FC Bayern scheidet in der Champions League im Viertelfinale gegen Inter Mailand aus - Was beim deutschen Rekordmeister schief gelaufen ist
Update 19/04/2025 um 09:09 GMT+2 Uhr
Woran lag es, dass der FC Bayern in Mailand das Halbfinale in der Champions League verpasst hat? In einer detaillierten Analyse geht der Blick auf die Kaderplanung, die Verletztenmisere sowie das Belastungsmanagement in den heißesten Wochen der Saison. Und es stellt sich die Frage: Wie baut Trainer Vincent Kompany sein Team vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Heidenheim wieder auf?
#SotipptderBoss: Bayern leckt Champions-League-Wunden in Heidenheim
Quelle: Eurosport
Natürlich ist es sein Job, ein Teil davon. Und kaum einer kann so gut Optimismus versprühen und den Blick nach vorne richten wie Bayern-Trainer Vincent Kompany.
Andererseits: Was bleibt ihm auch übrig, wenn eines der großen Saisonziele, wohl das allergrößte und wichtigste, nur noch als Traum der Vergangenheit weiterlebt. Beim Finale dahoam am 31. Mai in der Allianz Arena wird der FC Bayern nur Zuschauer sein.
Das 2:2 im Viertelfinal-Rückspiel bei Inter Mailand war zu wenig, das Halbfinale gegen den FC Barcelona war in Sichtweite, aber nie wirklich zum Greifen nahe.
Von der Bühne San Siro, der stimmungsvollen und altehrwürdigen Oper des Calcio, in die Voith-Arena auf dem Schlossberg von Heidenheim – eine Herausforderung und Chance zugleich. Kompany findet es "sogar besser, dass wir so schnell wieder spielen."
"Wir haben auch Bock zu kämpfen am Samstag"
"Die absolute Priorität ist, was wir gegen Heidenheim machen in den nächsten 90 Minuten", sagte der Bayern-Trainer am Morgen des Karfreitags an der Säbener Straße mit Blick auf das Duell gegen den Abstiegskandidaten von der Schwäbischen Alb (15:30 Uhr im Liveticker).
Er erklärte: "Man muss damit umgehen, wie mit jedem Rückschlag im Leben. Die Vergangenheit kannst du nicht ändern. Die nächsten Spiele können wir zeigen, wie gut wir sind und was wir vorhaben. Ich bin von Natur aus sehr, sehr motiviert und hungrig. Ich brauche nicht viel, damit ich am nächsten Tag wieder mit voller Energie einsteige."
Das Champions-League-Aus soll seine Mannschaft nicht runterziehen – im Gegenteil, so Kompany: "Wir haben auch Bock zu kämpfen am Samstag. Wir haben auch unsere Gründe, motiviert zu sein für dieses Spiel."
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Trainer Vincent Kompany konnte das Viertelfinal-Aus nicht verhindern
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Dreesen: "Wir haben das Duell in München verloren"
Auf dem Mitternachtsbankett in der Nacht zu Donnerstag war die Stimmung im Mannschaftshotel "Meliá Milano" naturgemäß sehr gedämpft. Bayerns Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen sprach mit ruhiger Stimme Worte, die Trost spenden sollten: "Wir hatten alle diesen Traum vom Finale dahoam, vom Titel dahoam, wie ich mal gesagt habe auf der Jahreshauptversammlung. Er ist geplatzt. Und wir alle sind sehr traurig darüber."
Dreesen fand: "Wir haben dieses Duell wahrscheinlich mit dem zweiten Gegentor in München verloren." Mit dem späten 1:2 als Thomas Müller kurz zuvor das 1:1 erzielt hatte und die Mannschaft danach zu schnell zu viel wollte. Fehlende Cleverness, fehlende Reife.
Was hat sonst noch zum Ausscheiden geführt? Seit dem letzten Champions-League-Triumph unter Cheftrainer Hansi Flick 2020 schied Bayern in fünf Jahren viermal im Viertelfinale und einmal im Halbfinale (letzte Saison gegen Real Madrid) aus. Eine Analyse:
Die Verletztenmisere
Ehrenpräsident Uli Hoeneß sagte in gewisser Weise einem Ausscheiden vorbauend am Sonntagabend bei "Blickpunkt Sport": "So eine Serie von schweren Verletzungen habe ich noch nie erlebt."
Fünf, sechs Stammspieler (Jamal Musiala, Alphonso Davies, Dayot Upamecano, Hiroki Ito, Manuel Neuer) fallen monatelang aus, das könne keine Mannschaft verkraften.
Vor allem das Fehlen von Linksverteidiger Davies, der mit seinem Tempo in der Rückwärtsbewegung viele Situationen entschärft und nach vorne Druck ausüben kann, hat die Bayern geschmerzt. Ganz zu schweigen von der Kreativität eines Jamal Musiala, der noch mehr Chancen hätte herauszaubern können.
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Jamal Musiala wird von Leroy Sané nach seiner Verletzung getröstet
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Die Kaderplanung
Das eine bedingt immer das andere – siehe oben. Dennoch fällt den Bayern nun die strategische Entscheidung, im Wintertransfer-Fenster keinen Ersatz für Stürmer Mathys Tel zu verpflichten, auf die Füße. So musste Thomas Müller als Mittelstürmer-Ersatz einspringen, wenn Harry Kane überbelastet war. Oder neben dem Briten in den Angriff.
Ein Tel, der an Tottenham Hotspur ausgeliehen wurde (man erhofft sich im Sommer einen Verkauf für rund 50 Millionen Euro), hätte gutgetan – ebenso ein Typ wie früher Eric Maxim Choupo-Moting, der sich in der Kaderhierarchie gerne hintenanstellt und einspringt, wenn er gebraucht wird.
Das Belastungsmanagement in den heißen Wochen
Auch hier bedingt Punkt zwei den dritten Punkt. Trainer Vincent Kompany konnte nicht so viel rotieren wie er dies gerne getan hätte. Es fehlte schlicht an fittem und gesundem Personal sowie an der Qualität aus der zweiten Reihe.
Zum Vergleich: Inter-Coach Simone Inzaghi konnte am Wochenende in der Serie A gegen Cagliari (3:1) gleich sechs Spieler aufbieten, die zuvor beim 2:1 in München nicht oder nur wenig gespielt hatten. Bei Bayern war es lediglich Müller für Raphael Guerreiro.
Innenverteidiger Minjae Kim, der sich seit Monaten mit Achillessehnenproblemen herumplagt und über die Schmerzgrenze gehen muss, konnte nur ganz wenige Pausen erhalten, weil Upamecano ausfiel und Josip Stanisic als Aushilfs-Linksverteidiger gebraucht wurde.
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Kompany verteidigt Kim: "Kann nichts für den Fußballkalender"
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Das unnötige Körner herschenken
Im Vergleich zur Hinrunde konnte man in der Bundesliga keine klaren Siege mehr herausspielen, quälte sich ab Januar mit wenigen Ausnahmen (5:0 gegen Hoffenheim, 4:0 gegen Frankfurt) meist.
"Wir müssen aus unseren Vorteilen das Ergebnis ziehen, das geht uns extrem ab", bemängelte Kimmich und sagte: "Es ist schon ärgerlich, wenn man sieht, wie oft wir in Führung gehen und zehn Minuten später fangen wir Tore und geraten sogar in Rückstand."
Individuelle Fehler in der Defensive, fehlender Killerinstinkt in der Offensive.
Der kraftraubende Kompany-Fußball
Und wieder bedingt der letzte Punkt diese Tatsache. Denn nur, wenn die Mannschaft das von den Spielern geschätzte Kompany-System des mannorientierten Pressings im besten Modus durchzieht, kommen sie an ihre Leistungsgrenze.
Dieser Fußball ist spektakulär, aber auch riskant. Pluspunkt für Kompany: Kein Vergleich zu Thomas Tuchels Sicherheits- und Umschaltdenken. In der Champions League aber scheiterten die Bayern an Inzaghis Pragmatismus-Fußball.
"Am Ende stehe ich immer hier und bemängelte die Effizienz vorne und die Tatsache, dass wir hinten zu viele Gegentore bekommen", bemerkte Kimmich in Mailand im Gespräch mit den Reportern. Seine Schlussfolgerung: "Es ist zu oft der Fall, dass wir nicht als Sieger vom Platz gehen, obwohl wir das Gefühl haben, die bessere Mannschaft gewesen zu sein."
Das generelle Problem der Champions-League-Saison, die Sportvorstand Max Eberl in einem Anflug von Nächstenliebe als "gut" bezeichnete laut Kimmich: "Deutlich zu viele Niederlagen in Europa."
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Kompany: "Zu viele Chancen, zu wenig Tore"
Quelle: Perform
Bayern blickt nach vorn: "Torte ist die Meisterschaft"
Dreesen betonte, man müsse diese Mailänder Nacht "erst verdauen". Doch allzu lange darf das Aus, nach dem DFB-Pokal der zweite verspielte Titel, nicht in den bayerischen Mägen liegen. "Die Champions League ist die Kirsche, nicht die Torte", meinte der Vorstandsboss und erklärte: "Die Torte ist die Meisterschaft. Und da haben wir noch fünf Spiele vor uns."
Nun gehe es, so Eberl darum, am Samstag beim Auswärtsspiel in Heidenheim "wieder parat zu sein, um wenigstens die deutsche Meisterschaft einzutüten". Wenigstens.
"Im Moment ist es natürlich hart", sagte Kompany, verwies aber auf die Klub-WM der Fifa in den USA im Juni und Juli. Doch noch eine Chance auf einen Titel nach der regulären Saison – auch für den scheidenden Thomas Müller.
Und Eberl blickte bereits auf die kommende Saison in der Königsklasse. "Wir werden das Ding wieder angreifen."
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Triumph über Bayern: "Lohn für all die Tage"
Quelle: Perform
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