FC Bayern München in der Top-Spiel-Krise: Zu hoher Aufwand, zu wenig Ertrag unter Trainer Vincent Kompany?

Der Spielstil der Bayern unter Trainer Kompany ist hochintensiv, das System mit Risiken verbunden. Nach dem Pokal-Aus gegen Leverkusen stellt sich die Frage nach einer Topspiel-Krise. Joshua Kimmich stellt ehrlich fest: "Wenn man rein die Ergebnisse sieht, ist es natürlich ernüchternd." Wie viel hat das mit dem Fehlen von Harry Kane zu tun? Ist Bayern zu abhängig vom Torjäger und Jamal Musiala?

Bayern-Coach Kompany zu Neuers Platzverweis: "Es war 50:50"

Quelle: Perform

Und jetzt auch noch der 1. FC Heidenheim!
Eine Mannschaft aus dem Tabellenkeller der Bundesliga, aktuell auf Relegationsplatz 16. Ein Team, das die letzten vier Pflichtspiele verloren hat (mit 3:14-Toren), das in der Liga zuletzt Ende September ein Spiel gewinnen konnte.
Diese Heidenheimer, diese unberechenbaren Underdog-Fußballer aus der Provinz, sind der Gegner des FC Bayern am Samstag in der Allianz Arena. Es wartet: das Alltagsgeschäft – wie im echten Leben meist die größte Herausforderung. Und das nach drei Highlights für die Bayern.
Nach drei Topspielen in acht Tagen, welche zusammengenommen die herausforderndste Woche der Münchner in der bisherigen Saison bedeuteten. Paris St.Germain in der Champions League, der ewige, aber nicht mehr stärkste nationale Rivale Borussia Dortmund in der Bundesliga und schließlich Bayer Leverkusen, der Double-Gewinner, als höchste Hürde im DFB-Pokal-Achtelfinale. Die Bilanz: 1:0, 1:1, 0:1. 
Drei Spiele - ein Erfolg, einmal na ja und vergangenen Dienstag das für die Bayern so bittere Aus im Cup gegen die unbeugsamen Widersacher aus Leverkusen mit Trainer Xabi Alonso. In den letzten fünf Pflichtspielen konnten die Bayern weder unter Julian Nagelsmann, noch unter Thomas Tuchel (zwei Versuche) und ebenso wenig unter Vincent Kompany (auch schon zwei Versuche) gegen Alonso gewinnen. Ein Kreuz gegen dieses Bayer!

Kompanyball: Mehr Risiko, mehr Show 

Doch es sind nicht nur die Kontrahenten, die dem FC Bayern in der ersten Saisonhälfte 2024/25 zu schaffen machen. Man ist sich selbst der größte Gegner! Und das hat – groteskerweise – viel mit dem neuen Trainer Kompany zu tun. Ja, mit dem Belgier, der dieser Mannschaft nach der Zeit unter Tuchels zähflüssigem Sicherheitsfußball wieder Leben und Selbstvertrauen eingeflößt hat.
Kompany konnte seine Spieler mit Empathie und Nahbarkeit mitnehmen auf seine Reise hin zu einem neuen Spielsystem, das – vor allem in der Bundesliga – zu spektakulärem Fußball samt mitreißenden Kantersiegen führte. Mehr Risiko, mehr Show. Der Zweck heiligt die Mittel. Wer wagt, gewinnt. Und Kompany hat viel gewonnen. Das Vertrauen der Bosse, die Herzen der Fans und die Mehrzahl der Spiele.
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Vincent Kompany vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Bis zum Oktober. Bis zum total überlegen geführten, aber völlig wilden 3:3 bei Eintracht Frankfurt und dem 1:4-Debakel in der Champions League beim FC Barcelona. Zwei bittere Spielausgänge, doppelt wertvolle Augenöffner. Kompany reagierte, passte sein pressingintensives und hochriskantes System um Nuancen an.
Das Ergebnis: Mehr Kompaktheit und plötzlich sieben Zu-Null-Erfolge hintereinander, inklusive des 1:0 gegen PSG. Doch seit der letzten Länderspiel-Pause ist Sand im Getriebe Kompany, der Bayern-Motor stockt – vor allem, was die Ausbeute der Offensive betrifft. Zu viele Kilometer auf dem Tacho? 

Siege müssen (zu) hart erarbeitet werden 

Auffällig ist, dass sich die Münchner schon seit Saisonbeginn ihre Siege durch eine hohe Laufleistung und das intensive Pressing verbunden mit einer andauernden Konzentration und Wachsamkeit im Spiel hart erarbeiten müssen.
"Ich bin ganz ehrlich", begann Joshua Kimmich seine Analyse nach dem Aus gegen Leverkusen und sagte: "Vor dem Spiel dachte ich so ein bisschen, gerade wenn ich die zweite Halbzeit gegen Paris sehe, die erste Halbzeit in Dortmund, dass wir vielleicht gerade an einem Punkt sind, wo wir so einen Tick nachlassen, wo wir nicht mehr das zu 100 Prozent machen, was wir am Anfang der Saison gemacht haben." 
Und zwar jeden Meter zu gehen, als Einzelspieler und im Kollektiv. Ein immens hoher Aufwand, für den man sich von August bis Ende November meist belohnte. Aktuell stimmen Aufwand und Nutzen nicht mehr. Der Ertrag, die nackten Ergebnisse sind nicht Bayern-like. Vor allem in den Topspielen ist eine Ergebniskrise - abgesehen vom 1:0 gegen PSG und dem 4:0 gegen Vizemeister VfB Stuttgart im Oktober – nicht wegzudiskutieren.
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Joshua Kimmich im Zweikampf mit Dortmunds Felix Nmecha (Bildmitte)

Fotocredit: Getty Images

Wieder fiel Kimmich mit bemerkenswerter Ehrlichkeit und Selbstkritik auf: "Was waren bisher die großen Spiele?", stellte er sich selbst die Frage, um diese im nächsten Atemzug zu beantworten: "Zweimal Leverkusen, da konnten wir keins gewinnen. Wir hatten eigentlich Losglück, dass wir Leverkusen im Pokal zu Hause bekommen. Am Ende des Tages kommen wir da nicht weiter. Wir haben Dortmund nicht gewonnen, Frankfurt nicht gewonnen, Barcelona nicht gewonnen. Wenn man rein die Ergebnisse sieht, dann ist es natürlich ernüchternd." 

Warum die Torausbeute zuletzt so gering ausfällt 

Auch, was die zuletzt magere Torausbeute betrifft, ist der Faden gerissen. Nur eine Frage des Personals, insbesondere aufgrund der Verletzung von Mittelstürmer Harry Kane? In Dortmund musste die Tore-Versicherung (20 Treffer in 19 Pflichtspielen) in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden musste und fehlt bis auf Weiteres.
In den vier Partien seit der November-Länderspielpause hat Kane drei der fünf Bayern-Tore erzielt, das 3:0 gegen Augsburg erst durch seinen Hattrick (inklusive zweier Elfmeter) gesichert. Gegen PSG traf Min-jae Kim, beim BVB Jamal Musiala. Die Flaute in der Offensive ist offensichtlich und die Abhängigkeit von Knipser Kane sowie der Kreativität des Zehners Musiala frappierend. 
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Harry Kane musste gegen Dortmund verletzt ausgewechselt werden

Fotocredit: Getty Images

Sieht auch Toni Kroos so. "Ich finde es schon extrem, wie abhängig Bayern von Musiala ist – jetzt schon. Vor allem gegen gute Gegner", erklärte der Ex-Bayern-Profi und Weltmeister von 2014 in seinem Podcast "Einfach mal Luppen", den er mit Bruder Felix betreibt. Kroos weiter: "Einen durchschnittliche Bundesliga-Gegner spielst du auch mal so mit der restlichen Qualität.
Aber gegen wirklich gute Mannschaften – man muss fairerweise sagen, dass Bayern gegen die noch Probleme hat", meinte der frühere Bayern-Profi: "Dortmund, Leverkusen, Aston Villa, Barcelona, auch PSG ein bisschen. Da haben sie bisher noch nicht überzeugt." Und das Fehlen von Kane? Ist der Engländer wertvoller für Bayern als Musiala? Kroos' Antwort: "Du brauchst den Abschlussstürmer, für Bayern sind beide unersetzlich." 

Das Aus als Antrieb: "Ich hoffe schon, dass uns das anstachelt" 

Hoffnungsfroh stimmt die Spieler wie die Verantwortlichen die starke Leistung gegen Leverkusen nach Manuel Neuers Platzverweis in Unterzahl über mehr als 70 Minuten. Um das Schiff ohne den Käpt'n nicht sinken zu lassen, hängten sich die Roten so richtig rein. Biss. Wille. Leidenschaft. Ein echter Pokalfight – ohne Happy End.
"Das war mit unsere beste Leistung – natürlich auch gemessen am Gegner. Ich hoffe schon, dass uns das anstachelt", meinte Kimmich. Trainer Kompany sagte: "Diese Leistung war etwas Besonderes. Es war nicht nur warten und hoffen. Es war einfach proaktiv und positiv. Wenn dieses Gefühl bleibt, werden wir noch viele Spiele gewinnen." 
Auch am Samstag gegen Heidenheim? Kompany wird rotieren, um Spieler zu schonen und für eine sinnvolle Belastungssteuerung zu sorgen. Aber wird er auch den hochintensiven Spielstil ändern? Nein, das ist nicht seine Art. Aber der Ertrag muss stimmen, auch ohne Kane. Das letzte Duell mit Heidenheim haben die Bayern verloren. Auf der Ostalb setzte es im April nach 2:0-Führung noch eine 2:3-Schlappe. Doch das war unter Tuchel. Dessen Stil, dessen Fußball – scheinbar eine Ewigkeit her.
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Alonso nach Coup gegen Bayern: "Sehr wichtige Nacht"

Quelle: Perform


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