Bundesliga-Kolumne LIGAstheniker: Die Bayern werden Meister – aber sind Sie noch das Nonplusultra in der Liga?
Update 17/02/2025 um 12:56 GMT+1 Uhr
Der Auftritt des FC Bayern München im Topspiel gegen Bayer 04 Leverkusen wirft Fragen auf. Trotz des gewonnenen Punktes gab der Rekordmeister ein ungewohntes Bild ab. Hat die Werkself den Grundstein für einen Klassiker abseits von Borussia Dortmund gesorgt? Und wäre das Team von Xabi Alonso nicht sogar der bessere Champions-League-Finalist als die Bayern? Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Kompany betont nach 0:0 bei Bayer: "Fast 100 Tore geschossen"
Quelle: Perform
Liebe Fußballfreundinnen und -freunde,
so viel ist sicher, der 15. Februar 2025 wird mit einem historischen Alleinstellungsmerkmal in die Geschichte des Fußballvereins FC Bayern München eingehen.
In den 125 Jahren seit Klubgründung hat es, zumindest statistisch belegt, noch kein Pflichtspiel gegeben, in dem sich die Münchner keine einzige echte Torchance erarbeitet haben.
Und vielleicht muss man noch etwas genauer sein: Kein einziges Mal, dass ein Ball der Münchner auf das Tor des Gegners zurollte, in diesem Fall das von Bayer Leverkusen. In der offiziellen Statistik der DFL sind überraschend "zwei Schüsse" erwähnt, die so allerdings niemand gesehen hat.
Was erfolgt nun als Erkenntnis aus diesem doch ziemlich einmaligen Spitzenspiel, das die Bayern, wie Lothar Matthäus zu Recht anmerkte, "0:0 gewonnen haben". Die Bayern sind neuer Deutscher Meister (oder so gut wie), aber sind Sie noch das Nonplusultra?
Hatten die Bayern Angst vor Bayer?
Das Spiel am Samstagabend war ein Spiel, wie es sich gerade Bayern-Erfinder Uli Hoeneß nicht anschauen mag.
Er, der die Meisterschaft schon vor Monaten für entschieden hielt, dann wieder zurückruderte und jetzt, da die Meisterschaft tatsächlich zu seinen Bayern-Gunsten entschieden scheint, feststellen muss, dass man sich im Auswärtsspiel beim derzeit größten Konkurrenten, dem amtierenden Meister und Double-Gewinner, in die Hosen macht.
Niemals war der FC Bayern von seinem Suggestivmantra "Mia San Mia" weiter entfernt als am Samstagabend im "Topspiel" in Leverkusen. Aber warum? Wie ist das möglich? Ausgerechnet die Bayern, die immer dann den Turbo ihrer Extraklasse einlegen, wenn es wirklich zählt?
Wer Bayern-Coach Vincent Kompany nach dem Spiel bei der Pressekonferenz erlebte, sah einen nachhaltig beeindruckten, beinahe eingeschüchterten Trainer, der erstmal sich und dann der Presse zu erläutern versuchte, warum man im bisherigen Saisonverlauf über 100 Tore erzielen konnte, heute von einem Tor aber nicht mal träumen durfte.
Wo war Musiala gegen Bayer?
Und es sah nicht so aus, als hätte er die Gründe dafür schon ausgemacht. Leverkusen, so deutlich muss man das sagen, spielte ein völlig anderes Spiel.
Diejenigen, auf die Bayern sein Spiel baut, waren entweder fehleranfällig (Manuel Neuer) oder gar nicht zu sehen (wo war Jamal Musiala?).
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/11/18/4063248-82402613-2560-1440.jpg)
Freund sicher: "Musiala wird Weltfußball und FC Bayern prägen"
Quelle: Perform
Und auch die Frage zu Harry Kane muss gestellt werden: Was kann der Weltstar nur aus sich selbst heraus bewegen, wenn sich seine Mannschaft im Rückwärtsgang befindet? Kann er allein ein Spiel entscheiden?
Leverkusen war ohne Mittelstürmer gefährlicher als Bayern mit, nur Tore erzielen, das können sie nicht mehr annähernd so gut wie in der Vorsaison. Ein gutes Argument für eine Xabi Alonso-Kritik: Warum bringt er Patrik Schick nicht viel früher?
Geburtsstunde eines neuen Klassikers
"There is a new sheriff in town", gary-cooperte der irre US-Vizepräsident JD Vance in der letzten Woche in München (!) und meinte seinen Chef.
Aber auch für die Bundesliga hat das Bild am Samstag neue Konturen gewonnen: Bayer gegen Bayern – war das die Geburtsstunde eines neuen Klassikers? Tatsächlich braucht die Liga mindestens zwei Klubs an der Spitze, die eine Rivalität auf Augenhöhe verkörpern.
Die letzten 15 Jahre versuchte sich der BVB, der sich aktuell in Selbstabwicklung befindet, in der Rolle des ewigen Bayern-Rivalen. Zweimal wurde Dortmund auch Meister (2011, 2012), aber wer sich an die direkten Begegnungen zwischen Bayern und BVB erinnert, der sah oft genug das Spiel Kaninchen (Dortmund) vor der Schlange (Bayern).
Auch ein schönes Spiel, hat nur mit Fußball nix zu tun. Der BVB fiel im deutschen Clásico immer wieder regelrecht in sich zusammen. Die ganze Mentalitätsdiskussion in Dortmund basiert auf der Hasenfüßigkeit ihrer Klassiker-Auftritte.
Crunch Time ist die Zeit der Bayern
Größer könnte der Unterschied zu Leverkusen vom Samstagabend kaum sein. Bayer traf das Tor nicht, aber Mentalität? Seit über zwei Jahren (und sechs Spielen) ist der Deutsche Meister gegen die Bayern unbesiegt.
Die Werkself gewinnt in dieser Saison Anfang Dezember durchaus mit Glück im DFB-Pokal in München und die zu Saisonbeginn verunsicherten Alonso-Mannen holen im September 2024 einen glücklichen Punkt beim Rekordmeister.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/02/15/4098422-83106088-2560-1440.jpg)
Bayer-Coach Alonso: "War unser bestes Spiel gegen Bayern"
Quelle: Perform
Zu Recht wurde diese Partie mit der vom Wochenende verglichen. Ausgleichende Gerechtigkeit hieß es. Und doch gibt es einen signifikanten Unterschied. Der 5. Spieltag einer Saison ist Warmlaufen, der 22. aber der Beginn der Crunch Time. Und Crunch Time, das war immer schon Bayern-Zeit.
Wie gesagt: Die Meisterschaft ist den Münchnern nicht mehr zu nehmen. Oder anders gesagt: Sie können sie sich nur noch selbst nehmen. Aber man stelle sich nur einmal vor Leverkusen und nicht der FC Bayern erreicht das Champions League-Finale am 31. Mai 2025 in – sic ! – München.
Kommt die ultimative Demütigung?
Das Spiel vom Wochenende und die bisherigen Auftritte in der Champions League legen nahe, dass Bayer vielleicht sogar die größere internationale Klasse besitzt.
Das Finale Dahoam, Teil 2, ausgerechnet mit dem schnöden Werksclub - es wäre eine weitere, vielleicht die ultimative Demütigung des bayerischen Selbstverständnisses, die Uli Hoeneß erst einmal verkraften müsste.
Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
Das könnte Dich auch interessieren: "Ein Prozent": Guardiola redet City-Chance bei Real klein
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/02/15/4098459-83106828-2560-1440.jpg)
Alonso nach Gipfel: "Tabelle und Ergebnis könnten besser sein"
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung