu Neuer.
Zwar soll der Vertrag des Weltmeisters von 2014 in den nächsten Tagen noch einmal um ein weiteres Jahr bis zum Ende der Saison 2025/26 verlängert werden – doch das schafft nur mittelfristig Klarheit.
Seit Wochen und Monaten rauchen an der Säbener Straße die Köpfe, wie die Situation bei den Torhütern langfristig gelöst werden soll. Wer tritt das Erbe von Manuel Neuer an, dessen Ära seit 2011, seit dem Wechsel vom FC Schalke nach München währt? Wer kann die riesigen Fußstapfen von Neuer (Schuhgröße 47) ausfüllen?
Neuers Nachfolge - bloß kein zweiter Fall Kahn
Der Fall Neuer erinnert an die Zeit Mitte der 2000er Jahre, als Oliver Kahns Karriere sich dem Ende entgegen neigte. Die Bosse um Manager Uli Hoeneß hatten sich festgelegt, dass die langjährige Nummer zwei Michael Rensing nach einigen Lehrjahren die Nachfolge antreten sollte.
Als Kahn, der "Titan", im Mai 2008 beim 4:1 gegen Hertha BSC sein letztes Pflichtspiel für die Münchner machte, wurde Talent Rensing demonstrativ kurz vor Schluss für ihn eingewechselt. Im Sommer übernahm Jürgen Klinsmann das Traineramt, turbulente Zeiten begannen.
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Oliver Kahn und Michael Rensing (r.)
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Bis April waren Rensings Leistungen recht passabel, aber nicht überragend. Der Nachfolge-Druck nach der Ära Kahn war zu gewaltig für den damals 24-Jährigen.
Als Louis van Gaal ab Sommer 2009 das Trainer-Zepter übernahm, hielt er nicht lange an Rensing fest. Der erfahrene Hans-Jörg Butt stabilisierte die Bayern-Defensive. Bis van Gaal auf die Idee kam, den jungen Thomas Kraft (22) von der zweiten Mannschaft ab der Rückrunde 2011 ins Tor zu stellen – da war der in die Weltklasse aufstrebende Schalker Neuer längst auf dem Bayern-Radar.
Rensings Vertrag hatte man im Sommer 2010 auslaufen lassen, Kraft wechselte 2011 zu Hertha BSC und Butt beendete 2012 mit 38 Jahren seine Karriere.
Zweifel an Kronprinz Nübel
Machen die Bayern nun, da die Ära Neuer in absehbarer Zeit endet, wieder die gleichen Fehler? Verzettelt man sich? Die Tendenz an der Säbener Straße geht dahin, dass die Bosse und Trainer Vincent Kompany, ein Fan von Neuers offensiver und zugleich riskanter Spielweise (Stichwort "Sweeper Keeper"), dem Kapitän ein weiteres Jahr vertrauen möchten.
Auch, damit Alexander Nübel (28), Kronprinz und designierter Nachfolger mit Langzeit-Vertrag bis 2029 in München, sich noch eine weitere Saison beim VfB Stuttgart bewähren und wertvolle Erfahrungen, vor allem international, sammeln kann.
Nicht alle bei Bayern sind von Nübel zu 100 Prozent überzeugt. Hat er es wirklich im Kreuz? Siehe Rensing. Der Nationaltorhüter selbst meinte im neuen "kicker FE:male Podcast": "Natürlich ist es mein Ziel, dort die Nummer eins zu werden. Natürlich will ich mich da durchsetzen."
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Leroy Sané und Alexander Nübel nach dem Südschlager zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart
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Sollte Neuer einen neuen Vertrag unterschreiben, wovon Nübel ausgeht, "werden wir sehen, ob wir 2026 zusammenfinden, Bayern München und ich. Oder ob wir dann sagen, es wird etwas anderes. Ich bin da nicht festgefahren auf einen Verein."
Bleibt der Weltmeister von 2014, bleibt auch dessen Kumpel und bewährter Trainingspartner Ulreich – was bei vergangenen Vertragsverlängerungen der Wunsch (manche sagen sogar: eine Bedingung) der Nummer eins gewesen sein soll.
Doch für die kommende Saison soll sich die Hierarchie unter Torwart-Trainer Michael Rechner ändern. Ulreich, der 2021 erneut zu Bayern gekommen war (zuvor bereits von 2015 bis 2020 in München), wird zur Nummer drei herabgestuft – womit er einverstanden ist. Schließlich bekommt er einen neuen Vertrag.
Im Sommer soll Kölns Talent Urbig kommen
Die nun entwickelte Idee dahinter: Neuer soll in seiner dann wohl letzten Saison beim FC Bayern einige Partien (nicht nur Testspiele, sondern auch Pflichtspiele in allen Wettbewerben) pausieren und wertvolle Minuten abgeben, um einer Nummer zwei die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen und Spielpraxis zu sammeln.
Auf dem Zettel der Münchner: Jonas Urbig vom 1. FC Köln. Der 21-Jährige vom Zweitliga-Spitzenreiter ist noch bis 2026 unter Vertrag, sein Marktwert beträgt aktuell drei Millionen Euro. Ein Transfer im kommenden Sommer dürfte für die Bayern somit nicht zu kostspielig sein, also ein überschaubares Risiko darstellen.
Urbig soll noch ein Jahr unter Neuer lernen, sich ab und an beweisen. Dann könnte man vor dem Sommer 2026 entscheiden: Nübel, seit Oktober Nationaltorhüter in Vertretung des verletzten Marc-André ter Stegen (FC Barcelona) und in Konkurrenz zu Oliver Baumann (Hoffenheim) oder eben Urbig. Und was wird aus Peretz?
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Jonas Urbig saß beim FC zuletzt nur auf der Bank.
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Aktuell ist er bereits die Nummer zwei und soll kommende Saison ausgeliehen werden. RSC Anderlecht hatte bereits Interesse, nach den ansprechenden Partien im Dezember dürften größere Kaliber auf den Israeli aufmerksam geworden sein für eine Leihe. Auf lange Sicht, wenn dann Neuer eines baldigen Tages Geschichte ist, soll Peretz hinter Nübel oder Urbig die Nummer zwei werden.
Muss Bayern doch kräftig investieren?
Kompliziert, kompliziert, das Torhüter-Puzzle bei den Bayern. Und nicht ausgeschlossen, dass man doch tief in die Tasche greifen muss, wenn das Trio Nübel, Urbig und Peretz durchfällt.
Als Schatten-Keeper gelten Bart Verbruggen (22), der niederländische Nationaltorwart vom FC Brighton, und Mike Maignan. Der Franzose ist mit 29 Jahren viel erfahrener, aktuell Kapitän beim AC Mailand und die Nummer eins Frankreichs. Maignans Vertrag läuft bis 2026 (ginge da eine Tür auf für einen ablösefreien Wechsel?) Verbruggens Kontrakt dagegen bis 2028.
Erstmal aber muss Neuer 2026 definitiv aufhören wollen – bei dem so Ehrgeizigen weiß man ja nie. Sein Spezl Sepp Maier (80), selbst eine deutsche Torhüter-Legende, sagte der "Abendzeitung" im Dezember: "Manuel ist austrainiert, immer noch geschmeidig in seinen Bewegungen. Ich traue ihm noch zwei Jahre in Top-Form zu."
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