Jamie Gittens beim BVB an zwei Fronten allein auf weiter Flur: Dortmunds Hoffnung hat sieben Finger

Im Schatten des holprigen Saisonstarts entwickelt sich Jamie Gittens bei Borussia Dortmund mehr und mehr zum Aushängeschild. Der Engländer ist zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei - und liefert ab. Seine Leistungen bleiben nicht unbeachtet, Gerüchte um interessierte Top-Klubs häufen sich. Genau das lässt den BVB jedoch auf einen weiteren, historischen Zahltag hoffen.

Jamie Gittens ist der Mann der Stunde bei Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Und da rennt er wieder.
Hände vor den Mund, Hände auf die Ohren - dann rutscht er mit sieben ausgestreckten Fingern auf den Knien in Richtung Eckfahne.
Vier Finger rechts, drei Finger links - in Anlehnung an seine Rückennummer: die 43.
Der Torjubel von Jamie Gittens ist eines der wenigen freudigen Rituale, das in Dortmund in der laufenden Saison Einzug gehalten hat. Ansonsten kann sich der BVB vor allem auf eines verlassen: die eigene Unbeständigkeit - vor allem auswärts.
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Jamie Gittens bejubelt sein zwischenzeitliches 1:0 bei Borussia Mönchengladbach

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Gittens liefert beim BVB ab

In Gladbach war das nicht anders. Beim 1:1 (0:0) im Borussia-Park am vergangenen Wochenende scheiterte der BVB zum inzwischen sechsten Mal daran, in der Bundesliga auswärts zu gewinnen.
Zwei magere Zähler stehen für die Mannschaft von Trainer Nuri Sahin fernab des Signal Iduna Parks zu Buche - ebenso viele wie Holstein Kiel oder der FC Augsburg. Einzig der VfL Bochum (null Auswärtspunkte) ist in dieser Kategorie noch schlechter.
Als Stimmungsaufheller dient derzeit fast ausschließlich Jamie Gittens. Der junge Engländer ist längst der ganze Stolz des Vereins, beweist in der laufenden Spielzeit immer wieder seine Tauglichkeit als Unterschiedsspieler.
Neun Tore und vier Vorlagen sammelte er bereits wettbewerbsübergreifend in 20 Spielen.
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Jamie Gittens bejubelt seinen Doppelpack gegen Brügge

Fotocredit: Imago

Gittens erinnert an Robben

Bei seinen Abschlussaktionen erinnert er an einen alten Bekannten aus der Bundesliga: Arjen Robben. Zufall?
"Ich studiere ganz bewusst einzelne Spieler und versuche, von ihren individuellen Bewegungsabläufen zu lernen", erklärte Gittens vor gut einem Jahr im Interview auf der BVB-Homepage. Damals dienten meist Kylian Mbappé oder Neymar als Vorbilder, etwas früher aber auch der junge Cristiano Ronaldo und Arjen Robben.
"Als ich 14 und in der Jugend von Manchester City war, habe ich ihn oder Riyad Mahrez so ziemlich jeden Tag studiert. Wie er vom Flügel in die Mitte zieht und schießt, das finde ich heute noch großartig", so Gittens.

Sahin: "Lorbeeren gehören nicht mir"

Die Parallelen zum langjährigen Bayern-Star sind kaum zu übersehen. Der einstige Robben-Move ist längst auch eine Spezialität des Dortmunder Flügelstürmers - bloß auf der anderen Spielfeldseite, spiegelverkehrt.
Bekommt der 20-Jährige den Ball auf seinem linken Flügel, zieht es ihn genau wie sein niederländisches Vorbild meist nach innen. Ein, zwei Körpertäuschungen, dann ein beherzter Abschluss in die lange Ecke - nicht selten scheppert es in dieser Saison.
Aktionen, die er nicht nur durch das Videostudium verinnerlicht, sondern auch täglich auf dem Trainingsplatz einstudiert.
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Jamie Gittens (l.) und Sven "Manni" Bender im Training

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"Die Lorbeeren gehören nicht mir, sondern Jamie und Sven Bender", sagte BVB-Coach Nuri Sahin kürzlich: "Die ersten fünf Monate, als Manni (Sven Bender, Anm. d. Red.) hier war, hat der sich komplett um ihn gekümmert."
Bender hätte dabei sehr oft, auch nach dem Training "Eins-gegen-Eins-Situationen" gegen Gittens verteidigt. Danach sei der einstige Sechser und heutige Cheftrainer der SpVgg Unterhaching "fix und fertig" gewesen.

BVB: Gittens bringt Planungssicherheit

Neben seinem sportlichen Wert für die Borussia bietet Gittens den Verantwortlichen aber noch etwas: Planungssicherheit.
In Dortmund wurde das Bankkonto in den vergangenen Jahren immer wieder maßgeblich durch Transfereinnahmen gefüllt. Es ist die klare Strategie des Vereins, junge Talente nach Dortmund zu lotsen, sie zu entwickeln und mit Gewinn weiterzuverkaufen.
Hans-Joachim Watzke, langjähriger Geschäftsführer der Westfalen, erklärt dieses Geschäftsmodell in regelmäßigen Abständen. Verkäufe der besten Spieler seien oft "der einzige Weg", wie er im vergangenen Jahr gegenüber "CNN" verriet.

Ist Gittens der nächste Bellingham?

"Wenn ein Spieler sehr gute Leistungen bringt, müssen wir gegen die ganz, ganz großen Vereine mit den Oligarchen und den arabischen Staaten im Rücken kämpfen. Diesen Kampf können wir nicht gewinnen", so Watzke.
Gewinnen kann man allerdings junge, aufstrebende Talente wie Christian Pulisic (2015), Ousmane Dembélé (2016), Jadon Sancho (2017), Erling Haaland (2019) oder Jude Bellingham (2020). Alles Spieler, die man für ein Vielfaches der gezahlten Ablösesummen in die weite Fußballwelt schickte.
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Ehemalige Dortmunder: Erling Haaland und Jude Bellingham

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Der BVB bleibe seiner Rolle als Entwicklungsverein daher treu und scoute "jeden Tag junge Spieler", so Watzke. Entscheidend sei es, diese zu entwickeln "und ich denke, das funktioniert".
Aktuell auch wieder bei Gittens.

BVB will junge Spieler entwickeln

Der wechselte im selben Jahr wie Bellingham (2020) aus der Jugend von Manchester City nach Dortmund. Kostenpunkt: rund 90.000 Euro. Inzwischen hat der gebürtige Londoner seinen Marktwert laut "Transfermarkt.de" auf 35 Millionen Euro gesteigert und damit, man muss das mal ausformulieren, verdreihundertachtundachtzigfacht. Und das Ende der Fahnenstange ist noch längst nicht erreicht.
Beim BVB hofft man - nicht zuletzt ob des Marktes für den Spieler in dessen zahlungskräftiger Heimat - auf den nächsten 100-Millionen-Euro-Transfer. Nach Dembélé (FC Barcelona, 135 Millionen) und Bellingham (Real Madrid, 113 Millionen) wäre er bereits der dritte Verkauf in dieser Größenordnung.
Bis es so weit ist, soll aus Dortmunder Sicht aber noch Zeit ins Land gehen. Gittens' Durchbruch ist schließlich erst wenige Wochen her und will durch weitere Leistungen auf konstant hohem Niveau bestätigt werden.
Beim BVB ist er aktuell unersetzlich und kann sich neben der Bundesliga auch in der Champions League beweisen. Vier seiner neun Treffer erzielte er in der Königsklasse - dem Wettbewerb, der zur Martkwertsteigerung besonders geeignet ist.
Am Mittwoch ist mit dem FC Barcelona einer der strahlungskräftigsten Klubs der Welt zu Gast in Dortmund (21:00 Uhr im Liveticker). Und wer weiß: Vielleicht slidet Gittens dann auch wieder mit sieben Fingern Richtung Eckfahne.
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Sahin nach Gittens-Doppelpack: "Er ist auf den Geschmack gekommen"

Quelle: Perform


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